Der Mainzer - Die Stadtillustrierte


GARTENFRÜHLING

FRÜHLINGSERWACHEN! ABER WANN?

»Winter ade?« Hoffentlich bald! Die Gartenfreunde sitzen jedenfalls schon in den Startlöchern um den Frühling vorzubereiten.

garten

Während draußen der Regen gerade die - hoffentlich letzten - Schneereste auflöst und der Boden langsam aber sicher matschig wird, stehen die Gartenbesitzer am Fenster und schauen skeptisch auf das, was der Winter aus ihrem stolzen Besitz gemacht hat.

Immerhin - die Schneeglöckchen sind wie in jedem Jahr zur Stelle und erklären den phänologischen Vorfrühling für eröffnet.

Wann beginnt eigentlich welcher Frühling?

»Frühling lässt sein blaues Band.« Eduard Mörike und seine Dichterkollegen hatten das Problem offensichtlich noch nicht: Es gab nur den einen Frühling, die Natur schlug aus, die Vöglein kehrten wieder. Das musste nur noch in Versform gebracht und gegebenenfalls vertont werden. Im 21. Jahrhundert sieht sich der Mensch mit drei verschiedenen Frühlingen konfrontiert - von verschiedenen Berufsgruppen definiert und für den Laien eher verwirrend.

Bereits am 1. März beginnt der Meteorologische Frühling, den die Wetterkundler aus rein pragmatischen Gründen so definiert haben: Jede Jahreszeit dauert genau drei Monate und beginnt an einem Ersten. So lassen sich am einfachsten Statistiken aufstellen. Etwas komplizierter zeigt sich da schon der Astronomische Frühling, der mit dem Frühlings-Äquinoktium (der Tag-und-Nacht-Gleiche) beginnt, also dem Datum an dem lichter Tag und Nacht gleich lang sind. Anders ausgedrückt: Genau dann wenn die Zeit zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang genauso lange ist wie die zwischen dem Untergang und dem erneuten Wiederaufgang beginnt der Frühling (bzw. in der zweiten Jahreshälfte: der Herbst).

Das ist natürlich sehr vereinfacht ausgedrückt und die Hobbyastronomen unter unserer Leserschaft mögen verzeihen, dass wir an dieser Stelle nicht detailliert auf alle möglichen Abweichungen, Verfeinerungen und Zusatzdefinitionen eingehen. Wichtig ist nur der Termin - und der hat sich etwas verschoben: Früher hat man noch in der Schule gelernt, dass der Frühling am 20. oder 21. März begann.

Nur: im Jahr 2011 fand der Jahreszeitenwechsel letztmalig an einem 21. statt, jetzt gilt bis 2048 nur noch der 20. März und danach (wenn Sie schon etwas weiter im Voraus planen wollen) pendelt er zwischen 19. und 20.

Und die Natur?

Diese Termine mögen für die Planung von Frühlingsfesten, Winterverbrennungen etc. recht hilfreich sein, dem Gärtner und Landwirt nützen sie recht wenig. Der Pflanzenwelt ist es ziemlich egal wie die Sterne stehen und die Meteorologen rechnen, sie haben mit dem Klima zu kämpfen. Ihre Entwicklung in jedem Jahr ist Basis des sogenannten Phänologischen Kalenders der für die Landwirtschaft von großer Bedeutung ist. Diese Daten, die oft auch Grundlage der von einigen Städtern gelegentlich leicht belächelten »Bauernweisheiten« sind, erstrecken sich zum Teil über Jahrhunderte und beschreiben einen genauen Ablauf natürlicher Phänomene (Blüte, Blättertrieb, Laubabwurf etc. von bestimmten Pflanzen). Das bedeutet natürlich auch, dass die einzelnen Abschnitte nicht für ganz Deutschland oder Mitteleuropa gelten sondern Region-spezifisch sind.

Phänologisch gesehen wird auch genauer zwischen einem Vor-, Erst- und Vollfrühling unterschieden: Der Vorfrühling beginnt mit der Blüte u.a. von Schneeglöckchen und Haselnuss und endet mit der Aussaat des Sommergetreides. Wenn die Forsythie blüht, beginnt der Erstfrühling, kurz danach folgen Kirsche, Birne und Ahorn. Dann treiben die ersten Blätter, zunächst bei der Birke. Die Landwirte säen jetzt Kartoffeln und Futterrüben aus.

Blühen schließlich Kulturapfel und Flieder erleben wir den Vollfrühling, der bis zum Gräserblühen (Beginn des Frühsommers) andauert. Im Durchschnitt beginnt dieser Vollfrühling Ende Februar im Südwesten von Portugal und zieht ca. täglich 40 km in Richtung Nordosten. Mit Blick auf die Schneeglöckchen im Garten lässt sich da nur konstatieren: Der (Vor-) Frühling ist da!

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