Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
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Spitzfindig


Titelbild DER MAINZER Nr. 275 SEHT DIE SIGNALE!

Manche Radler stoppen, andere fluchen. Die einen sehen es ein, die anderen sehen weg. »Gespräche« rund um ein kleines rotes Fahrrad.

Fast hätte er mich erwischt, neulich, am Binger Schlag. Er kam von hinten, war flott unterwegs, die Bremsen quietschten heftig und er fluchte: »Du blöde Kuh, wieso bleibst Du plötzlich stehen?«

Ich drehte mich rum und blaffte ihn an: »Bist Du blind?«

Vor uns wuselte ein gutes Dutzend Fußgänger von rechts nach links und umgekehrt über den kombinierten Fußgänger-Fahrradweg.

Die durften das, ihre Ampel zeigte grün.

Trotzdem keifte schon der nächste Radler von hinten: »Mensch geht's hier bald mal weiter?« »Soll ich die Leute etwa über den Haufen fahren?«, gestattete ich mir zurück zu fragen.

Statt einer Antwort drängelte sich der Herr an unseren Rädern vorbei und kurvte mitten durch die Fußgängerschar - musste dann aber abrupt stoppen. Auf der anderen Seite des beampelten Fußgängerwegs warteten mittlerweile zwei weitere Radler auf ihre Grünphase. Schön breit nebeneinander stehend. Keine Chance auf Durchkommen für den Drängler. Ätsch!

Zu allem Überfluss erklärte einer der beiden Wartenden dem Herrn noch, dass er sich verkehrswidrig verhalte: rote Ampeln gelten auch für Fahrradfahrer!

Radweg

Ach! Wer hätte das gedacht?

Um das Denken zu unterstützen, wurde dieses Lichtsignal-Ensemble mit einer zusätzlichen »Fahrradampel« ausgestattet.

Ich sehe den Zweck dieser Fahrrad-Stopp-Phasen ein: Die Fußgänger rennen hier, auf ihrem Weg vom und zum Bahnhof, wie die Hasen zwischen den Radlern durch - obwohl sie dank Grünphase absolute Vorfahrt haben.

»Einsehen«? Genau!

Ist die Einhaltung von Verkehrsregeln nicht einsichtig, halten sich die Wenigsten daran. Das ist eine Tatsache. Außer: Ordnungshüter sind in der Nähe und winken mit einem Bußgeldbescheid.

In diesem Falle könnte aber auch ein dicker weißer Balken, quer über den Fußgänger-/Radweg gemalt, helfen. Den übersieht man nicht so leicht. Dem Einsehen geht manchmal schlichtes Sehen voraus.

| SoS