Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

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Mainzer Kopf

Kommandant einer famosen Truppe zum Schutz der Zecher

Sie gehören einfach dazu. Drängeln sich nicht in den Vordergrund. Sind aber präsent. Die Alt-Mainzer Stadtsoldaten beim Mainzer Weinmarkt. Pierre Janiska tritt in diesem Jahr erstmals als Kommandant der 30-köpfigen Truppe an. Die Geselligkeit ist es, die er nicht missen möchte.

Pierre Janiska

Zehn Jahre ist Pierre Janiska bei der Garde der Prinzessin dabei. Anfänglich mit Röckchen bekleidet bei den Garde-Gazellen, ruckzuck als Stadtsoldat »rekrutiert« und mit Ämtern betraut. Anfang dieses Jahres übernahm er das Amt des Kommandanten von seinem Vater Fred Janiska.

Immer wenn Weinmarkt ist, tritt der 38-Jährige an, um die »edlen Zecher« zu beschützen. Das ist die traditionelle Aufgabe der »Alt-Mainzer Stadtsoldaten«, die in Anlehnung an die ehemalige Wachtruppe der Mainzer Republik von 1792/93, im Mai 1936 anlässlich der Weinfestwoche gegründet wurden.

Dass die Garde der Prinzessin (GdP) die Stadtsoldaten stellt, ist auf die Ähnlichkeiten der Uniformen zurückzuführen. Allerdings tragen die Gardisten bei ihrem Dienst im Stadtpark weiße Hosen und auf dem Kopf den Tschako - schön verziert mit dem Mainzer Rad.

Anböllern und Schichtdienst

»Ein Stadtsoldat ist ein Repräsentant der Stadt, unterwegs für mainzplus Citymarketing, wir begleiten auch die Promis, sind beliebtes Fotoobjekt und müssen immer wieder erklären, was wir darstellen und die Geschichte der Stadtsoldaten erzählen«, fasst Janiska zusammen.

Unterwegs ist die Truppe nicht nur beim Weinmarkt, sondern auch beim Brezelfest oder dem Niersteiner Weinfest, sie begleitet die Gautschlinge bei der Johannisnacht und schützt den Nikolaus mit Fackelbegleitung, begleitet die Rosenkönigin beim Rosenfest in Bad Nauheim/Steinfuhrt und kann für private Festlichkeiten gebucht werden.

Eine wichtige Stadtsoldaten-Aufgabe ist das »Anböllern« eines Fests: Mit einer Kanone sowie mit Lang- und Kurzwaffen, bestückt mit speziellem Böller- bzw. Schießpulver, werden die Gäste mit Krach und Dampf begrüßt. »Übrigens muss wer böllert eine Prüfung abgelegt haben«, sagt Janiska, »das geht nicht einfach so.«

Wer die Truppe in seinem Garten anböllern lassen will, braucht dazu auch noch eine Genehmigung von Ordnungsamt und Polizei.

Der Weinmarkt wird hinter dem »Mainzer Platz« neben der Favorite angeböllert, während die 30 Stadtsoldaten, die weiblichen inklusive, um die Bühne salutieren.

Damit während des Hauptbesucheransturms genügend dieser Uniformträger durch den Stadtpark flanieren, wechseln sie sich im »Schichtdienst« ab. Als fotogene Hingucker sind sie an den Weinständen sehr beliebt und kommunikativ sind sie qua Amt - schließlich sind Stadtsoldaten Ansprechpartner für Vieles.

Fest gebucht scheint ihre Hilfe auch auf der Spielwiese, wo sie den Vorlesedamen beim Zeltaufbauen helfen. Ihr eigenes Zelt, ihr »Zuhause« während des Weinmarkts, schlagen sie hinter dem Mainzer Platz auf.

Ein sehr zeitraubendes Freizeitenga­gement sei das, bekennt Janiska, zumal er im Vorstand der GdP und Anwärter auf das Amt des »Spießes« ist: »Der kümmert sich um alles, eine ,Mutter der Kompanie« sozusagen, die zwischen Vorstand und den normalen Gardisten verbindet und vermittelt.«

Gardeleben ist Familiensache

Diese Ämterkombination, Spieß und Stadtsoldaten-Kommandant, bedeutet für Janiska pausenloses Gardistendasein: Ist das Stadtsoldatenleben vorbei, beginnt die nächste Kampagne.

Spaß mache ihm das alles, er mag die Geselligkeit und Brauchtumspflege ist seine Sache. Außerdem ist die Familie ins Gardeleben integriert, Frau und Kinder sind ebenfalls bei der GdP aktiv.

Ging es laut Augenzeugenberichten früher heftig zur Sache, wenn die Stadtsoldaten ihr »Hausrecht« auf dem Weinmarkt wahrten und ungebetene Besucher des Platzes verwiesen, wirke ihr Auftreten heutzutage durchaus »beruhigend«, verweist Janiska auf die Aussagekraft ihrer Uniformen. Allerdings, stellt er klar, mischten sie sich bei Streitigkeiten grundsätzlich nicht mehr ein, verständigten allenfalls Sicherheitsdienst und Polizei.

| SoS