Der Mainzer - Die Stadtillustrierte


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MOGUNZIUS

STADTSCHREIBER DES MAINZERS

Seine »Versetzung« war nicht gefährdet. Zum »Jubiläum« gab es für den Mainzer Oberbürgermeister meist nur Bestnoten.

Ein Jahr im Amt - rasant verlief der Start des Oberbürgermeisters Michael Ebling. Vielleicht lag's an seinem locker-kommunikativem Stil, mit dem das Stadtoberhaupt die Mainzer Geschicke lenkte. Präsent, konkret und ein bisschen süffisant, wenn es gerade passte: Ebling wird, das zeigen die Benotungen der Mainzer zum Einjährigen, von weiten Teilen der Bevölkerung respektiert und hat Akzeptanzprobleme seines Vorgängers vergessen gemacht. Ebling ist in jedem Fall ein Gewinn im höchsten Amt der Stadt.

Bei aller Klarheit, dass die »Versetzung« nie gefährdet war, warten auf den OB in naher Zukunft schwere Brocken, an denen er gemessen wird. So ist der Durchbruch des ECE-Einkaufskomplexes an der Ludwigsstraße noch nicht gelungen - und die verdächtige Ruhe zum Großprojekt nährt die Skepsis, dass der Lu-Umbau endlich gelingt. Ähnliches beim Blick auf die Rathaussanierung. Hier verschanzt sich der OB hinterm Stadtrat und wartet auf dessen Votum. Doch am Ende müssen beide - das Parlament und der Rathauschef selbst - die Lösung, die Mainz unter Garantie viel Geld kosten wird, in der Öffentlichkeit promoten und vertreten.

Feder

Das Nachkriegsprovisorium Münsterplatz oder die sträflich vernachlässigte Große Langgasse blenden wir mal ganz aus, obwohl diese auch in der »To Do«-Mappe des Oberbürgermeisters schlummern dürften.

Nicht geglückt sind auch die Bemühungen um einen KUZ-Verkauf - trotz vollmundiger Versprechungen im Wahlkampf. Mal abwarten, wie viele kommunalpolitische Generationen sich noch an diesem Thema die Zähne ausbeißen. Ein Reizthema bleibt für Ebling auch die Energieversorgung nach dem spektakulären Aus des Kohlekraftwerks. Hier wartet der OB garantiert den Ausgang der Bundestagswahl ab, der auch möglicherweise eine gänzlich neue Ära für die Energiepolitik Deutschlands bedeuten könnte. Bleibt schließlich - gerade in einer Universitätsstadt - der fehlende preiswerte Wohnraum. Hier werden Wohnungen am Zollhafen oder avisierte Mehrfamilienhäuser auf dem ehemaligen IBM-Gelände nicht allein die Probleme lösen.

Am legeren Führungsstil wird Ebling sicher nichts ändern - die Resonanz zum Einjährigen gibt ihm hier recht. Und mit eben jener Lockerheit hat es in Mainz die Stadtspitze auch geschafft, im Sommer zur Festivalmetropole mit Sting, Elton John und Bryan Adams zu werden. So etwas ist Image prägend - auch für einen Oberbürgermeister.

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