Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

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FREIZEIT

DIE FASZINATION VOM FLIEGEN

In der Sonne spiegeln sich die Tragflächen der 15 Flugzeuge, die auf dem Vorfeld stehen. Jetzt einfach einsteigen, davon fliegen, mal eben nach Paris oder die Landschaft aus der Vogelperspektive betrachten - für viele ein Traum.

Flugplatz Mainz-Finthen
Elena Rey koordiniert als Beauftragte für Luftaufsicht unter anderem die Starts und Landungen unterschied­licher Flieger.

Auf dem Flugplatz Mainz-Finthen lässt sich dieser in die Realität umsetzen. Aber nicht nur hiesige Freunde der Luft gehen hier ihrer Leidenschaft nach, Flüge aus ganz Deutschland und sogar aus den europäischen Nachbarstaaten nehmen Ziel auf den Layenhof.

»England ist genauso weit weg wie Berlin, und bis in die Schweiz ist es von uns aus auch keine Entfernung«, sagt Thilo Schmidt-von-Hülst, Geschäftsführer der Flugplatz Mainz Betriebsgesellschaft mbH.

Obwohl die ausländischen Besucherflüge eine Minderheit ausmachen, reicht deren Anzahl aus, um die Genehmigung für internationale Flüge und zollerforderliche Länder als Betreiber des Platzes zu halten. Zugelassen sind in Finthen allerdings nur Flugzeuge mit bis zu 14 Ton­nen.

Hierzu gehören etwa Ultraleicht-, Segel- und Motorflugzeuge, Tragschrauber, motorisierte Gleitschirme, Drachenflieger sowie mehrmotorige Geschäftsreiseflugzeuge. Während der Hauptsaison von Frühling bis Herbst starten und landen je nach Wetterlage täglich bis zu 200 Maschinen.

Kollisionsprobleme mit dem Flugverkehr des stark frequentierten, nur 30 Kilometer entfernten Frankfurter Flughafens gab es bisher nicht, und sind im Grunde ausgeschlossen, erklärt Schmidt-von-Hülst: »In dieser Gegend dürfen wir nur 3.500 Meter hoch fliegen. Die Flugzeuge nach und von Frankfurt müssen sich aber immer einen Kilometer über unseren befinden.« Diese Regelung reduziere beim Landeanflug auf Frankfurt im Übrigen ein wenig den Fluglärm über Mainz, bemerkt er nebenbei.

Pilotenlizenzen in eigener Flugschule

Flugplatz Mainz-Finthen
Da der Flugplatz Teil des öffentlichen Verkehrs in Mainz ist, besteht für ihn Betriebspflicht von 8 Uhr bis 20 Uhr.

Bis 1994 wurde das Airfield, wie es heute oft noch genannt wird, von amerikanischen Streitkräften genutzt. Nach deren Abzug übernahm im selben Jahr der seit 1952 bestehende Luftfahrtverein Mainz das brachliegende Gelände und gründete 2008 die Betriebsgesellschaft, die seitdem den Flugbetrieb und die -sicherheit organisiert und leitet.

»Der Verein hat es geschafft, den Flugplatz so weiterzuentwickeln, dass er neben Egelsbach und Reichelsheim-Wetterau in Sachen Flugbewegung der stärkste in der Region ist«, erzählt Sportpilot Schmidt-von-Hülst.

Neben der Start- und Landebahn, den Unterstellmöglichkeiten für die Flugzeuge und anderen Serviceleistungen bietet der Luftfahrtverein in seiner eigenen Flugschule die Möglichkeit, Pilotenlizenzen für Motor-, Segel- und Ultraleichtflugzeuge zu erwerben. Das Mindestalter muss bei Ausbildungsbeginn 16 Jahre betragen, die Prüfung kann bereits ein Jahr später abgelegt werden.

Verantwortungsvoll und Faszinierend

Derzeit durchlaufen 50 Schüler und Schülerinnen in allen drei Bereichen theoretische und praktische Unterrichtsstunden. Kein günstiges Hobby, aber, wie Schmidt-von-Hülst meint, eines das prägt - vor allem Jugendliche. »Ich kann immer wieder beobachten, wie sie während der Ausbildung einen Reifungsprozess erleben und Persönlichkeit kriegen, denn die Verantwortung beim Fliegen ist sehr groß.«

Von Alkohol- oder Drogenkonsum unter den »jungen Leuten« höre man deshalb nichts, der Teamgeist sei stark ausgeprägt, jeder packe mit an. »Wir haben eine immense Nachfrage in Mainz nach diesen Pilotenausbildungen bei uns, und bei 450 Vereinsmitgliedern keinen Mangel an Nachwuchs.« Das Fliegen habe eben einen Sogeffekt, eine starke Faszination auf viele und so auch auf ihn, beschreibt der 62-Jährige seine Begeisterung für den Sport, den er bereits seit fünf Dekaden ausübt. »In der Luft gibt es kein Anhalten.«

| KH

www.lfv-mainz.com