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Politik

MOGUNZIUS STADTSCHREIBER DES MAINZERS

Mit oder ohne Tomatenbeet: Der Osteiner Hof als historischesSchmuckstück darf nicht verhökert werden.

Schon verwunderlich. Dass der Osteiner Hof als architektonisch-historische Perle mitten in der Mainzer Innenstadt keinen Kaufinteressenten findet - bei dem innenstadtunüblichen Tomaten-Beet vor dem Adelspalais. Das Rathaus züchtet neuerdings mit wortwörtlich grünem Daumen jene Tomaten, die in einer öffentlichen Grünanlage allen menschlichen Bedürfnissen ausgesetzt sind, als Konkurrenzprodukt zum Wochenmarkt heran. Böse Zungen sehen schon die ersten Spargelbeete entlang der Zitadelle.

Spaß beiseite: Die Debatte um den Osteiner Hof verhagelt einem wirklich die schon verregnete Frühsommerlaune. Die Bundeswehr als Nutzer der geschichtsträchtigen Mauern, um die man sich in den USA sechs Finger an jeder Hand lecken würde, hat abgewunken und zieht spätestens im nächsten Frühjahr aus, was erneut unterstreicht, dass der Bundesverteidigungsminister finanziell auf dem letzten Loch pfeift.

Feder

Da ist der Mainzer OB in doppeltem Sinn angefressen. Kurz und knapp (Ebling: »Lustlos!«) hat die Hardthöhe in Richtung Mainz artikuliert, dass die Zeit, in denen Uniformierte im Osteiner Hof ein- und ausgehen, bald vorbei ist. Jetzt muss es der Bundesfinanzminister richten, von dem heute noch keiner weiß, wie er nach den Wahlen im September überhaupt heißt. Das riecht nach Aufschieben. Zum Schaden von Mainz.

Wieder mal würde - erinnern wir uns an das Schloss - die Landeshauptstadt mit einer exquisiten Immobilie sitzengelassen. Der Osteiner Hof verschlingt einen zweistelligen Betrag zur Sanierung - soviel ist jetzt schon klar. Und viele Reibereien mit der Denkmalpflege sind auch vorhersehbar. Dennoch darf man nicht so mit Mainzer Geschichte umgehen. Und dabei ist auch die Stadt in der Pflicht.

Geschicktes Verhandeln könnte am Ende einen warmen Geldsegen für Mainz bedeuten, weil der Bund froh sein kann, das Gebäude unter zu haben. Die Stadt muss in jedem Fall den Hut in den Ring werfen, aber auch ihre finanziellen Engpässe klar nennen. Als repräsentativer Amtssitz für den OB wäre der Osteiner Hof erste Adresse - vielleicht hält sich Herr Ebling deshalb zurück. Nur: Das Palais muss unter Mainzer Regie bleiben. Es wäre unerträglich, würden eine Versicherung oder Bank einziehen. Dann schon lieber das »Schlossfestival«, das Bischöfliche Ordinariat oder das Schlosshotel am Schillerplatz.

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