Der Mainzer - Die Stadtillustrierte


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ASV 88

ASV Mainz 88:

Deutscher Meister! Und jetzt?


Baris Baglan

Etwas mehr als einen Monat ist es her, da wurden die Ringer des ASV Mainz 88 deutscher Mannschaftsmeister, Fanansturm inklusive. Es folgten Auftritte im TV, der Eintrag ins goldene Buch der Stadt, einige Extra-Artikel in den Tageszeitungen und die Teilnahme am Rosenmontagszug. Diesen gerade entfachten »Ringer-Hype« am Leben zu erhalten ist der nächste Kampf der 88er und ihr vielleicht schwerster noch dazu. Wie sie ihn gewinnen wollen, erklärt der Trainer und sportliche Leiter des ASV, Baris Baglan, im Interview mit dem MAINZER.

DER MAINZER: Herr Baglan, was ist leichter: Deutscher Meister zu werden oder dieses Feuer der Be­geisterung bis zum Start der neuen Saison am Brennen zu erhalten?

Baris Baglan: »Also uns ist klar, dass unsere Höhepunkte saisonal gesetzt sind. Aber ich denke auch, dass es uns mittlerweile gelungen ist, aussagekräftiger zu sein, über den Hochleistungssport hinaus. Wir sind als Verein breiter aufgestellt, haben interessante Projekte, wie das ,Raufen nach Regeln' und den Meisterschafts-Titel haben wir mit unserem 125-jährigen Jubiläum auch ganz gut getimt (lacht): Das heißt: Wir sind natürlich sehr bestrebt, weiter an unserer Außendarstellung zu arbeiten. Und uns dabei noch stärker so zu zeigen, wie wir sind: als kontaktfreudiger und familiärer Verein.«

Es gibt ja viele Wege, um an seiner Außendarstellung zu arbeiten. Zum Beispiel durch aktive Öffentlichkeitsarbeit, aber auch über Fanartikel. Welche Pläne gibt es konkret?

Baglan: »Da sind wir dran. Das heißt, wir versuchen zurzeit, weitere Leute mit ins Boot zu holen. Also die Aufgaben auf mehreren Schultern zu verteilen, mit dem Ziel, diese Bereiche noch stärker, noch professioneller abdecken zu können. Konkrete Ergebnisse gibt es derzeit aber noch nicht.«

Sie haben es bereits gesagt: Der ASV wird in diesem Jahr 125. Wie könnte man dieses Jubiläum als zusätzliche Eigenwerbung nutzen?

Baglan: »Auch da laufen zurzeit noch die Planungen. Tendenziell sieht es aber schon so aus, dass wir einen Teil der Feiern für all unsere Freunde, Gönner und Fans machen wollen. Wie genau ist noch offen. Auf jeden Fall aber so wie wir sind: bodenständig, offen, familiär.«

Trotzdem: Bis zur neuen Saison ist es noch ein weiter Weg, auf dem noch einige Hindernisse stehen. Allen voran die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees, Ringen ab 2020 aus dem Programm zu nehmen. Wie weit wirft Sie das zurück?

Baglan: »Die Entscheidung ist ja noch nicht endgültig. Und da wir Kampfsportler sind, kämpfen wir auch darum, dass das IOC sich noch einmal korrigiert. Entsprechende Initiativen gibt es bereits weltweit. Von daher glaube ich, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Abgesehen davon sind wir ein regionales Phänomen, mit unseren drei Meisterschaften, mit unserer großen Tradition, sodass wir hoffen, davon nicht ganz so hart getroffen zu werden, selbst wenn Ringen 2020 wirklich nicht mehr olympisch wäre.«

Hürde Nummer zwei: Der ASV ist der einzige Ringerbundes­ligist, der in einer Großstadt zu Hause ist und dort auch noch Profifußballer als interne Konkurrenz hat .

Baglan: »Für uns ist das überhaupt kein Problem, im Gegenteil. Mainz 05 zum Beispiel ist für uns eher ein Partner. Das haben die vielen, vielen Glückwünsche ge­zeigt, die wir nach der Meisterschaft vom gesamten Verein be­kommen haben. Insofern freuen wir uns sogar, solch einen Partner zu haben, bei dem man sich ja zum Beispiel auch in Sachen Professionalität etwas abschauen kann. Und auch die Tatsache, dass wir in einer Großstadt zu Hause sind, sehen wir positiv. Dank der guten Zusammenarbeit mit der Stadt und unseren Sponsoren können wir unseren Athleten oft mehr als nur eine rein sportliche Perspektive bieten und sie so mittel- und langfristig an uns binden. Beste Beispiele dabei sind David Bichinashvili und William Hart.«

Hürde Nummer drei ist die nicht nur von den 88ern ge­wünschte Mehrzweckhalle. Gibt es dabei neue Entwicklungen?

Baglan: »Derzeit läuft ja eine Machbarkeitsstudie und danach werden wir sehen. Aber ohne je­manden unter Druck setzen zu wollen: Es wäre schon toll, wenn solch eine schöne Stadt wie unsere (grinst), eine Multifunktionshalle bekäme. Gründe dafür gäbe es zur Genüge, nicht nur sportliche, auch kulturelle.«

Herr Baglan, vielen Dank für das Gespräch.

Mario Bast