Der Mainzer - Die Stadtillustrierte
Verlosung

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Massachusetts - das BEE GEES Musical
am 7. März 19.30 Uhr in der Phönix-Halle

MAGIC SHADOWS - die faszinierende Welt von Licht und Schatten
am 17. März 19 Uhr in der Rheingoldhalle

DER MAINZER verlost für beide Events jeweils 2 x 2 Eintrittskarten. ...zur Verlosung

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Spitzfindig


Titelbild DER MAINZER Nr. 270

Hier und Jetzt.


Ich habe es versucht. Immer wieder.

Entweder konzentriert auf das Display starrend, mit der linken Hand Buchstaben tippend.

Oder lässig vor mich hin erzählend, das Head­set in den Haaren versteckt.

Einmal stolperte ich über die Bordsteinkante. Am linken Fuß ist der große Onkel blau.

Ein andermal lief ich in einen Kinderwagen. Das Baby wurde wach. Die Mutter pflaumte mich an.

Meistens ging aber alles gut. Ich sprach mit Unsichtbaren oder kommunizierte mit den Fingern und lief durch die Straßen.

Eigentlich eine gute Sache. Dachte ich immer, wenn ich ohne weitere Blessuren irgendwo ankam. Und: was die können, kann ich auch.

Die - das sind Menschen, die nicht mehr auf die Straße gehen können, ohne gleichzeitig mobil zu kommunizieren.

So lange ich ohne gleiches zu tun unterwegs war, dachte ich immer, die spinnen. Die kriegen ja nichts mehr mit. Von ihrer Umgebung.

Dann fiel mir auf: Sie haben weder Gips an Armen und Beinen, noch sonstige erkennbare Blessuren. Also scheinen sie heil durch die Welt und den Verkehr zu kommen.

Wie das funktioniert, wollte ich wissen.

Ich weiß jetzt, dass ich es kann.

Wie es funktioniert, weiß ich immer noch nicht.

Vielleicht ist es Glück. Dass man meist Menschen begegnet, die mit gespitzten Ohren und sehenden Auges durch die Welt laufen. Die deshalb rechtzeitig ausweichen können.

Vielleicht entwickelt man einen siebten Sinn. Für die Unebenheiten der Straße. Und für die Verengung des Raumes - wenn Menschen zu nah kommen.

Vielleicht. Es ist mir egal. Ich hab's probiert. Ich kann's. Ich will's nicht. Warum nicht? Mein Lieblingskneipenwirt redet nicht mehr mit mir. Er hatte in der Großen Langgasse hinter mir her gerufen. Ich reagierte nicht. Konnte ihn nicht hören, Dank Kopfhörer. Jetzt ist er beleidigt: »Auf der Straße trägst Du die Nase ganz schön hoch!«

Aua!

Dann wollte ich endlich einen bestimmten Laden erkunden. Der hatte geschlossen. Für immer. Mindestens zwei Wochen bin ich an den Schaufenstern vorbeigelaufen. Ohne die Schilder »Räumungsverkauf« zu sehen. Wie auch? Mit dem aufs Display gesenkten Blick?

Das war der berühmte Tropfen.

Jetzt stehen Augen und Ohren wieder auf Empfang. Ich will mitbekommen, was um mich vorgeht. Teilhaben. Dort wo ich bin. Im Jetzt und hier.

SoS