Heft 269 Februar 2013
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Pfarrer-Landvogt-Hilfe

Pfarrer-Landvogt-Hilfe im neuen Domizil

Endlich viel Platz für vielseitige Hilfe


Aussenansicht
Der neue Wohnungslosentreffpunkt im Gebäude F auf der Mainzer Zitadelle

Der helle, große Saal mit den schwarzen und roten Stühlen wirkt ein wenig wie ein Tagungsraum - wäre da nicht die Durchreiche zu der hochmodernen Küche, in der Hannelore Jost mit flinken Händen das Essen vorbereitet: Brot mit verschiedenen Käse- und Wurstsorten, Süßaufstrich, Kaffee und Tee. Es ist kurz vor fünf, in ein paar Minuten öffnet sie die Tür der Teestube der Pfarrer-Landvogt-Hilfe (PLH) für obdachlose Besucher, die hier die Möglichkeit haben, sich aufzuwärmen, andere zu treffen oder Wäsche zu waschen. »Mir macht diese Tätigkeit und das Reden mit den Leuten Freude. Manche kenne ich schon sehr lange«, erzählt Jost, die seit 18 Jahren als Ehrenamtliche die PLH unterstützt. Die neue Unterkunft gefalle ihr gut und auch Andreas, der seit drei Jahren auf der Straße lebt und bereits vor dem Eingang der Teestube wartet, findet sie schön und sauber. »Jetzt kann man hier sogar selbst waschen«, meint er.

Spenden für den Umbau

Am 2. Dezember 2012 feierte der Verein den Einzug des Wohnungslosentreffpunkts in das Gebäude F auf der Zitadelle, und beendete damit seine provisorische Unterbringung im roten Backsteinhaus zwischen KUZ und »Citrus« in der Dagobertstraße. Ein Jahrzehnt lang suchte die Stadt für die PLH einen dauerhaften Standort, das neue Domizil hat sie der Einrichtung nun für die nächsten drei Jahrzehnte überlassen. »Wir haben endlich viel Platz. Vor allem gibt es getrennte Duschen für Männer und Frauen. An alter Stelle hatten wir nur eine Dusche für alle«, sagt Vereinsvorstandsmitglied Theo Gerster.

Auf 400 Quadratmetern verteilen sich die Teestube mit 80 Sitzplätzen, Küche, Büros, zwei Wäschekammern für die tägliche Ausgabe an Kleidung und Hygieneartikeln, sanitäre Anlagen, Waschküche, Vorratsräume sowie ein Münzwaschraum und eine kleine Küche, die die Besucher selbst nutzen können. »Wir mussten zum Teil Wände herausnehmen, eine neue Heizungsanlage einbauen und einen neuen Kanalanschluss legen«, erklärt Gerster die umfassenden Umbaumaßnahmen, die ungefähr 1,2 Millionen Euro kosteten und über Spendengelder und einem Zuschuss der ARD-Fernsehlotterie »Ein Platz an der Sonne" finanziert worden sein sollen. Im Frühjahr ist außerdem, mit Zustimmung der Stadt, hinter dem Gebäude das Anlegen eines Gartens mit Zugang zu den Toiletten im Haus geplant. Angedacht ist weiterhin, im Nebengebäude vier Zimmer zur Einzelbelegung als Übergangsphase für Personen anzumieten, die in »normale« Wohnungen vermittelt werden.

Kammer
Kleidungsstücke und Hygieneartikel gibt Hannelore Jost, eine der Ehrenamtlichen der Pfarrer-Landvogt-Hilfe, nach Bedarf an die Teestubenbesucher aus

Freiwillige Helfer gefragt

Dass die PLH für einige Wohnungslose aufgrund ihrer neuen Lage zwar etwas beschwerlicher zu erreichen ist, so Teestubenleiterin Regina Knedelhans, bedeute dennoch kein Rückgang hinsichtlich des Zulaufs. Mehr als 50 Be­sucher nähmen täglich das Angebot des Vereins in Anspruch. »Die Wohnungslosenhilfe ist ein wichtiger Part in unserer Gesellschaft. Wir wollen mit der Teestube Schutz und Geborgenheit bieten.« Dazu gehört auch, laut Gerster, mittelfristig im Winter die bisher beschränkten Aufenthaltszeiten zu verlängern. Dies hänge jedoch von der ehrenamtlichen Unterstützung ab, denn die Teestube benötige immer zwei Personen, die sich zugleich um die Wäschekammern und das Wäschewaschen kümmern müssten. Deshalb sei der Bedarf an freiwilligen Helfern groß.

Dass die Anwerbung von Hilfskräften eventuell von »Ehrenamt - die Mainzer Agentur« geleistet werden könnte, bietet sich seit deren Einzug in das Nebengebäude am 14. Januar an. Auch der Verein Armut und Gesundheit, der mit seinem Arztmobil obdachlose Menschen in Mainz medizinisch betreut, hat Räume in demselben Gebäudekomplex F angemietet. Trotz der vielseitigen An­gebote für Wohnungslose ist es der Sozialarbeiterin Knedelhans wichtig, dass die Besucher des PLH auf eigenen Beinen stehen - sofern es geht. »Sie tragen für ihr Leben eigene Verantwortung und deshalb ist es möglich, dass sie sich teilweise selbst versorgen.«

Der Verein PLH wurde 1981 gegründet und ist korporatives Mitglied des Caritasverbandes Mainz. Neben der Teestube gibt es im ersten Stock des Gebäudes die angegliederte Beratungsstelle »Start-Hilfe«, in der hauptamtliche Kräfte die Wohnungslosen bei finanziellen, gesundheitlichen und sonstigen persönlichen Problemen unterstützen. Die Teestube ist täglich von 8.30 bis 10.30 Uhr und 17 bis 19 Uhr geöffnet, sonntags 9 Uhr bis 10 Uhr.

Info: www.plh.de


KH