Heft 268 Februar 2013
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Mogunzius

Mogunzius, Stadtschreiber DES MAINZERs

Auch in der Luft sind »Dreckschleudern« unterwegs


Bevor Mainz und Wiesbaden offiziell zur Umweltzone werden, herrscht schon dicke Luft über dieser Initiative. Und tatsächlich ist die Frage gestattet, ob die Aktion beider benachbarter Landeshauptstädte nicht nur ein umweltpolitisches Feigenblatt oder ein wirklicher Beitrag zur Reduzierung der Luftverschmutzung ist. Denn zum Startschuss im Februar 2013 war etwa in Mainz längst klar, dass gerade mal zehn Prozent aller in der Stadt angemeldeten Autos die grüne Plakette noch nicht haben. Die anderen Autofahrer haben längst das »Pickerl« als Zeichen für die Umwelttauglichkeit ihrer Karosse an der Windschutzscheibe kleben. Also viel Aufwand für eine überschaubare Zielgruppe?

Dem würden die Umweltzonen-Befürworter in Mainz und Wiesbaden heftig widersprechen. Gerade Grüne und SPD in den beiden Rathäusern erhoffen sich weniger Feinstaub und Stickoxid. Und Rückenwind bekamen die Plaketten-Befürworter noch aus Frankfurt, wo 2008 eine Umweltzone eingerichtet wurde. Dann ist es nur logisch, wenn die dortige grüne Umweltdezernentin betont, die Luftqualität habe sich seitdem spürbar verbessert. So ein bisschen argumentativ geflunkert wurde mit einer solchen Aussage aber schon. Zweimal hat Frankfurt die Feinstaub-Grenzwerte nicht eingehalten - da half auch die eingeführte Umweltzone nichts. 2009 und 2011 wurde der Grenzwert an mehr als 35 Tagen überschritten. Als Grund wurde das Wetter genannt. Genauer Inversionswetterlagen, bei denen sich die Luftschadstoffe bei Windstille wie unter einer Glocke sammeln.

Derartige Diskussionen kommen jetzt unter Garantie auch auf Mainz zu, wenn Kritiker der Umweltzone auf den Plan gerufen werden. Ein signifikantes Argument haben sie schon: Als US- Feder

Präsident Bush vor Jahren in der Rheingoldhalle auftrat und die gesamte Stadt lahmgelegt und abgesperrt wurde, waren die gemessenen Schadstoffwerte extrem hoch. Wiederholt sich ein solch unerklärlicher Fall, dann können wir uns jetzt schon auf die flammenden Verteidigungsreden der Umweltplakette freuen.

Noch überhaupt nicht wurden viel massivere Umweltsünden angeprangert! Der Schadstoffausstoß von Flugzeugen über der neuen Umweltzone Mainz wird als Thema in jedem Fall noch aufgegriffen, rüttelt der ohnehin diskutierte Flugverkehr über der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt bei vielen Mainzern an der Lebensqualität ihrer Stadt. Und Expertenwarnungen untermauern alle, die ihre Ängste vor einer Luftverschmutzung durch Flugzeuge haben. So rechneten US-Forscher vor, durch Flugzeugabgase sterben weltweit 8 000 Menschen pro Jahr und gaben für Deutschland eine Schätzung von 545 Opfern an. Eine alarmierende Zahl, wenn man bedenkt, dass starke Westwinde die Abgase um tausende Kilometer nach Osten schieben können, die sich dann am Boden verteilen. So bekommt Europa tatsächlich die Emissionen von Nordamerika ab.

Ob angesichts dieses unmissverständlichen Aufschreis die Aktivitäten einer Umweltzone für Fahrzeuge am Boden etwas bringen, wenn die eigentlichen Luftverschmutzer über Mainz und Wiesbaden unterwegs sind, sollte man nicht vergessen. Schade, dass für eine Gesamtbetrachtung und auch für einen Lösungsansatz des gesamten Problems die Fürsprecher fehlen. Noch.

So wird vorläufig nur der Fluglärm in Mainz gemessen. Wichtige Zahlen, die den Protest und auch die politischen Initiativen gegen Fluglärm, die neuerdings auch massiv von der frischgebackenen Ministerpräsidentin

Malu Dreyer forciert werden, verspricht man sich von der Mess-Station auf dem Dach der Mainzer Augenklinik. Die Daten - und das macht die neue Anlage so interessant - können auch für mögliche Gerichtsverfahren genutzt werden.

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