Der Mainzer - Die Stadtillustrierte


Werbung

Mogunzius

Mogunzius, Stadtschreiber DES MAINZERs

Eine alte Debatte köchelt plötzlich wieder


Die Mainzer Ringer sind schuld. Seit sie den am Ende erfolgreichen Kampf um die deutsche Meisterschaft auf dem Messegelände ausgetragen haben, köchelt in der Landeshauptstadt eine alte Debatte hoch. Braucht Mainz eine Großsporthalle? Und plötzlich entdecken viele ihr Herz für eine solche Mehrzweck-Arena. Etwa die Johannes-Gutenberg-Universität, die eine Halle gerne mitnutzen würde. Von derartigen positiven Stimmen beflügelt hat Bürgermeister Günter Beck eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die bis zum Frühsommer Antworten zur Großsporthalle geben soll. Wie die Expertise ausfällt, ist eigentlich längst klar. Bedarf besteht in Mainz im Blick auf Sportarten wie Basketball, Handball und eben Ringen in jedem Fall, und auch eine kulturelle Nutzung wäre denkbar. Einzig die Finanzierung ist das Thema, an dem ein solches Projekt scheitern wird. Bei aller Euphorie ist es völlig illusorisch, dass ein Investor aus dem Hut gezaubert werden kann. Und die Decke der möglichen Geldgeber ist in und um Mainz mehr als dünn. Coface ist in die neue 05-Arena involviert, Schott engagiert sich in einem eigenen Sportverein und andere Unternehmen sind nicht in Sicht, die für derartige Projekte Geld in die Hand nehmen. Der Mainzer Oberbürgermeister hat gleich mal abgewunken und signalisiert, die Stadt habe für eine Mehrzweck-Arena kein Geld. Das ist ernüchternd, aber auch eine nachvollziehbare Aussage.

Feder

Noch steht in den Sternen, was mit dem maroden Rathaus passiert. Sanierung oder Neubau werden in jedem Fall ein Riesenloch in den Haushalt reißen, der in Mainz seit eh und je für eine hohe Verschuldung steht. Insofern sind alle Gedankenspiele über eine Großsporthalle nett, aber am Ende unrealistisch. Politische Historiker werden sich noch mit einem Schmunzeln im Blick auf die momentane Debatte daran erinnern, dass vor zwei Jahrzehnten ein japanischer Elektronikkonzern große Pläne für Mainz hatte und sozusagen als Dankeschön an den Standort eine Mehrzweckhalle bauen wollte. Am Ende scheiterte die Ansiedlung an jenen, die eine Bebauung auf dem Kisselberg ablehnten. Wer sich heute die zahlreichen Projekte rund um den Europakreisel anschaut, merkt schnell, dass Mainz seinerzeit eine große Chance verschlafen hat.

Das hilft den heute Verantwortlichen nicht weiter. Zumal sie nicht unbedingt Fortune mit aktuellen Projekten haben. Etwa die Bebauung des Zollhafens bleibt eine Zitterpartie, nachdem sich mehrere Unternehmer von der Wohnbebauung in ihrer Existenz bedroht fühlen. Im Rathaus, speziell in der Bauverwaltung, werden diese Einsprüche nicht ernst genommen. Der Streit um den Lärmschutz wird von der zuständigen Baudezernentin Marianne Grosse locker weggebügelt. Vielmehr will die Beigeordnete jetzt aufs Tempo drücken und bis zur Sommerpause den Beschluss des Stadtrats unter Dach und Fach haben, damit noch im laufenden Jahr die Bauarbeiten am Zollhafen starten können. Was nur heißen kann: Der Konflikt wird sich noch zuspitzen. Erst recht, wenn von städtischer Seite noch provokant formuliert wird, die benachbarten Unternehmen hätten im Blick auf die Bebauung des Hafenareals noch »Entwicklungsmöglichkeiten«. Solche Aussagen sprechen nicht für politische Sensibilität, sondern spitzen die Auseinandersetzung noch zu. Was nur heißen kann: Auch wenn die Bebauung des Hafens noch 2013 beginnt, ist der Streit mit den benachbarten Firmen noch lange nicht beigelegt.