Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
Verlosung

DER MAINZER verlost:
3x zwei Karten für jeweils eine Vorstellung des Cirque Bouffon
in Wiesbaden.

cirque buffon

Schreiben Sie eine E-Mail an verlosungen@dermainzer.net mit dem Betreff: Cirque Bouffon

Vergessen Sie Ihre Telefonnummer nicht: Die Gewinner werden telefonisch verständigt, die Eintrittskarten an der Abendkasse hinterlegt.

Einsendeschluss: 15. September
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Mehr Informationen zum Zirkus...

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SPITZFINDIG


Titelbild DER MAINZER Nr. 276 BEWERBUNGSMARATHON

Während halb Deutschland im Urlaub weilte oder in Schwimm­bädern und an Seen, tourten die Kandidaten für den Bundestag durch die Lande: Sommertour nannte sich das.

Von außen betrachtet, wirkte es eher wie eine Ochsentour. Die ist Teil des Bewerbungsmarathons. Bei jeder Wahl. Dem sich zu unterziehen hat, wer als Politiker gestalten und entscheiden möchte. Im Auftrag des Volkes.

Auch wer sich um eine »normale« Stelle bewirbt, muss einiges über sich ergehen lassen: Bewerbungen schreiben, erstes Bewerbungsgespräch vorbereiten und durchhalten, Assessmentcenter absolvieren, zweites Bewerbungsgespräch .

Dazu noch Absagen wegstecken oder Vertragsverhandlungen durchstehen. Bis zum (erhofften) Arbeitsbeginn kein Spaziergang.

Aber wenig im Vergleich zu dem Bewerbungsmarathon, den die Volksvertreter hinter sich bringen.

Zuerst müssen sie sich in ihrer Partei durchsetzen, dann beim Wahlvolk punkten. Es folgt eine vierjährige (in den Landtagen, bis auf Bremen eine fünfjährige) Bewährungsprobe: Sind die Parteifreunde mit der geleisteten Arbeit zufrieden, folgt der nächste Bewerbungsmarathon. Lassen sich die Wähler erneut überzeugen, folgen weitere vier Jahre bezahlte Arbeit im Parlament.

kran

Das geht immer so weiter. Bis die Parteifreunde unzufrieden sind, der Kandidat sich bei den nächsten Wahlen auf den hinteren, meist aussichtslosen Listenplätzen wiederfindet. Oder die Wähler ihr Kreuz woanders machen.

Dann ist der Abgeordnete arbeitslos. Natürlich mit Überbrückungsgeld und, berechnet nach der Anzahl seiner Arbeitsjahre, Pensionsansprüchen.

Die meisten halten sich auch über ihren Zweitjob eine Tür ins Berufsleben offen. Also »versorgt« sind die Herrschaften.

Dennoch stellt sich die Frage, was treibt Menschen an, sich deratigen Torturen zu unterziehen? Zumal auch der Job nicht ganz einfach sein soll. Nur um den zu erhalten, machen sie alle vier, fünf Jahre diesen wochenlangen Bewerbungsmarathon mit? Respekt!

Oft heißt es, die meisten dieser Menschen seien einfach nur machtgeil. Mag sein. Auf jeden Fall werden sie gebraucht. Sie sind elementarer Bestandteil der parlamentarischen Demokratie. Außerdem idealer Frustabladeplatz für das Wahlvolk.

| SoS