Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

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SCHÖNER BADESPASS?

Die Befürchtung, Sport- und Freibad am Taubertsberg verwahrlosen zusehends, ließ den MAINZER wieder einmal baden gehen - mit Günter Beck, dem Herr über die Kontrollpflichten, im Schlepptau.

Beck
Er ging mit dem MAINZER baden: Bürger­meister Günter Beck als Drecksack ein alternativer Fastnachter.

Jedes Jahr machen der Sportdezernent, ein Vertreter der Gebäudewirtschaft Mainz und der Sportabteilung sowie die Badleiterin eine Begehung des Taubertsbergbads. Die Stadt hat eine »Kontrollpflicht«, sie zahlt 1 Mio. € Subventionen pro Jahr an den Badbetreiber. Dass trotz dieser Begehungen Sport- und Freibad mindestens ungepflegt erscheinen, dazu in Umkleideräumen und Duschen meist irgendetwas nicht oder unzureichend funktioniert, brachte den MAINZER auf die Idee ebenfalls eine Badbegehung zu unternehmen: Anonym und mit Sportdezernent Günter Beck als »Zeugen«. Was uns dabei auffiel, lesen Sie unter »MAINZER-Begehung« (links).

Im Anschluss an die Begehung fragte DER MAINZER den Sportdezernenten:

Wie bezeichnen Sie den aktuellen Zustand des Umkleide- und Duschbereichs im Sportbad?

Beck: Das Bad befindet sich sicherlich nicht in einem Zustand, wie ich ihn mir als Sportdezernent wünschen würde, allerdings ist es ja doch schon fast zehn Jahre in Betrieb, sodass die eine oder andere Abnutzungserscheinung zwangsläufig vorhanden ist. Dennoch ist es aus meiner Sicht wünschenswert, dass schneller auf bestimmte Mängel reagiert und Abhilfe geschaffen wird.

Einmal im Jahr findet eine Kontroll-Begehung statt, dabei wird eine Mängelliste erstellt: Wird die Abarbeitung der Mängel kontrolliert? Gibt es Konsequenzen, wenn die Mängel nicht behoben werden?

Beck: Selbstverständlich wird die Abarbeitung der Mängel kontrolliert. Dies geschieht oftmals relativ unproblematisch. Eine Vielzahl der jetzt angesprochenen Mängel ist kurzfristiger Natur, wie beispielsweise die Streifen an den Spinden oder die defekten Spindschlösser. Hier kann der Betreiber nahezu täglich neue Schlösser kaufen, denn sie werden ständig mutwillig zerstört. Dieses Problem besteht von Anfang an. Andererseits sollte man verkalkte Duschköpfe und andere Mängel ähnlicher Art nicht auf die leichte Schulter nehmen. Gerade die sogenannten sichtbaren Mängel sind es, die den Besuchern ein negatives Bild eröffnen und sich auf die Besucherzahlen auswirken können.

Der Sanierungsstau scheint immer größer zu werden. Wie hoch sind die finanziellen Rückstellungen, um das Sportbad komplett zu sanieren, wenn der jetzige Pachtvertrag ausläuft?

Beck: Von einem Sanierungsstau kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesprochen werden. Wir befinden uns mit dem Betreiber im offenen Austausch, was die großen Mängel angeht.

Bad Könnte man dem aktuellen Badbetreiber kündigen wegen nicht erfolgter Instandhaltung?

Beck: Grundsätzlich ist, wie in den meisten Verträgen, unter bestimmten Voraussetzungen eine Kündigung möglich. Diese liegen hier zum aktuellen Zeitpunkt bei weitem nicht vor. Deshalb denken wir derzeit auch gar nicht in diese Richtung.

Warum zahlt die Stadt trotz dieser offensichtlichen und seit Jahren zunehmenden Verwahrlosungsanzeichen des Sportbades weiterhin 1 Mio.€ an den Badbetreiber?

Beck: Die Gründe habe ich bereits teilweise angesprochen. Bezüglich einer Vielzahl von Mängeln gibt es aktuelle Regress- bzw. Instandsetzungsforderungen. Sie beziehen sich zum überwiegenden Teil auf den Thermen- und Saunabereich, der, was die Bezuschussung angeht, außen vorbleibt. Der städtische Zuschuss wird bezahlt um Schulen und Vereinen die Möglichkeit zu geben, im Sportbad ihren Schwimmsport zu betreiben. Außerdem muss der Betreiber die Preise des Sportbades in einem sozialverträglichen Rahmen halten. All diesen Verpflichtungen kommt der Betreiber nach. Insofern gibt es keinen Grund unseren vertraglichen Vereinbarungen nicht nachzukommen. Andererseits bin ich froh, dass wir in Mainz trotz der angespannten Finanzsituation überhaupt noch zwei Bäder haben. Klar ist aber auch, dass ich bezüglich der aufgezeigten Mängel, die nicht unter die Gewährleistung fallen, direkt das persönliche Gespräch mit der Betriebsleiterin Waltraud Knestel suchen werde, um eine kurzfristige Lösung zu erreichen. Sollte sich hieraus keine Verbesserung ergeben, werden wir die Begehungsintervalle verkürzen.«

»Mainzer Begehung«

Es war kein Problem Günter Beck am 4. Juli 2013 unerkannt an der Kasse vorbei zu manövrieren, selbst in Badehose nahm niemand Notiz von ihm. MAINZER-Herausgeber Werner Horn erkundete mit ihm die Herren-Umkleideräu­me und -Duschen, Redaktionsleiterin Marion Diehl streifte derweil durch den Damenbereich. Wir sahen:

  • Die Decke im gesamten Umkleidebereich weist mehrere große Löcher auf (Foto 01) und mehrere Wasserflecken
  • In einer der Herrenumkleideräumen funktionieren von 22 Spinden 10 nicht, sie haben keine Schlösser (Foto 02)
  • Am Abfluss in der Herrendusche fehlen seit längerem Fliesen (Foto 03)
  • Im Eingangsbereich der Herren- als auch der Damen­dusche steht regel­mäßig viel Wasser, was nur mit entsprechenden Gerätschaften vom Reinigungspersonal beseitigt werden kann (Foto 04)
  • Außerdem:

  • In der Herren- und Damendusche fließt das Wasser spärlich aus den sichtbar verkalkten Duschköpfen
  • Die Wassertemperatur der Duschen lässt sich nur unzureichend regulieren
  • An einer der Wände im Vorraum zu den Duschen ist ein großer feuchter Fleck, der Putz beginnt abzubröckeln
  • Die Spinde in den Damenumkleideräumen sind mit schwarzen Streifen übersäht
  • Die Wände, die Sitzbank und die Ablage unter den Spiegeln in den beiden abschließbaren Damen-Kabinen sind versifft: schwarze, schmierige Streifen.

Alles halb so schlimm?
Wie man es nimmt...

Dieses Mal hat DER MAINZER eine Veröffentlichungsgenehmigung für die hier abgebildeten Fotos erhalten, muss aber die nachfolgende Stellungnahme von Walburga Knestel, General Manager, Taubertsbergbad Mainz Betriebsgesellschaft mbH & Co. KG abdrucken. »Es gibt wohl keinen Ort auf der Welt, an dem ein suchender Fotograf keine Bilder machen könnte, die nicht so schön sind und keine entsprechenden Stellen finden könnte. So ist es überall, auch bei uns.

Im Einzelnen können wir folgendes sagen:

  • Vor Kurzem war im Duschbereich eine Rohrleitung undicht. Wir haben zuerst die Leitung getauscht und dann neue Platten für die Rasterdecke bestellt. Nachdem die Platten nun kommen und alles dicht ist erfolgt der Einbau noch in dieser Woche (Anm.d.Red.: KW 29; Foto 01)
  • Wenn im Sportbad alle Duschen gleichzeitig und längere Zeiten an sind gibt es vorübergehend Pfützen. Eine technische Lösung für den - nur in sehr ausgewählten Momenten gegebenen - Starklastbetrieb muss hier leider noch gefunden werden. /(Foto 04)
  • Immer wieder kommt es vor, dass Spindschlösser aus verschiedenen Gründen zu hart beansprucht werden und dann ausgetauscht werden müssen. So aktuell am Tag der Fotos - 10 Schlösser von 167 Schlösser im Sportbadbereich. Die aktuelle Ersatzcharge ist auf dem Weg und wird dann sogleich eingebaut, sodass es auch in Zukunft keinen Schrankmangel geben wird (Foto 02).
  • Leider hat sich eine Duschleitung im Wandbereich des Sportbads entschieden, an einer leider nicht wirklich gut zugänglichen Stelle zu tropfen. Nach Ortung und Beseitigung der Tropfstelle sowie der sicheren Erfolgskontrolle wird bald dann auch der Putz an dieser Stelle wieder ausgetauscht.
  • Eine beschädigte Fliese in den Herrenduschen im Sportbadbereich wurde ersetzt. Das Foto zeigt die Stelle des kurzzeitigen Provisoriums, ist mittlerweile jedoch auf Grund einer nagelneuen Fliese Geschichte (Foto 03).

Besonders gefreut hätte uns an dieser Stelle, wenn z.B. auch ein Bild von unseren schönen neuen und von unseren Gästen sehr gelobten Saunawänden zu sehen gewesen wäre!

Gleichwohl, bei einer großen Anlage mit rund 400.000 Besuchern jährlich ist immer etwas zu tun. Unsere Technik arbeitet mit voller Motivation und oftmals rund um die Uhr, damit unsere Gäste es schön haben. Die Fotos sind uns Ansporn genug, hier nicht nachzulassen und unser Bestes zu geben.«


Kommentar: Wer soll das bezahlen?

Nein, Frau Knestel, wir finden im Sport- und Freibad - nur die interessieren uns, weil nur die subventioniert werden - nichts zu loben. Wenn in einer von vier Umkleide-Einheiten seit mehreren Monaten zehn von 22 Spindschlössern kaputt sind, kann man nicht von aktueller Reparatur sprechen. Die Duschköpfe sind seit Jahren verkalkt, alles erweckt den Anschein, es wird gerade so viel repariert und ersetzt, wie unbedingt erforderlich. Das gilt auch für den Umkleide- und Duschbereich im Freibad.
Die Badegäste nehmen es hin oder gehen nicht mehr hin.
Es geht hier aber um mehr. Die Sanierung des Mainzer Rathauses wird u.a. auch deshalb so teuer, weil jahrelang nichts oder zu wenig in die Bestandserhaltung und Modernisierung investiert wurde. Ähnliches erleben Privat­eigen­tümer: Wer nicht regelmäßig investiert, zahlt am Ende eine horrende Rechnung oder lässt abreißen.
Was passiert mit Sport- und Freibad - wenn der Vertrag mit dem Betreiber in einigen Jahren ausläuft? Sind sie dann immer noch betriebsfähig? Für Schulen und Vereine nutzbar? Oder reif für eine Generalsanierung? Wer soll die bezahlen?
Dem Sportdezernenten ist zuzustimmen: Die Mainzer können froh sein, trotz »angespannter Haushaltslage« noch zwei Bäder zur Verfügung zu haben (wobei sich den Eintritt in das Sport- und Freibad nicht alle werden leisten können). Deshalb: Nehmen Sie Ihre Kontrollpflichten wahr. 1 Mio. € Steuergelder pro Jahr sind kein Pappenstiel!
| SoS

Weiterlesen? Bitte schön:

Eine erste, umfangreiche Mängelliste steht im MAINZER-Artikel Sportbad mit Mangelerscheinungen - Hauptsache »Sozialverträglich«? vom Juni 2009.
225-Titelstory

Der MAINZER-Artikel Taubertsberg-Freibad: Mehr Kontrolle für dauernden Badespaß? vom August 2010 beschäftigte sich mit fehlenden Spindschlössern im Freibad, mit der Frage, was ordnungsgemäße Instandhaltung beinhaltet und mit den Kosten für Bahnenstunden.
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