Der Mainzer - Die Stadtillustrierte


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Mainzer Citymanagement

Mainzer Citymanagement vor neuen Aufgaben

Am Anfang steht der Dialog


Ingrid Kölzer-Spitzkopf und Walter Strutz
Ingrid Kölzer-Spitzkopf, Vorstands­mit­glied der Mainzer Sparkasse und seit November 2012 Vorsitzende von Mainz Citymanagement e.V. und Walter Strutz, Staatssekretär a.D., seit Juli 2012 Mainzer Citymanager

Was macht eigentlich Walter Strutz, der neue Citymanager? Eine Frage, die unter den Innenstadt-Gewerbetreibenden häufiger gestellt wird. Sie zu beantworten begab sich DER MAINZER zur Mainzer Sparkasse - deren Vorstandsmitglied Ingrid Kölzer-Spitzkopf ist Vorsitzende des Vereins Mainzer Citymanagement. Gemeinsam mit dem Citymanager erläutert sie die anstehenden Aufgaben.

Gegründet wurde der Verein Mainzer Citymanagement vor 15 Jahren mit dem Ziel, die Innenstadt attraktiver zu machen - »die­ses Ziel verfolgen wir auch weiter«, sagt Ingrid Kölzer-Spitzkopf. Allerdings sei die Rolle, die der Verein insgesamt und dessen Vorsitzende sowie der Citymanager spielten, eingeschränkt: »Wir sind Impulsgeber, führen die verschiedenen Akteure von Politik über Gewerbetreibende und Kulturschaffende zusammen und ba­lancieren deren Interessen aus.« Vor der Gründung des MCM, er­gänzt Walter Strutz, seien Konflikte in der Öffentlichkeit ausgetragen worden, seither bemühe man sich deren Lösung aus dem politischen Alltagsgeschäft he­raus­zuhalten. »Deshalb spielen in unserem Verein politische Interessen keine Rolle«, unterstreicht Kölzer-Spitzkopf.

Als Beispiel für derart moderate Konfliktlösungen könnte das Thema Parkgebühren gelten: Viele Händler in der Innenstadt monieren den Verlust von Kundschaft und Gästen, die nicht bereit seien, die hohen Gebühren zu zahlen. »Es gibt Modelle in anderen Städten, wie durch zeitlich abgestufte Tarife die Parkhäuser auf ihre Kos­ten kommen und die Kundschaft trotzdem nicht über Gebühr belastet wird«, so Strutz. »Wir ha­ben weitere Ideen und Vorschlä­ge, die wir mit MCM-Mitglied und Stadttochter ,Parken im Mainz GmbH' beratschlagen werden«, ergänzt die MCM-Vorsitzende.

Wie positioniert sich MCM in den Diskussionen zum Einkaufszentrum in der Ludwigsstraße? »Keinen Riesenklotz, sondern ein stadtverträgliches Einkaufszentrum, das der Stadt einen Mehrwert bringt«, befürwortet die Vorsitzende und: »Es wäre schön, wenn nicht nur Filialisten, die wir überall in dieser Welt wiederfinden, einzögen.«

Auf die Frage, nach bisherigen MCM-Leistungen zur Attraktivitäts­steigerung der Mainzer Innenstadt, erinnern Vorsitzende und Citymanager an die City-Meile, als belebende Verbindung der verschiedenen Einkaufsquartiere. »Gut wäre, könnten wir die City-Meile über die Große Bleiche und den Neubrunnenplatz hinweg fortführen - der Boulevardcharakter dieses Be­reiches ließe sich hervorragend unterstreichen«, so Strutz. Dass derlei Gedankenspiele schwer zu realisieren sind, weiß der Citymanager. Aber, ergänzt die MCM-Vorsitzende »wir dürfen uns keine Denkverbote auferlegen, nur weil die Stadt kein Geld hat.«

Neue Potenziale

Aktionen wie »Zu Gast in der eigenen Stadt«, die Umrüstung der Weihnachtsbeleuchtung auf LED-Leuchten, die Finanzierung des Weihnachtsbaumes am Schillerplatz - Strutz möchte derlei Ak­tivitäten fortsetzen, gleichzeitig neue Potenziale erschließen: »Die Gesundheitswirtschaft ist schon aufgrund der demographischen Entwicklung ein wichtiger Zu­kunfts­markt.«

Kölzer-Spitzkopf will das Kongressgeschäft nutzen: »Wie erreichen wir es, dass die Kongressgäste aus der Halle heraus und in unsere Innenstadt hinein gehen? Dass sie einkaufen, Gaststätten und kulturelle Veranstaltungen besuchen?« Auch die Studierenden, obwohl viele von ihnen Heimschläfer sind, stellten ein Potenzial dar, das zur Belebung der Stadt und des Handels beitragen könne.

Strutz ist grundsätzlich überzeugt, der Einzelhandel könne durch Beratung, Kompetenz und Zuverlässigkeit einen Mehrwert für die Kunden erzeugen: »Ich glaube nicht, dass zum Beispiel die Attraktivität der Verkaufsoffenen Sonntage in der Innenstadt unter der Konkurrenz durch Möbel Martin und den Aktionen in den Stadtteilen leiden wird.«

»Mainz hat viele Stärken, die mehr hervorgehoben werden müssen«, sagt Kölzer-Spitzkopf. »Zum Beispiel die US-Amerikaner, die von Heidelberg nach Wiesbaden übersiedeln, denen gefällt unsere schöne Altstadt viel besser - wie animieren wir sie, hier einzukaufen?« Oder: »Warum setzen wir den größten Sohn dieser Stadt, Gutenberg, nicht als Marketinginstrument ein?« Kölzer-Spitzkopf verweist auf das Symbol Berlins, den Bären, der überall in der Hauptstadt anzutreffen sei. »Wir müssen den Geist Gutenbergs intensiver pflegen, durch gezielte Veranstaltungen seine weltweite Wirkung für Mainz besser nutzen.«

Mitglieder sind gefragt

Man könnte über großformatige Bücher, über kleine Gutenberg-Statuen, in der ganzen Stadt verteilt, die Aufmerksamkeit für den Erfinder der Buchdruckkunst verstärken. Um solche Ideen zu realisieren, sollte man auch auf das bürgerschaftliche Engagement, die Bereitschaft, sich für die eigene Stadt finanziell und ideell einzusetzen, zurückgreifen, sind sich die beiden einig.

Die eigenen Ideen wollen Kölzer-Spitzkopf und Strutz in Einklang bringen mit den Vorstellungen und Wünschen der MCM-Mitglieder - das ist das Ziel der laufenden Mitglieder- Befragung. »Wir wollen die Mitglieder einbinden, wissen, was sie erwarten und was sie beitragen können, um die Innenstadt attraktiver zu machen«, fasst Kölzer-Spitzkopf zusammen und: »Ich erwarte aber auch, dass die Vorstandsmitglieder ihre spezifischen Fachkompetenzen einbringen und aktiv mitarbeiten.« SoS

SoS