Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

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Politik

MOGUNZIUS
STADTSCHREIBER DES MAINZERS

Leichtfüßiges Management im Rathaus ändert nichts an den eigentlichen Herausforderungen für Mainz.

April ist lange vorbei und die Meldung kein Scherz: Die Mainzelmännchen sind jetzt hochoffiziell Ehrenbürger der Stadt Mainz. Klasse mag man ausrufen - welch grandioser Imagecoup. Dieses Beispiel zeigt, wie leichtfüßig man im Rathaus die Bürde von Amt und Würden lebt. Wie man gedanklich die Herausforderungen umschifft, die eigentlich gemeistert werden müssten. Beispiele gefällig? Die oft und gerne genannte Einigung um die Zukunft des Kulturzentrums hängt weiter in der Warteschleife, obwohl der Handlungsdruck im Blick auf die nunmehr fast realisierte Wohnbebauung am Winterhafen in direkter Nachbarschaft noch gestiegen ist.

Apropos Druck: Der Knoten in Sachen Einkaufszentrum an der Ludwigsstraße ist noch längst nicht zerschlagen und die Geduld des Investors ECE immens. Muss sich doch die Hamburger Gesellschaft von Gegnern des Projekts mit schöner Regelmäßigkeit anhören, wie überdimensioniert und unpassend ihre Pläne eines Shopping-Centers für Mainz seien. Auch das ist das Ergebnis einer demokratischen Mitsprache - jeder darf seine Meinung äußern, ist sie auch noch so unrealistisch. Dabei ist jedem klar: Mainz braucht an dieser Stelle einen Impuls für seine Einkaufsstadt und das Rathaus müsste die Debatte stringenter moderieren.

Feder

Erst gar nicht auf dem Schirm haben Rat und Verwaltung das Rheinufer. Zum ersten öffentlichkeitswirksamen Treffen beider Oberbürgermeister von Mainz und Wiesbaden wurde der Rhein genutzt und nebenbei wieder deutlich, wie sträflich vernachlässigt die Promenade zwischen Rathaus und Kaisertor wird. Viele vollmundige Ankündigungen bei OB-Wahlkämpfen in der Vergangenheit - nur passiert ist noch nichts. Auch nicht planerisch auf dem Papier. Keine Idee, kein Konzept, wie die Mainzer an dieser Stelle näher zum Rhein rücken können. Weil es auch so kompliziert ist - Düsseldorf lässt grüßen. Hier wurde das Rheinufer von der City bis zum Medienhafen vorbildlich belebt.

In Mainz wird das Thema erst gar nicht diskutiert, weil man wohl meint, mit dem Bau des Zollhafens leiste man genug im Blick auf moderne Stadtarchitektur am Fluss. Schade. Eine verschenkte Chance. Erst recht, wenn man bedenkt, wie viele Touristen an dieser Stelle ihren ersten visuellen Kontakt mit Mainz haben, wenn sie mit dem Schiff anreisen. Das bringt kein Lächeln auf die Gesichter der Mainz-Gäste. Daran ändern auch manche Mainzelmännchen-Aufkleber an den Schaukästen am Rheinufer nichts.

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