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Politik

MOGUNZIUS STADTSCHREIBER DES MAINZERS

Einkaufsmeile Lu: Clever verhandelt und dennoch gibt es grelle verbale Seitenhiebe.

Die Ruhe ließ wieder eine Hängepartie befürchten, doch am Ende standen alle Ampeln auf Grün. Der Projektentwickler ECE, der die Einkaufsmeile an der Ludwigsstraße modernisieren will, bewies viel Geduld im Dialog mit der Stadtspitze und akzeptierte - wenngleich zähneknirschend - die meisten der Vorgaben. So entscheidet jetzt der Stadtrat Mitte September und die planerische Weichenstellung an der »Lu« kann beginnen.

Clever hat die Stadt verhandelt und dem Investor, der hoffentlich relativ schnell dem Provisorium rund um das veraltete Karstadt-Gebäude ein zeitgemäßes Einkaufserlebnis einhaucht, viele Kompromisse abgerungen. Ausgezahlt hat sich für die Befürworter des ECE-Projekts im Rathaus auch die Taktik, zunächst hinter verschlossenen Türen die Gespräche zu führen und erst dann öffentlichkeitswirksam zu gackern, wenn es wirklich merkliche Fortschritte gibt.

So kann jetzt ECE 28.000 Quadratmeter Geschäftsfläche vom Gutenbergplatz bis zur Weißliliengasse hin schaffen - eine spannende wie komplexe städtebauliche Herausforderung.

Feder

Doch Mainz wäre nicht Mainz, wenn es nicht eine lautstarke und teils schräge Begleitmusik gäbe: Der einstige Chinapavillon feiert mit kroatischen Gastronomen eine Wiedergeburt, obwohl eigentlich kein Weg an einem Totalabriss vorbei gehen kann. Hier wollen sich die Familieneigentümer aus der Nachbarstadt Wiesbaden wohl kräftig die Kasse füllen, wenn dann über das »architektonische Schmuckstück« zu verhandeln ist.

Noch greller ist das Echo der Mainzer Linken, die sich mit ihrer Reaktion ins intellektuelle Jammertal bugsieren: Eine »Monstermall« sei besiegelt worden, auf den Einzelhandel komme ein »Desaster« zu - kleinstes Karo Kommunalpolitik!

Auch die Bürgerinitiative Ludwigsstraße offenbart, dass sie nicht mit demokratischen Entscheidungsprozessen umgehen kann und ledert die Stadtspitze ab. Dahinter steckt die klare Haltung, dass man eigentlich an keiner Veränderung interessiert ist.

Wenigstens ein Unterstützerkreis von 50 Unternehmen ist optimistisch und erwartet ein Projekt, »das unter Umständen bundesweit Maßstäbe setzt«. Richtig so. Positives Denken und kein »Management by Dauernörgeln«. Unzählige Städte wären froh, wenn sie die Aussicht auf ein solches Projekt hätten.

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