Der Mainzer - Die Stadtillustrierte


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Gesundheit

Rettungsdienst:

Ganz schön teuer


fotodesign Mainz Manche Kosten im Gesundheitswesen nehmen die Patienten staunend zur Kenntnis - wenn sie denn erfahren, was für die Leistung von Ärzten und Kliniken zu zahlen ist. Im vorliegenden Falle handelt es sich um einen Rettungstransport von einem Mainzer Stadtteil zuerst ins Vincenz-Hospital, dann in die Mainzer Unikliniken, an einem Wochentag, in den frühen Morgenstunden. Inklusive Nachtzuschlag, Kilometergeld und Leitstellengebühr musste die Privatpatientin 600,69 Euro zahlen. Ist das der normale Preis«, der auch mit den Krankenkassen abgerechnet wird? Und: Wieso sind Rettungstransporte derart teuer?

Dr. Guido Scherer, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst Mainz, Worms und Bad-Kreuznach, beantwortet die Fragen des MAINZERs.

Durchaus im Bereich des Möglichen sei diese, auf den ersten Blick hohe Summe, sagt Scherer und verweist auf das Finanzsystem für den Rettungsdienst in Rheinland-Pfalz. Gemäß dem Landesfinanzausgleichssystem werden die Kosten für das gesamte rheinland-pfälzische Rettungsdienstsystem zu­sammenge­rech­net und auf die einzelnen Einsätze verteilt, die Benutzungsentgelte werden gestückelt. Ähnlich dem Finanzausgleich zwischen den Bundesländern, findet so ein Kostenausgleich zwischen den häufigen Rettungsdiensteinsätzen in einer dicht besiedelten Stadt wie Mainz und den seltenen Einsätzen in ei­ner dünn besiedelten Region wie der Eifel statt.

Innerhalb von fünf Minuten muss jeder Patient in Rheinland-Pfalz mit einem Rettungswagen erreicht werden können, so steht es im Landesrettungsdienstgesetz. Diese Vorgabe, die im Notfall Leben rettet, erfordert eine entsprechende Anzahl von Rettungsstationen. Manche dieser Rettungsstationen müssen nur einen Einsatz pro Tag fahren - aber trotzdem 24 Stunden besetzt sein.

Hohe Fixkosten

Im vergangenen Jahr kostete das gesamte Rettungsdienstsystem in Rheinland-Pfalz 115 Millionen Euro. Diese Summe wiederum ist die Grundlage für die Abrechnungssätze der einzelnen Einsätze in diesem Jahr. Am Ende des Jahres werden die realen Kosten geprüft. Allerdings seien nur etwa 10 Prozent, also 15 Millionen Euro variable Kosten, z.B. für den Verbrauch von Medikamenten, sagt Scherer.

100 Millionen Euro seien fixe Kosten für Fahrzeuge, Gebäude, Personal, etc. Die sind zu zahlen, ob ein Einsatz pro Jahr im ganzen Land gefahren wird oder 10.000.« Wobei, ergänzt der Arzt, der Anteil der Personalkosten groß sei, aber: »Rettungssanitäter haben einen schweren Job, sie leisten Nacht- und Wochenenddienste, sind psychisch stark gefordert - im Verhältnis dazu ist ihre Bezahlung zu niedrig.«

Die hohen Fixkosten erklären sich auch durch Gesetze und Verordnungen, durch DIN-Vorschriften und Arbeitsanweisungen, mit denen das gesamte Rettungsdienstwesen geregelt ist. Detaillierte Vorgaben für die Ausstattung der Fahrzeuge, für deren Besatzung sollen die optimale Versorgung im Notfall sicherstellen.

SoS