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Rheinhessen

EINE PILGERREISE DURCH RHEINHESSEN

Santiago de Compostela, Rom und Jerusalem sind die drei großen Wallfahrtsorte des Christentums. Pilgern kann man aber auch auf dem 100-Kilometer langen Wegenetz der rheinhessischen Jakobswege rund um Wörrstadt, Worms und Mainz.

Ockenheim
Weg von Ockenheim zum Kloster Jakobsberg Ockenheim: Blick auf Ockenheim vom Kloster Jakobsberg

Pilgern boomt - dessen ist sich Jürgen Mank von der Jakobusgesellschaft Rheinland Pfalz-Saarland sicher: »Seit das Buch von Hape Kerkeling über den Jakobsweg erschienen ist, hat die Begeisterung für das Pilgern deutlich zugenommen.« Auch in Rheinhessen: Von Fulda kommend führt der Jakobsweg über Mainz in Richtung Frankfurt. Alternativ verläuft eine Strecke von Bingen durchs rheinhessische Hügelland nach Worms: »Im Mittelalter kamen die Pilger aus Russland, der Ukraine und Schweden um über Mainz, Bingen und Worms weiter nach Frankreich zu pilgern.

Die rheinhessischen Wege haben daher eine lange Pilgertradition«, erläutert Mank, der selbst mehrmals im Jahr durch Rheinhessen pilgert um Wege neu zu markieren und fast vergessene Trassen wieder zu entdecken.

Ein erlebnisreiches Gesamtpaket

Für ihn ist Pilgern dabei mehr als Wandern: »Pilgern ist immer eine Art der Selbstfindung, bei der unterschiedliche Eindrücke miteinander verknüpft werden. Für mich sind das geistliche, kulturelle, kulinarische, sportliche und vor allem landschaftliche. Denn gerade auf dem rheinhessischen Pilgerweg gibt es stellenweise unglaubliche Panoramen.«

Pilgern als erlebnisreiches Gesamtpaket - an den Grundprinzipien des Wallfahrens scheint sich bis heute nicht viel geändert zu haben: Bereits im Mittelalter spielten neben religiösen Motiven für zahlreiche Menschen Abenteuerlust und Neugier eine tragende Rolle bei der Entscheidung pilgernd durchs Land zu ziehen: Wer Land und Leute kennen lernen wollte, band sich eine Jakobsmuschel an den Hut oder Gürtel und zog auf den Pilgerweg.

Um echte Pilger von falschen Pilgern zu unterscheiden, wurde die Muschel als Erkennungszeichen bereits im Mittelalter durch ein Schreiben der Heimatpfarrei ergänzt, das den Pilgern Unterkunft und Essen in den auf dem Weg liegenden Pilgerherbergen gewährleistete.

Jackobsweg
Markierungszeichen Jakobspilgerweg

Hunger muss niemand leiden

Inzwischen trägt dafür der sogenannte Pilgerpass Sorge. Dieser kann vor Antritt der Pilgerreise über die Jakobusgesellschaft bestellt werden und wird während der Wanderung an den auf dem Weg befindlichen Stempelstellen abgestempelt: »Im Pilgerpass ist der Start- und Zielpunkt der Reise vermerkt. Wer auf diesem Weg eine vergünstigte Unterkunft in einer Pilgerherberge in Anspruch nehmen möchte muss immer den Stempel der davorliegenden Station nachweisen«, erklärt Mank den Nutzen des Pilgerpasses. »In Rheinhessen gibt es allerdings kaum Pilgerherbergen, so dass die Stempel im Pilgerausweis eher Andenkencharakter haben«, schränkt Mank ein. Hunger leiden müssen die Wallfahrer auf dem rheinhessischen Pilgerweg trotzdem nicht, dank Straußwirtschaften und Gasthöfen entlang der gesamten Strecken.

| Katrin Henrich

www.jakobusgesellschaft.eu
www.jakobsweg-rheinhessen.de