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Ingelheimer Kaiserpfalz

Ingelheimer Kaiserpfalz

Auf den Spuren Karls des Großen


Schießscharten
Schießscharten und festeres Mauerwerk: Das Heidesheimer Tor zeigt, zur Zeit der Staufer wurde die Kaiserpfalz als Wehr­anlage genutzt.

Ein Stück Geschichte erlebbar machen und die Ingelheimer Kaiserpfalz aus ihrem Dornröschenschlaf wecken: Das war das erklärte Ziel von Archäologen und Kunsthistorikern als 1993 die Grabungen auf dem Areal der Kaiserpfalz wieder aufgenommen wurden. Ein ambitioniertes Unterfangen, denn der größte Teil der frühmittelalterlichen Anlage befindet sich einige Meter unter der Erde mitten in einem Wohngebiet. Zwanzig Jahre nach dem ersten Spatenstich ist die Ingelheimer Kaiserpfalz zwar immer noch ein Wohngebiet, allerdings konnten einige bedeutende historische Ruinen freigelegt werden und wer mit offenen Augen durch die Anlage läuft kann die einstige Architektur des Königsaufenthaltsorts nachvollziehen.

Vom 8. bis 14. Jahrhundert diente Ingelheim insgesamt siebzehn Herrschern als Aufenthaltsort: Es wurde Gericht gehalten, Verträge abgeschlossen und Feste gefeiert. Entstanden ist die Kaiserpfalz unter Karl dem Großen, der als Vater des Reisekönigtums gilt und im gesamten karolingischen Reich Pfalzen errichteten ließ, die ihm als jeweiliger Herrschaftsort dienten: »Karl der Große baute die Ingelheimer Pfalz als halbkreisförmige Anlage mit Säulengängen, ähnlich der Bauten in Rom«, erklärt Katharina Ferch, Pressesprecherin der Kaiserpfalz und fügt hinzu: »Das verrät uns viel über seinen Herrschaftsanspruch: Er sah sich in der Tradition der antiken Kaiser in Rom. Nicht nur architektonisch, sondern auch machtpolitisch.«

Die Säulengänge lassen sich nur noch als Nachbauten im Mu­seum besichtigen. Mit der Freilegung des Thronsaals, der Aula Regia, wurde jedoch ein Relikt aus Zeiten Karls des Großen für heutige Besucher zugänglich ge­macht. Sie ist nur in Teilen erhalten, aber die Apsis, in der der Kaiserthron stand, kann besichtigt werden.

Digitale Rekonstruktion

Dank archäologischer Funde konnte sogar die Innenausstattung des Thronsaals nachempfunden werden: »Im Museum gibt es eine digitale Rekonstruktion der Aula Regia. Natürlich können wir nicht zu 100% garantieren, dass der Thronsaal so aussah, wie in der Demonstration dargestellt, aber die Wandfliesen, die wir gefunden haben lassen dies zumindest vermuten.« Eine anschauliche Vermittlung der archäologischen und kunsthistorischen Forschungsergebnisse der letzten 20 Jahre - die Vorgabe gilt auch für die Saalkirche der Kaiserpfalz: »Die Saalkirche wurde unter ottonischer Herrschaft in die Kaiserpfalz integriert«, weiß Ferch. Heute ist sie nicht nur Kirche, sondern Teil der Kaiserpfalz-Ausstellung und informiert über die Bedeutung der Ottonen für die Ingelheimer Kaiserpfalz im 9. und 10. Jahrhundert.

»Die Kaiserpfalz hat im Laufe der Jahre immer wieder ihr Ge­sicht geändert, neue Gebäude sind entstanden und andere wurden umgebaut«, erklärt Ferch. Als die Stadt Ingelheim im Jahr 2000 ein zusätzliches Areal auf dem Kaiserpfalzgelände er­wirbt, können die Archäologen ein Relikt aus staufischer Zeit freilegen: »Das Heidesheimer Tor zeigt, dass die Staufer die Kaiserpfalz weniger als Herrschersitz, sondern vielmehr als Wehranlage genutzt haben.« Die Mauern, die in karolingischer Zeit noch als Haupteingang der Kaiserpfalz dienten, zeigen unter den Staufern kleine Schießscharten und festeres Mauerwerk: »Das verdeutlicht den Wandel, den die Ingelheimer Kaiserpfalz im Laufe der Jahrhunderte durchlebt hat«, fasst Ferch zusammen. Im Spätmittelalter verlor die Ingelheimer Pfalz schließlich ihre administrative Bedeutung und das Gelände wurde zur Bebauung freigegeben: Die Steine der Kaiserpfalzgebäude wurden zum Bau der Häuser verwendet, der Herrschersitz verschwand, das Wohnviertel entstand.

eGuide für die Besucher

Nach 20 Jahren archäologischer Tätigkeit auf dem Kaiserpfalzgelände scheinen nun historisches Erbe und neuzeitliches Wohnviertel nebeneinander zu existieren. Veranschaulicht wird dies durch einen Blick auf den Boden: »Der größte Teil der Kaiserpfalz befindet sich immer noch unter der Erde, allerdings konnten wir die Lage verschiedener Ge­bäude ziemlich genau rekonstruieren. Im Zuge der Stadtsanierung wurden die Grundrisse dieser Gebäude gewissermaßen in die Pflasterung der Gehwege eingebunden«, meint Ferch. Schwarze Pflastersteine symbolisieren das äußere Kaiserpfalzgelände, graue Steine den inneren Bereich, die Umrisse der Gebäude sind durch helle Steine gekennzeichnet. Darüber hinaus wurde ein multimedialer eGuide entwickelt, der die Besucher durch das Pfalzgelände führt und über die einzelnen Stationen informiert.

Info: www.kaiserpfalz-ingelheim.de

Katrin Henrich