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STUDIENFACH SPRACHEN NORDEUROPAS UND DES BALTIKUMS

Seit ihrer Schulzeit sei sie »ein bisschen verknallt in Finnland« gewesen, sagt Iwana Knödel. »Es fing damit an, dass ich festgestellt habe, dass viele meiner Lieblingsbands dort her kommen.«

Iwana Knödel
Iwana Knödel zieht es nach Norden: Die 23-Jährige spricht Finnisch, Norwe­gisch und Lettisch, verbrachte ein Se­mester in Oslo. Ihre Berufsaussichten stehen nicht schlecht ergab eine Umfrage am SNEB.

Zum Beispiel die Monsterrocker von Lordi, die 2006 mit »Hard Rock Halleluja« den Eurovision Song Contest gewannen. »Für die habe ich mir an dem Abend die Finger wundgesimst«, grinst Iwana. Überhaupt habe die Kultur und vor allem diese Sprache sie fasziniert. »Ich erfuhr immer mehr Fakten, die mir die Sprache sympathisch machten.« Zum Beispiel, dass die Sprache der Elben in der Verfilmung von »Der Herr der Ringe« auf Finnisch basiert.

Nach dem Abitur ging sie aus ihrer Heimatstadt Karlsruhe nach Mainz, wo das Studienfach »Sprachen Nordeuropas und des Baltikums«, kurz SNEB, angeboten wird. Heute spricht die 23-Jährige nicht nur Finnisch, sondern auch Norwegisch und Lettisch. »Drei Sprachen aus unterschiedlichen Sprachfamilien«, erklärt sie. Denn das Studienfach umfasst nicht nur die skandinavischen Sprachen Norwegisch, Schwedisch, Dänisch und das indo-germanische Isländisch, sondern auch die baltischen Sprachen Lettisch und Litauisch und die finno-ugrische Linie mit Finnisch und Estnisch. Richtig, Finnisch ist keine skandinavische Sprache, betont die Leiterin des Studiengangs Professor Anneli Sarhimaa. Zum finno-ugrischen gehört unter anderem auch Ungarisch, allerdings nur bezogen auf die Sprachstruktur, die Vokabeln sind überwiegend slawische.

Duzen gehört zum guten Ton

Professor Anneli Sarhimaa
Professor Anneli Sarhimaa leitet den Studiengang SNEB in Mainz seit zehn Jahren. Sie erforscht unter anderem in einem Projek die Sprache der Karelier, einer Minderheit in Finnland und Russland.

Wer in Mainz SNEB studiert, lernt mindestens zwei nord- und osteuropäische Sprachen. Das Fach beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Erlernen der Fremdsprachen, in diesem Zusammenhang aber auch mit Landesgeschichte und Geografie. Ein Auslandsaufenthalt ist nicht obligatorisch, wird aber - wie bei allen Sprachwissenschaften - empfohlen. Iwana Knödel etwa verbrachte das Wintersemester 2010 in der norwegischen Hauptstadt Oslo. »Ein großer Vorteil bei einem so kleinen Studiengang ist, dass es ungleich einfacher ist, ein Erasmus-Stipendium zu bekommen als zum Beispiel in einem Massenfach wie Englisch«, berichtet sie. Während sich dort auf eine Handvoll Stipendien regelmäßig mehrere Hundert Studierende bewerben, sei eine Bewerbung für einen Aufenthalt in Skandinavien oder dem Baltikum »eigentlich fast nur eine Formalität.«

Seit zehn Jahren lehrt Professor Sarhimaa in Mainz. »Am Anfang konnte ich so gut wie kein Deutsch, ich hatte es in den Siebziger Jahren gerade einmal für drei Jahre in der Schule.« Sie habe es aber recht schnell wieder gelernt und verbessert, allein durch den Unterricht mit den deutschen Studierenden. Sie selbst wiederum führte klassisch nordeuropäische Sitten ein. »In Finnland und den skandinavischen Ländern ist es üblich, dass sich alle duzen. Auch Professoren und Studierende«, erklärt Sarhimaa. Wer siezt, führt eine unübliche Distanz zum Gesprächspartner ein. »Höchstens den Präsidenten oder den Erzbischof würde man mit ,Sie' anreden.« Deshalb duzt man sich auch im SNEB-Institut. »So sind die Studierenden für den Auslandsaufenthalt gleich richtig vorbereitet.« Im Baltikum sei das ein bisschen anders: Dort rede man sich mit dem Vornamen an, sieze sich aber. Wer einen Titel hat, wird zusätzlich auch noch mit diesem angeredet. »Wenn ich eine E-Mail von einem litauischen Kollegen bekomme, schreibt er ,Liebe Professor Anneli'«, erklärt Professor Sarhimaa.

Internationaler Masterstudiengang geplant

Zum Wintersemester 2013/2014 führt die Universität Mainz für das Fach SNEB einen neuen internationalen Masterstudiengang ein. Er heißt »International Master Social Linguistics and Multilingualism« und ist eine Kooperation mit den Universitäten Stockholm (Schweden), Tartu (Estland) und Kaunas (Litauen). Studierende der teilnehmenden Universitäten verbringen dabei je eines der vier Mastersemester in einem anderen Land. Eigentlich hätte auch die Universität Helsinki (Finnland) teilnehmen sollen, »das scheiterte aber leider an Formalitäten«, bedauert Professor Sarhimaa.

In welche Branche sie nach dem Studium wechseln wird, hat Iwana Knödel noch nicht entschieden. Vorstellen kann sie sich zum Beispiel, für eine internationale Institution zu arbeiten oder als Dozentin an der Uni zu bleiben. »Viele unserer Absolventen arbeiten zum Beispiel für die EU oder andere internationale Organisationen mit Bezug zu Nord- oder Osteuropa«, berichtet Professor Sarhimaa. Vor Kurzem hat das Institut eine qualitative Umfrage unter Absolventen gemacht und die Kurzinterviews auf ihrer Homepage veröffentlicht. Iwana Knödel, die am Institut als wissenschaftliche Hilfsmitarbeiterin arbeitet, hat die Umfrage bearbeitet. Ihr Fazit: »Es war ermutigend, zu sehen, dass alle, die geantwortet haben, einen Job gefunden haben, und das dieser auch sehr oft einen Bezug zum SNEB-Studium hatte. Und sei es, weil das Unternehmen, in dem sie arbeiten, Handelsbeziehungen zu einem nordeuropäischen Land hat, und sie deshalb ihre Sprachkenntnisse einbringen können.«

| Alice Gundlach

www.sneb.uni-mainz.de
Absolventenumfrage unter Punkt »Mögliche Berufsfelder«