Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

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Mainzer Kopf

DIE RECHTE HAND HINTER DER HAUPTBÜHNE

Die Nacht des Mainzer Johannes - ein großes Volksfest mit viel Musik und Unterhaltung. Hinter den Bühnen werkeln einige, damit die Straßen und Plätze der Stadt unterhaltend beschallt werden können. Frank Pietsch ist seit mehr als 20 Jahren »der Mann hinter der Hauptbühne«.

Pietsch

Ein echter Mainzer ist der 52-Jährige, Briefzusteller war er bis zur Frühpensionierung aus gesundheitlichen Gründen. Der Weg hinter die Bühnen der Mainzer Johannesnacht führte vor etwa 25 Jahren über das Mainzer Theater. Pietsch besserte sein Taschengeld auf, half hinter der Bühne beim Garderobendienst. Zur Johannisnacht wurden dort die Helfer für das Gautschen eingekleidet. Irgendwann fragte Rüdiger Tasch, Organisations-Urgestein der Mainzer Johannisnacht, den Frank, ob er an der Hauptbühne helfen könne - die bis zum Umbau des Staatstheaters vor selbigem stand. 22 oder 23 Jahre dürfte das her sein, erinnert sich Pietsch. Ende der 90er wurde er dann selbst gegautscht, ohne Vorwarnung und ohne trockene Klamotten im Gepäck, wie es für Johannisnacht-Verdiente üblich ist.

Eine Woche Ausnahmezustand

Seither komplettiert er die Bühnen Crew, seit einigen Jahren ist er überwiegend für die Orga der Hauptbühne verantwortlich die rechte Hand von Tasch am Schillerplatz sozusagen. Dazu gehören Auf- und Abbau der gesamten Technik, die Bühnenumbauten, persönliche Betreuung der Bands, inklusive Lotsendienste zum Osteiner Hof. Dort stellt die Bundeswehr (noch) Räume für die Bands zur Verfügung, die Sponsoren sorgen für Essen und Getränke, Pietsch und Kollegen verteilen Aufmunterungen gegen Lampenfieber. Organisationstalent, schnelle Reaktion in schwierigen Situationen, handwerkliches Geschick seien Voraussetzung für den Bühnen-Marathon.

Unter Profis wird diese Arbeit Backstage-Manager genannt. Pietsch und Kollegen sind längst Profis, machen ihre Arbeit aber auch ohne diese Bezeichnung gerne. Bezahlt werden sie über Werkverträge. Eine knappe Woche herrscht dieser Ausnahmezustand: vom Aufbau der Getränke und Imbiss-Stände bis zum Abbau der Hauptbühne. Schönes und Kurioses hat Pietsch einiges erlebt. Mal musste von jetzt auf gleich ein Schlagzeug beschafft werden - gut, dass Sven Hieronymus eines auf dem Dachboden lagerte und ohne Umschweife zur Verfügung stellte. Mal blieb eine Geige im Zug liegen und musste beim Lokführer im Hauptbahnhof abgeholt werden.

Gerne erinnert sich Pietsch an die durchgefeierten Nächte mit Bandmitgliedern im Festzelt am Fischtorplatz - das Zelt ist ebenso Geschichte wie die Feiern »bis die Putzfrau kommt« mit dem damaligen Festdezernenten Willy Abts.

Die Sicherheitsanforderungen seien enorm gestiegen und müssten rigoros befolgt werden, beobachtet Pietsch. Vieles ließe sich schon deshalb nicht mehr arrangieren - was die Qualität des Bühnenprogramms aber nicht infrage stellt. In diesem Jahr freut sich Pietsch besonders auf die Rockband »Kellner« (Samstag, 22 Uhr, Hauptbühne). Ist die Johannisnacht vorbei, wird Pietsch wieder öfter als DJ in Kneipen unterwegs sein. Außerdem trainiert er beim SV Gonsenheim 1919 acht- bis neunjährige Jungs und Mädels der E-Jugend.

«Wir haben immer Spass«

Tja und dann ist da noch der R-Block bei den Nullfünfern. Seine Dauerkarte hat er schon seit den 80ern. Viele Höhen und Tiefen hat er mit dem Verein erlebt. Hat aber, so bekundet Pietsch voller Überzeugung, immer seinen Spaß: »Wir sind nicht so verbissen, wir machen Stimmung, auch wenn die Jungs auf dem Platz verlieren - das gehört doch zum typischen Mainzer Lebensgefühl, oder nicht?«

Nullfünf-Fans dürfte Frank Pietsch auch als Moderator bekannt sein: Für Rockland Radio moderierte er früher die Mainz 05-Fankurve. Vor- und Nachberichte aus dem Studio, Meinungsumfragen unter den Fans zum jeweiligen Spiel: »In der Fußballberichterstattung kommen meist nur Trainer, Spieler und Manager zu Wort. Wir haben den Fans eine Stimme gegeben.«

www.mainz.de, Stichwort Johannisnacht

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