Der Mainzer - Die Stadtillustrierte


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RINGER ABC

KLEINES RINGER-ABC

ASV Mainz 88: Ringen von A bis Z. Infos zum Staunen, Lernen und Schmunzeln zum Überbrücken der Saisonpause. Ein Glossar. Zusammengetragen von Mario Bast

Ringer
Die ASV-Mannschaft, die 1975 Vize­meister wurde: (v.l.) R. Lacour, H Sari, E. Müller, B. Steinmetz, J. Topsakal, H. Lohr, R. Zeiher, R. Drott, W. Ries, W. Dietrich.

ASV Mainz 88: Der dritte Meistertitel, Kult-Trainer Baris Baglan und mehr als 3000 begeisterte Fans beim Final-Hinkampf in Hechtsheim. Die 88er sind wieder mega-in!

Brücke: Verteidigungshaltung, bei der Kopf und Füße den Boden berühren und im Hohlkreuz versucht wird, eine Schulterniederlage zu vermeiden. Die wohl berühmteste Brücke wurde von Pasquale Passarelli gebaut (s. "P")

Champion Kiril Terziev: Der bulgarische Weltergewichtler des ASV war mit seinen zahlreichen Siegen nicht nur einer der Väter der Meisterschaft - er wurde auch selber Papa. Und das während der Finalkämpfe. Chapeau und Glückwunsch!!!

Damenringen: Wurde erst 2004 ins olympische Programm aufgenommen und das auch nur im Freistil. Weiterer Unterschied zu den Herren: Die Einstufung der Gewichtsklassen ist deutlich niedriger (z. B. Schwergewicht: 72 zu 120 kg)

Europameisterschaft: Ende März in Tiflis und damit leider nach Redaktionsschluss. Für das deutsche Team waren auch zwei Mainzer am Start. William Harth, als frischgebackener Deutscher Einzelmeister (s. "H") und Patrick Eisele als Dritter.

Freistil: Eine von zwei Ringsportvarianten. Dabei darf der Gegner am gesamten Körper attackiert werden. In der Antike einzige olympische Stilart, wurde der Freistil in der Neuzeit erst wieder bei den Spielen 1904 ins Programm genommen.

Griechisch-römisch (auch Greco): Der zweite Ringstil. Den Kämpfern sind dabei nur Griffe oberhalb der Gürtellinie erlaubt. Bereits seit den ersten Spielen der Neuzeit olympisch.

Harth, William: ASV-Doppelmeister 2013. Schnappte sich gut einen Monat nach dem Mannschafts- auch den Deutschen Einzeltitel im Freistil in der Klasse bis 96 kg.

Integration: Wird beim Ringen generell groß geschrieben, erst recht bei den 88ern. Mit dem Schulprojekt "Raufen nach Regeln" fangen Baglan und Co. schon beim Nachwuchs an, gehen in Schulen, knüpfen Verbindungen.

Jordanow, Walentin: Bulgarischer Freistilringer. Gab aus Protest gegen das geplante Olympia-Aus (s. "O") seine 1996 gewonnene Goldmedaille zurück. Ihm folgte kurz darauf mit dem Russen Sagid Murtasalijew ein zweiter Olympiasieger (2000).

Wilfried Dietrich
Wilfried Dietrich, »der Kran von Schiffer­stadt« in der Oberlage (aufgenommen in den 70'ern)

Kran von Schifferstadt: Spitzname von Wilfried Dietrich, Deutschlands wohl bekanntestem Ringer. Gewann olympisches Edelmetall in beiden Stilarten (Schwergewicht). Mitglied der 88er-Meisterschaftsteams von 1973 und 77.

Leistungsdiagnostik: Auch bei Ringern gern genutztes Instrument der Trainingssteuerung. Dabei wird zuerst der aktuelle Fitnessstand des Sportlers ermittelt und danach das passende Trainingspensum ausgearbeitet.

Meisterehren: Was den Fußballern die Schale, ist den Ringern der Pokal: Als sichtbares Symbol für den Titelgewinn gibt es für den Deutschen Mannschaftsmeister im Ringen einen riesigen Henkelpott. Edel, glänzend und nicht ganz so leicht.

Närrisch: Als frischgebackener Meister wurden Team und Betreuer der 88er gefragt, ob sie nicht beim diesjährigen Rosenmontagszug mitfahren wollten. Und ob sie wollten. Ringer im Fassenachtstrubel - nachzusehen bei Youtube (s. "Y")

Olympia-Aus: Die Sommerspiele 2020 sollen ohne Ringer stattfinden. Das hat das IOC Anfang Februar beschlossen. Die Entscheidung zog weltweite Proteste nach sich. Es wären die ersten olympischen Spiele der Neuzeit ohne Ringkämpfe.

Passarelli, Pasquale: Olympiasieger 1984, greco im Bantamgewicht (bis 57 kg) aus Ludwigshafen. Dabei hielt er im Finale 90 Sekunden lang eine Brücke (s. "B") aufrecht, eine unglaubliche Willensleistung.

Quadratisch: 12 mal 12 Meter ist Standardgröße einer Ringermatte. Die tatsächliche Kampfzone aber ist rund, mit einem Durchmesser von sieben Metern. Dazu kommen noch die Passivitäts- und die Sicherheitszone, sowie die beiden Kampfecken.

Ringerohr (auch Blumenkohlohr): Durch Blutergüsse zerstörtes und vernarbtes Knorpelgewebe am äußeren Ohr. Passiert im Eifer des Gefechts. Auch bei anderen Kampfsportarten möglich.

Schultersieg: Die schnellste Art, einen Ringkampf zu gewinnen. Dazu muss ein Ringer auf beiden Schultern liegen und dabei von seinem Gegner festgehalten werden, sodass ein erkennbarer Stillstand eingetreten ist.

Tabu: Ringern ist es verboten, ihren Gegner an den Armen und Ohren zu ziehen, ihn zu kneifen oder beißen und ihm unnötige Schmerzen zuzufügen. Nicht erlaubt sind außerdem Kopfstöße, Würgegriffe und alle Aktionen, die die Gesundheit des Gegners gefährden könnten.

Unding: Es fiel ja noch keine Entscheidung. Die Erklärung des SWR, wieso in der Sportsendung "Flutlicht" kein Beitrag über das erste Meisterschaftsfinale (IN Mainz) lief, könnte man auch getrost unter "E" einstufen - wie Eigentor.

Vielseitig: Ein guter Ringer muss schnell sein, ausdauernd, gelenkig und kraftvoll. Außerdem muss er eine gute Technik und Konzentrationsfähigkeit besitzen. Mit anderen Worten: Ringen fordert und fördert den gesamten Körper. Top!!!

Wrestling (deutsch: Catchen): Professionelle Show-Variante des Ringens, vor allem in den USA. Weitere, dem Ringen ähnliche Sportarten gibt es z. B. in Japan (Sumo), Österreich (Ranggeln), China (Shuaijiao) oder Iran (Koshti).

XXL: 1,96 m groß und ein Gewicht von fast 200 kg: Der US-Ringer Chris Taylor gilt einer der der schwersten Olympioniken überhaupt. Wilfried Dietrich (s. "K") hinderte das allerdings nicht, Taylor über sich zu werfen und auf die Schultern zu zwingen.

Youtube: Das Internetvideoportal ist ein wahres Schatzkästchen für Ringerfans. Hier finden sich nicht nur filmische "Beweise" für die jüngste Meisterschaft der 88er, sondern auch der Sieg Dietrichs über Taylor. Oder die Passarelli´sche Olympiabrücke.

Zusammenschluss: Politisch "Todfeinde", haben die Ringer aus den USA und dem Iran keinerlei Berührungsängste. Gemeinsam wehren sie sich zurzeit gegen das geplante Olympia-Aus (s. "O") ihres Sports. Ist das nicht auch der olympische Geist?!

| Mario Bast

ASV Mainz 88