Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

Werbung

Politik

MOGUNZIUS STADTSCHREIBER DES MAINZERS

Kontrollen in Mainz: Dem Rathaus geht es nicht nur um Verkehrssicherheit.

Keine Frage: Wer Menschen gefährdet, ob mit zu hohem Tempo oder gravierendem Falschparken, muss zur Kasse gebeten werden. Was aber die Stadt Mainz in den vergangenen Monaten anstellte, ist Schikane und zugleich Beweis, dass man hier eine erkleckliche Einnahmequelle entdeckt hat.

Das werden die Verantwortlichen im Mainzer Rathaus weit von sich weisen und behaupten, es gehe um Rowdies, die mit Bleifuß unterwegs sind oder ihr Auto fahrlässig an Stellen parken, wo im Notfall Feuerwehr oder Krankenwagen durchkommen müssen. Doch stimmt dies nur teilweise.

Das verkrampft-eurofixierte Ausschwärmen des städtischen Kontrollpersonals an Wochenenden ist in dieser Qualität neu. Ob Alt- oder Neustadt, ob Vorort oder Rheinufer: Es wird mit einer Rigorosität kontrolliert, dass sich einem der Eindruck aufdrängt, hier würden die städtischen Politessenteams an den Einnahmen beteiligt.

Feder

Zuletzt schoss man sich wieder bei Konzerten am Zollhafen ins eigene Knie. Zwei mal 12.000 Besucher beim Schlagersternchen Helene Fischer und bei Rockstar Sting - was für eine Potenzial, um bei Ortsunkundigen munter Knöllchen schreiben zu können.

Das konterkariert alle Marketingbemühungen dieses Sommerfestivals und ist schlicht und ergreifend ein Ärgernis wie Einsatz an der falschen Stelle. Zumal die Besucherklientel einer Helene Fischer solch restriktives Vorgehen nicht vergisst und beim nächsten Mal lieber das Konzert in einer Nachbarstadt besucht.

Was auch für die mobilen Blitzer gilt. Statt vor Schulen und Kindergärten zu kontrollieren, stellt man dort die Blitzer auf, wo sich leichte Beute machen lässt. Wo Autofahrer auf Ausfallsstraßen bewusst das Tempo anziehen, weil sie sich bereits außerhalb der Innenstadt fühlen.

Wenn also die unfallgefährdeten Strecken bewusst ignoriert werden, entlarven sich Mainzer Verkehrsüberwacher mit anderen Strategien selbst. Beispiel: Sonntagabends in einer spärlich befahrenen und alles andere als unfallgefährdeten Pariser Straße steht die dezente Apparatur, die am Ende den städtischen Haushalt auch nicht retten kann. Aber Besucher von Mainz wie Bewohner darüber ins Grübeln kommen lässt, dass die Stadt hier alle Spielräume gnadenlos ausnutzt und abkassiert. Und sich mit dem Deckmäntelchen schmückt, eine solche Politik dämme den Aktionsradius von Verkehrsrowdies ein. Dies ist aber nur die halbe Wahrheit.

| Mogunzius