Der Mainzer - Die Stadtillustrierte


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MOGUNZIUS

STADTSCHREIBER DES MAINZERS

Die hessische CDU zittert, die Mainzer CDU beharkt sich gegenseitig und die Gegner freuen sich.

Die wirkliche Sensationsmeldung der letzten Zeit kam mal nicht aus Mainz, sondern aus der Nachbarstadt Wiesbaden. Der junge SPD-Bewerber Gerich hat in der Stichwahl den CDU-Mitbewerber und vor allem Amtsinhaber Müller düpiert und den Sprung auf den Chefsessel des Wiesbadener Rathauses geschafft. Seitdem herrscht in der Union im Hessenland das große Zittern, im Herbst könnte jetzt noch die Landtagswahl den Bach runter gehen.

Derweil leistet sich in Mainz die CDU im Vorfeld der Bundestagswahl parteiinterne Scharmützel als ständen überhaupt keine Wahl und erst recht keine Notwendigkeit zum geschlossenen Auftritt der Partei an. Denn genau die lässt die Union mal wieder vermissen und zeigt, dass sie rein gar nichts aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat.

Feder

Erinnern wir uns: Die CDU wurde in der Kommunalwahl größte Fraktion im Stadtrat und hat aber aus dieser Pole-Position null Kapital geschlagen. Noch schlimmer: SPD, Grüne und FDP formierten die Ampelkoalition und die CDU saß plötzlich auf der harten Oppositionsbank. Verlor nebenbei noch alle Dezernentenposten im Stadtvorstand, eine Geschäftsführer-Position in der MAG - so etwas nennt man politisches K.O.

Anstelle eines Neuaufbaus keilen die Christdemokraten jetzt untereinander los und zetteln einen Streit um den Vorsitz des CDU-Kreisverbandes an. Wolfgang Reichel als Amtsinhaber wird öffentlich vorgeführt, was das Zeug hält. Und das von einer Parteifreundin, die er jahrelang gefördert hat - politische Loyalität sieht anders aus. Doch Ursula Groden-Kranich, Hechtsheimer Ortsvorsteherin, lässt nicht locker und wird gegen Reichel kandidieren. Gerade erst war die CDU-Frau zur Bundestagsdirektkandidatin ihrer Partei nominiert worden. Im Land musste sie eine herbe Schlappe hinnehmen, weil sie auf der Landesliste auf dem letzten Platz landete.

Die CDU-Politikerin setzt auf das Argument der Verjüngung und zwingt schon jetzt die Partei in eine interne Querele der besonderen Art. In allen Stadtteilen gibt es Unterschrifts- und Solidaritätsaktionen für und gegen die beiden Bewerber. Zwar mögen derartige Gegenkandidaturen zum politischen Alltag gehören, doch für die Mainzer CDU sind sie Gift. Die CDU steuert auf einen hitzigen Parteitag zu. Den Gegnern der Union - und die soll es geben - wird das alles sehr gefallen.

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