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Ehrenamt

Ehrenamt mit Erfüllung

Die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen steigt stetig an. Die meisten von ihnen werden Zuhause von ihren Angehörigen betreut und gepflegt. Jedoch ist für diese die Versorgung rund um die Uhr oft nicht ganz einfach und kann sehr belastend sein.

Demenz
Gespräche, Spaziergänge, gemeinsam singen: Marie-Luise Zayoz (rechts) vom ambulanten Besuchdienst beschäftigt sich intensiv mit Demenzkranken.

Unterstützung bietet in solchen Situationen ein ambulanter Besuchsdienst wie der des Deutschen Roten Kreuz (DRK) Kreisverband Mainz-Bingen. Karin Geyer, Mitbegründerin von Lichtblick, wie die Einrichtung in Mainz heißt, weiß um den Bedarf: »Als die häusliche Einzelbetreuung 2003 ins Leben gerufen wurde, haben sich aus Scham viele nicht getraut, bei uns nach Hilfe zu fragen. Die Krankheit war noch ein Tabu. Das hat sich längst geändert. Derzeit versorgen wir ungefähr 50 Personen, aber die Nachfrage ist enorm. Daher suchen wir dringend Unterstützung.«

Insgesamt 18 Ehrenamtliche engagieren sich beim DRK für demenziell Erkrankte in ihrem privaten Umfeld. Marie-Luise Zayoz ist eine von ihnen, und bereits seit vier Jahren dabei. Die ehemalige Pflegehelferin arbeitete 26 Jahre in einer Sozialstation, nach ihrer Pensionierung suchte sie nach einer neuen Aufgabe. »Meine Großeltern wurden bei uns daheim bis zum Schluss betreut, das hat mich geprägt. Wegen meines Berufs fiel dann die Wahl auf das Ehrenamt im Demenzbereich«, erzählt die 62-Jährige. Nach 20 Schulungsstunden, in denen sie unter anderem über das Krankheitsbild, Gesprächsführung und Ernährung unterrichtet wurde, leistete sie ein achtstündiges Praktikum im Demenzcafé des DRK. Erst danach durfte sie Besuchsdienste übernehmen. Derzeit kümmert sie sich um zwei Seniorinnen an zwei Tagen pro Woche, und das durchschnittlich drei Stunden am Stück. Die Angehörigen, mit denen sie die Termine festlegt, nutzen die Betreuungszeit für Besorgungen oder um auszugehen.

»Die Einzelbetreuung liegt mir. Ich mag es, auf eine Person einzugehen, die Zeit vergeht dabei sehr schnell«, beschreibt Zayoz ihre Tätigkeit. Sie unterhält sich intensiv mit den Menschen, meist über deren Vergangenheit, singt, löst Kreuzworträtsel oder macht einen Spaziergang mit ihnen. »Zu Beginn jedes Besuches versuche ich herauszufinden, wie sich die Person fühlt und was sie für Wünsche hat. Generell ist für die Erkrankten wichtig, dass sie einen gleichbleibenden Tagesablauf haben, sonst sind sie schnell überfordert.« Für die Beschäftigung mit diesen Menschen sei auch deren Biografie ausschlaggebend, über die sie manchmal von den Angehörigen oder aus Gesprächen mit den Patienten mehr erfährt. Diese Informationen würden ihr helfen, den Kontakt zur Person herzustellen, mit »ihr warm zu werden«, um sie ansprechen zu können. Wie etwa bei einer Dame, von der Zayoz erfuhr, dass sie vor ihrer Erkrankung viele Jahre im Chor gesungen hatte. »Eines Nachmittags habe ich ihr eine CD mit Chorliedern vorgespielt. Sie hat sofort mit dem Singen begonnen und die Augen strahlten.«

Es kommt immer etwas zurück

Noch so lange wie möglich möchte die agile Seniorin ihr Ehrenamt ausüben, lediglich wenn ihre Mutter mehr Hilfe benötigen sollte als bisher, würde sie damit aufhören. »Ich empfinde die Betreuung von Demenz-Patienten nicht als Belastung, denn ich bekomme immer wieder etwas von ihnen zurück, über ihre Emotionen, ihre Mimik und Gestik. Der Umgang mit ihnen erfüllt mich, deshalb mache ich es.«

| KH

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