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Mainzer Kopf

Befallen vom Rudervirus: Ludwig Dürsch

Dieses Jubiläum wird im August groß gefeiert: 100 Jahre Weisenauer Ruderverein. Außerdem ist der Vorsitzende Ludwig Dürsch seit einem Vierteljahrhundert Mitglied beim WRV und seit fünf Jahren dessen 1. Vorsitzender. Ludwig Dürsch ist Ruderer mit Leib und Seele.

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Die Geschwister waren schuld. Ein älterer und ein jüngerer Bruder machten es vor. Alle Dürsch-Kinder zusammen hätten damals sogar einen Achter besetzen können. Letztlich ergriffen aber nur fünf die Ruderblätter.

In Ingelheim, beim damaligen Ruderverein Frei-Weinheim-Ingelheim packte Ludwig Dürsch mit 14 Jahren das Ruderfieber. Es dauert an.

»Dabei kann man wunderbar abschalten und ich kann alleine oder mit anderen aufs Wasser gehen, diese Entscheidungsmöglichkeit hat man in anderen Sportarten oft nicht«, begründet er seine Begeisterung für diesen Wassersport.

Einige Medaillen hat Ludwig Dürsch als Jugendlicher und junger Mann eingeheimst, darunter den 5. Platz bei den deutschen Jugendmeisterschaften im Doppelzweier 1974 und den 3. Platz bei den deutschen Meisterschaften im Leichtgewichts-Doppelzweier 1977.

Nicht schleifen lassen

Die wichtigste Voraussetzung für erfolgreiche Ruderer, sagt der Ingenieur, sei ein ausgeprägter Wille: »Man muss sich selbst überwinden können, man kann nicht einfach die Ruderblätter schleifen lassen, während sich die anderen in die Riemen legen.« Eine besondere Bewegungsgabe hält er dagegen nicht für erforderlich: »Durch viel Übung ist die Ruderbewegung perfekt erlernbar.« Allerdings: Man fährt rückwärts, sozusagen blind, orientiert sich am Ufersaum und sollte das Trainingsgelände gut kennen.

Dass Rudern eigentlich nur im Verein möglich ist, verdeutlichen die Kosten für die Boote: Ein Einer kostet ab 6000 Euro, für einen Achter muss der Verein ab 50.000 Euro hinlegen.

Sieben Jahre hat Dürsch als Regattasportler viele Flüsse »errudert« - der intensiven Binnenschifffahrt wegen finden Ruderregatten seit Jahren allerdings überwiegend auf Seen statt.

Von Ingelheim zum Weisenauer Ruderverein (WRV) wechselte der 57-Jährige 1988 »der Liebe wegen«: Ein »Weisenauer Mädche« aus einer Weisenauer Ruderfamilie hatte es ihm angetan. Mit seiner Familie lebt er in Laubenheim.

Sohn und Tochter ließen sich vom Rudervirus infizieren, als Übungsleiter gibt er diesen zudem an andere weiter, wobei auch ältere Semester gerne zu Riemen und Skulls greifen. Mindestens zweimal die Woche ist Dürsch auf dem Wasser, meist als Trainer, weshalb die eigene Ruderleistung zurückstehen muss - ruderte er früher 2000 km pro Jahr, schafft er heute nur noch ein Zehntel davon.

Außerdem: wer rudert braucht Ausdauer, ergo stehen wandern, laufen und radeln auf dem »ergänzenden« Sportplan, dazu noch das »Familienklettern« im Elbsandstein: »Meine Großmutter hat dort gelebt und wir verbrachten als Kinder seit 1959 in der damaligen DDR meist die Ferien.« Eine Tradition, die Dürsch mit der eigenen Familie fortführt.

Als Familienkoch schwingt er zudem immer dann den Kochlöffel, wenn mehr als vier Mägen zu füllen sind: »Für viele zu kochen habe ich von meiner Mutter gelernt, ebenso Torten zu backen und zu verzieren.«

Etwas andere Traditionen

Angesprochen auf die Beobachtung, dass Rudern als Sportart für besser betuchte Akademiker gilt, der WRV aber sein Domizil in dem früher überwiegend von Arbeitern bewohnten Weisenau fand, verweist Ludwig Dürsch auf die Vereinsgeschichte: Gegründet wurde der WRV von Handwerkern und kleinen Angestellten aus den Reihen des ehemaligen Mainzer Ruder Clubs - der wiederum ein Vorläufer der noch immer bestehenden Mainzer Ruder-Gesellschaft, aber nicht zu verwechseln ist mit dem Mainzer Ruder-Verein.

»Wir pflegen in dieser Hinsicht etwas andere Traditionen«, meint Dürsch und nennt die jährliche Wanderfahrt des WRV mit einem Kanadier als Beispiel. »Dass wir als Ruderer auch paddeln ruft immer mal wieder Erstaunen, manchmal sogar Unverständnis hervor«, sagt der WRV-Vorsitzende.

| SoS

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