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LESEFÖRDERUNG, EINE LEBENSAUFGABE

Mainzer Lesekultur und Leseförderung sind seit Jahren eng verknüpft mit dem Veranstaltungsangebot der Bücherei am Dom. Treibende Kraft für das vielfältige ehrenamtliche Engagement ist Horst Patenge. Obwohl kein Büchernarr, ist der Lebensweg des Ordinariatsrats von Büchern geprägt.

Horst Patenge
Horst Patenge

Jim Knopf sei der Auslöser gewesen, erinnert sich Horst Patenge. Zu seiner Ersten Hl. Kommunion lag das Buch auf dem Gabentisch. Mit »glühenden Ohren« habe er die Seiten verschlungen, während die Gäste nebenan bei Kaffee und Kuchen saßen.

Allerdings, bekennt der 59-Jährige, sei er gar kein »Büchernarr«, verschlinge nicht täglich eine Unzahl von Buchstaben. Bücher und Lesen erklärt er die literaturpädagogischen Grundlagen seiner Arbeit, seien Instrumente, um »Menschen zusammen zuführen und miteinander ins Gespräch zu bringen.«

Horst Patenge ist in Mainz geboren und aufgewachsen, hat hier studiert und leitet neben der Bücherei am Dom die Fachstelle für katholische Büchereiarbeit der Diözese Mainz. »Alle Versuche, hier wegzukommen, wurden torpediert«, bilanziert er schmunzelnd. Das Vordiplom in Theologie war geschafft, 1977 der Wechsel nach Salzburg, wo Theologie in Verbindung mit Psychologie gelehrt wurde, organisiert - doch dem Angebot, als studentische Hilfskraft in der Fachstelle für Büchereiarbeit Geld zu verdienen, konnte er nicht widerstehen.

Dynamische Prozesse statt Vorgaben

In seinem Elternhaus hätten Bücher keinen Raum eingenommen, dennoch pflastert der Diplom-Theologe seinen Lebensweg mit diesen Druckerzeugnissen: Bücher zu Geburtstagen, Weihnachten und als Anerkennung für die Arbeit als Messdiener führten über die ehrenamtliche Arbeit in der katholischen öffentlichen Bücherei in Laubenheim bis zum gut 25-jährigen Wirken als Motivator der ehrenamtlichen katholischen Büchereiarbeit.

»Die Hauptamtlichen in der Fachstelle müssen die Ehrenamtlichen in den Büchereien unterstützen.« Das bedeute, abgesehen von der allgemeinen Bibliotheksarbeit, »Ansätze zu fördern, die sowieso vorhanden sind im Umgang mit dem Lesen.« Zum Beispiel Mut zu machen, Literaturgesprächskreise in den Gemeinden zu gründen. Etwa 200 solcher Gesprächskreise gibt es in der Diözese Mainz.

Literaturgespräche, organisiert von Kirchengemeindemitgliedern würden sich von solchen ohne kirchlichen Bezug allenfalls dadurch unterscheiden, dass Christen andere Fragen an den Text und an sich selbst stellten, meint Patenge. »Es gibt keine Vorgaben, die Teilnehmer entscheiden selbst.«

Gleiches gelte für das Buchangebot in den Gemeindebibliotheken: »Der dynamische Prozess zwischen Menschen, die Büchereien betreiben und den Lesern bestimmt, welche Bücher angeschafft werden.«

Im Bereich der Leseförderung sei die Bücherei am Dom in vielem Vorreiter gewesen, blickt Patenge zurück und nennt Aktionen wie Bücherfrühling, Literaturbistro, Spätlese, Literaturschiff.

Sein persönlicher Umgang mit Büchern hat sich aufgrund der Bibliotheksarbeit verändert: »Ich werfe sie eher weg!«

Denn: eine kleine Bücherei funktioniere nur, wenn sie außer Bestandsaufbau auch -abbau leiste. Ähnlich hält er es mit den Buchbeständen in seinem Zuhause. Bücher gebe es, mit Ausnahme des stillen Örtchens, in allen Zimmern. Aber eben nicht bis unter die Decke.

Direkte Begegnungen zwischen Erzählern und Zuhörern

Dass die Ehefrau zu den Leseratten zählt, wundert nicht. Auch die Theologie studierende Tochter ordnet Patenge dieser Gattung zu. Während der Sohn als angehender Theaterwissenschaftler eher lese, weil es sein muss. Von den beiden Enkelkindern kam zumindest der neunmonatige Raphael bereits in den Genuss der vorlesenden Großeltern: »Kinder sollen in die Welt der Geschichten hineingeführt werden, dazu bedarf es einer direkten Begegnung zwischen erzählenden Erwachsenen und den Kindern.«

Allmählich verabschiedet sich Horst Patenge aus dem Berufsleben. Für die Leserförderung wird er sich weiter engagieren. Im Mai gab ihm das Land Rheinland-Pfalz dafür die Verdienstmedaille mit auf den Weg.

| SoS