Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

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1. FSV Mainz 05

»Aderlass« oder gelungene Verstärkung?

Der 1. FSV Mainz 05 steht vor seiner fünften Bundesliga-Saison in Folge - der erste Rekord für das Fußballjahr 2013/14 ist damit bereits erreicht, denn solange konnte sich die Mannschaft bisher noch nie in der 1. Bundesliga halten.

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Johannes Geis und Julian Koch

Die Kernfrage ist heute nicht mehr ob der FSV in der bevorstehenden Saison absteigen muss. Daran glauben die Wenigsten - und auch das ist ein Erfolg. Vielmehr geht es um das, was vor wenigen Jahren noch als »Luxusproblem« in Mainz behandelt worden wäre: Schafft der Verein einen Platz in der oberen Tabellenhälfte und kann er sich »für Europa qualifizieren« - sprich: 2014/15 in einem internationalen Wettbewerb starten? Anders ausgedrückt: Ist die neue Mannschaft stark genug an die Saison 2010/11 anzuknüpfen, als ein nie erwarteter fünfter Platz erreicht wurde oder ist ein weiterer »Platz 13« realistischer - der dritte in Folge?

Topspieler erwünscht?

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Dani Schahin

Geld verführt - zumindest so manchen Fan. Daher war in den letzten Wochen oft die Forderung zu hören, die für den zum FC Schalke 04 gewechselten Torjäger Ádám Szalai erhaltene Rekordtransfersumme (8.000.000 ?) sowie den »Schürrle-Nachschlag« (ca. 4.000.000 ?) sofort wieder für einen neuen »Spitzenspieler« auszugeben. Alleine: Um solche Stars buhlen auch Mannschaften die wirtschaftlich anders aufgestellt sind als der FSV - und ein hoher Kaufpreis ist - wie in jeder Saison deutlich wird - noch keine Garantie dafür, dass sich ein neue Spieler in das vorhandene Team integriert und alle in ihn gesteckten Erwartungen auch erfüllt.

Zieht man eine Bilanz der bisherigen Zu- und Abgänge kann man dem Verein nur ein Kompliment machen: Es wurde vernünftig gewirtschaftet und die Kombination aus jungen Perspektivspielern und »alten Hasen« sieht vielversprechend aus.

Auch wenn die Ergebnisse der beiden Vorbereitungsspiele gegen die europäischen Erstligaclubs Groningen (4:0) und West Ham United (4:1) nicht überwertet werden dürfen - der Auftritt der Mannschaft war mehr als erfreulich, auch bei dem anschließenden Spiel gegen den FC Basel (3:3), in dem sich Maxim Choupo-Moting brillant in Szene setzen konnte und sich als dreifacher Torschütze auszeichnete.

Die aktuellen Transfers

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Shinji Okazaki

Schauen wir uns die Neuzugänge etwas näher an: Die Wechsel der asiatischen Nationalspieler Shinji Okazaki (61 A-Länderspiele für Japan) und Park Joo-ho (11 A-Länderspiele für Südkorea) vom VfB Stuttgart bzw. dem FC Basel zum FSV Mainz 05 waren sicherlich eine große Überraschung und sind ebenso ein Beleg für die Fähigkeiten von Manager Christian Heidel, wie eine Auszeichnung für das Team: Vor wenigen Jahren wäre es noch völlig undenkbar gewesen, dass solche Spitzenspieler zu uns an den Rhein gewechselt wären.

Ansonsten sind in den rot-weißen Reihen fünf neue ehemalige »U-Nationalspieler« zu finden - Spieler, die sich in den Nachwuchsteams bereits bewährt haben: Johannes Geis (zuletzt: Spvgg. Fürth), Julian Koch (Borussia Dortmund), Christoph Moritz (FC Schalke 04), Sebastian Polter (VfL Wolfsburg) und Dani Schahin (Fortuna Düsseldorf)

Hier wird eine weitere Phi­losophie des Vereins deutlich: Talente nach Mainz holen, weiter ausbilden und dann - mit einem lachenden und einem weinenden Auge - mit Gewinn verkaufen.

Trainer Thomas Tuchel wollte einen Umbruch im Team, eine personelle Weiterentwicklung - und war deshalb auch bereit sich von Publikumslieblingen wie Andreas Ivanschitz (jetzt: Levante DU) und Radoslav Zabavnik (SV Sandhausen) zu trennen. Welchen Verlust ihr Weggehen, und der von Marcel Risse (1. FC Köln) und einigen anderen, darstellt, wird sich erst im Laufe der Saison zeigen.

Fan-Meinungen

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Sebastian Polter und Christoph Moritz

Sicher ist, dass es wieder spannend wird. Ende Juli stand die Wettquote für eine Europa-Qualifikation der Mainzer 8:1. Wie realistisch das ist, werden schon die ersten Spieltage zeigen. Die nationale Fan-Gemeinde ist eher kritisch. Laut der jährlich durchgeführten Umfrage eines Fachmagazins glauben fast 80 Prozent nicht daran, dass Tuchel »den Weg aus dem Mittelmaß« findet.

Andererseits tippen auch nur noch jeweils rund 7 Prozent auf einen direkten Abstieg bzw. eine Relegationsteilnahme des Teams.

Werfen wir noch einen Blick auf den DFB-Pokal: Man kann es positiv bewerten, dass es Mainz in der letzten Saison bis ins Viertelfinale geschafft hat - immerhin durch einen allzu schnell in Vergessenheit geratenen Sieg in Schalke - oder sich noch über die ebenso unnötige wie fürchterlich ärgerliche Heimniederlage (nach Verlängerung) gegen den FC Freiburg aufregen. Auch hier werden uns (hoffentlich viele) spannende Stunden ins Haus stehen. Auch den Schatzmeister würde es freuen.

Bliebt noch die Frage, wie es »im Eckigen« aussehen wird - welche Leistungen die Torhüter Christian Wetklo, Heinz Müller und Loris Karius bringen werden. Ob Paraden, Querelen oder (bitte nicht) Ausraster die Diskussion über die Männer im Tor bestimmen werden.

In der kommenden Saison ist viel möglich - in jeder Beziehung. Freuen wir uns darauf, wenn es am 11. August wieder rund geht, wenn das Leder endlich wieder rollt. Hoffen wir auf viele Tore und Punkte und dass Ordnungsdienst und Polizei möglichst wenig zu tun bekommen. Fußball ist eine der schönsten Nebensachen der Welt - und soll es auch bleiben.

| MDL

www.mainz05.de