Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

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»MEIN LEBEN UND MUSIK: DAS IST EINS.«

JIM wird in diesem Jahr 25 Jahre alt, das bedeutet ein Vierteljahrhundert avancierte Jazz-Musik in Mainz. Dr. Jörg Heuser ist einer der Verantwortlichen für dieses musikalische Kleinod und spielt selbst in gleich drei Jazz-Bands: Grand Central, Grandsheiks und JazzSteps.

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Dr. Jörg Heuser

Es begann ganz klassisch mit einem Klavier: im Elternhaus von Jörg Heuser gehörte es zum guten Ton, ein Musikinstrument zu spielen. In den 70ern gaben in der Musikwelt junger Menschen allerdings Gitarren den Ton an. Der 48-Jährige erkor sie zu seinem Instrument und »verschliss« einen Gitarrenlehrer nach dem anderen, bevor er selbst schon als 15-Jähriger Gitarrenunterricht gab. Hendrix, Deep Purple, Santana: ordentlicher Rock prägte damals das Hör- und (Nach-)Spielprogramm.

Bis zum jazzigen Erweckungserlebnis: Bandkollegen schleppten Heuser 1978 mit zu »Weather Report« in die Offenbacher Stadthalle: »Ich verstand keinen Ton!« Eine eigenartige Erfahrung als Musiker. »Ich hatte das Gefühl, die sind so weit oben, so weit weg. Die sind nicht nur technisch perfekt, die müssen ihre Virtuosität gar nicht mehr zeigen. Das wollte ich verstehen - und da wollte ich hin.« Spätestens jetzt war klar: Musik muss sein. Immer. In allem.

»In meinem Leben hat alles irgendwie mit Musik zu tun.«

In allem bedeutet auch, den Lebensunterhalt mit Musik zu verdienen. Jörg Heuser studierte Musikwissenschaft in Mainz, promovierte über den Jazzgitarristen Pat Martino - zwei Bände Musikanalyse und Trans­kriptionen: »Ich war der erste, der Musikbeispiele mit Noten in der Diss angegeben hatte.« Die Nachfrage nach den Transkriptionen entwickelte sich zu einer Einnahmequelle. Heuser lebt von seiner Arbeit als freiberuflicher Musiker und Musikpädagoge.

»Dass es mir gelingt, mit dem was mir wichtig ist auch meinen Lebensunterhalt zu verdienen, ist Glückssache.« Wobei das Schielen auf Geld sein Ding nicht ist: »Ob sich etwas rentiert, darüber denke ich kaum nach.«

»Ich wollte musikalisch weiterkommen«

Aus dem »Weather Report-Erlebnis« resultierte das Ziel, musikalisch weiterzukommen - das bedeutet: »Ein neues Vokabular entdecken, andere Ausdrucksmöglichkeiten, emotionale Aussagen. Es geht nicht nur darum Töne zu spielen, sie perfekt spielen zu können, es geht darum, die richtigen Töne an der richtigen Stelle zu spielen.«

Ein Kreis schließt sich. Musikalisch weiterkommen beinhaltet die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Musik. Gleichzeitig andere Musiker und ihre Musik zu hören, zu erleben und alles zusammen ins eigene Spielen, Komponieren einzubauen.

Dass heutige Jazz-Studenten das manchmal anders sehen, versteht Heuser nicht: »Die machen ihr Diplom an (Jazz-)Hochschulen, besuchen aber selten Jazz-Konzerte - wie wollen die musikalisch weiterkommen, wie wollen die unterrichten?«

Jazz und Mainz, passt das zusammen, Herr Heuser? »Das muss man anders denken: Jazz und das Rhein Main-Gebiet. Das passt zusammen«, sagt Heuser. Seit über zehn Jahren organisiert er als JIM-Vorstandsmitglied Konzerte. »Bei uns können Bands spielen, was sie wollen, auch ihre eckigen, anstrengenden Stücke. Kommerzielle Anbieter machen eher Vorgaben. Deshalb spielen sie gerne bei uns, auch für kleine Gagen.«

Ergebnis sei das attraktive M8-Programm im Mainzer Haus der Jugend: Einerseits spielen hier bekanntere Bands aus Deutschland, Frankreich, Holland, andererseits haben Bands aus dem Rhein Main-Gebiet eine Auftrittsplattform. Das gewährleistet auch die Kostendeckung - allerdings nur, weil die gesamte Organisationsarbeit ehrenamtlich geleistet wird: »Ich fühle mich verpflichtet, die Jazz-Szene zu befördern«, meint Heuser. Außerdem könne er auf diese Weise gute Konzerte »vor der Haustür« sehen und müsse nicht in der Welt herumfliegen.

| SoS

www.jazz-mainz.de