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Sucht vorbeugen

Vergnügen - Gewohnheit - Sucht

Nach jedem Feierabend zwei oder drei Biere, zur Entspannung ein paar Joints oder den halben Tag im Internet surfen: Wie schnell kann ein bestimmtes Verhalten zur Gewohnheit werden, und diese dann sogar zu einer sehr riskanten. Wer dem entgegenwirken will, ist bei SKOLL richtig.

Sucht

SKOLL ist kein neuer Trinkspruch, sondern bedeutet ganz im Gegenteil: Selbstkontrolltraining für den verantwortungsbewussten Umgang mit Suchtstoffen.

Das Programm wird in der Jugend- und Drogenberatung BRÜCKE in Mainz angeboten und wendet sich an Personen ab 16 Jahren mit problematischem Suchtmittelkonsum oder mit einer anderen Störung. Ziel von SKOLL ist es, den Konsum zu stabilisieren, zu reduzieren oder bestenfalls ganz einzustellen.

»Wenn eine Person beispielsweise regelmäßig Wein trinkt, sich aber dabei immer unbehaglicher fühlt, dann ist sie bei SKOLL richtig. Hier kann sie überprüfen und analysieren, wie ihr Verhalten zu bewerten ist«, erläutert Bernhard Fontaine, der für das Training zuständig ist, dessen Ablauf. »Diesen Status Quo gilt es zunächst zu klären.« Danach folge die Frage nach der Veränderungsmotivation - schließlich läge ein Riesenschritt zwischen Unbehagen und dem Willen, seine Verhaltensweisen zu ändern.

Diese Entscheidung ist während des Kurses zu fällen und wird für jede Person visualisiert. »Das Programm ist zieloffen konzipiert, das heißt, die Teilnehmer entscheiden selbst, ob sie einen kontrollierten Konsum haben wollen«, erklärt der Diplom-Sozialpädagoge weiter. Die Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit der Teilnehmer seien wichtig, die Inhalte und Methoden daher an deren Zielen und Bedürfnissen orientiert.

Neue Verhaltensweisen ausprobieren

Da SKOLL dazu beiträgt, Veränderungsprozesse bei riskant konsumierenden Menschen frühzeitig einzuleiten und die Zugänge zu Hilfemöglichkeiten zu erleichtern, ist eine bereits bestehende Sucht ein Ausschlusskriterium für die Teilnahme am Programm, »denn in diesem Fall ist eine Kontrolle nicht mehr möglich«, so Fontaine.

Bei dem Training, das zehn Abende von jeweils 90 Minuten und ein Nachtreffen umfasst, können sich die Teilnehmer in vertrauensvoller Atmosphäre mit ihrem persönlichen Gebrauch von Suchtmitteln auseinandersetzen und Erfahrungen austauschen. Um den Konsum zu verringern oder ganz auf Suchtmitteln zu verzichten lernen sie unter anderem, neue Verhaltensweisen auszuprobieren, Risikobewusstsein und Strategien zur Krisenbewältigung zu entwickeln, Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen und die eigene Gesundheit zu fördern.

Über 120 Menschen haben das Training seit seiner Einführung vor sechs Jahren bei der BRÜCKE genutzt. »SKOLL ist ein wirksames Angebot. Die Rückmeldungen der Teilnehmer sind durchweg positiv«, betont Bernhard Fontaine. Vor Beginn jedes kostenlosen Kurses gibt es ein verbindliches Gespräch, bei dem die Interessenten über den Ablauf informiert werden. SKOLL wird vom Träger der Jugend- und Drogenberatung, der Stadt Mainz, finanziert und findet jeweils im Frühjahr und im Herbst in der Einrichtung statt. Das nächste Training startet am Dienstag, 17. September. Anmeldungen sind noch bis zum 13. September möglich.

SKOLL wurde 2008 als Bundesmodellprojekt ins Leben gerufen und wird an mehr als 30 Standorten deutschlandweit umgesetzt. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf hat es als wirksames Programm zur Frühintervention bei radikalen Verhaltenssüchten evaluiert und zertifiziert.

| KH

Jugend- und Drogenberatung BRÜCKE
Münsterstraße 31, 55116 Mainz
Telefon: 06131 234577
beratungsstelle@bruecke.mainz.de
www.skoll.de