Heft 268 Februar 2013
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Handwerk

Klare Absprachen, schriftlich fixiert:

Handwerker im Haus - gar kein Graus!


Foto: www.hwk.de Mit den Leistungen von Handwerkern sind Kunden nicht immer zufrieden. Sie hinterlassen Dreck, sind unpünktlich, pfuschen und zu teuer sind sie sowieso, so die Vorwürfe. Immer wieder sind die Schiedsstelle der Handwerkskammer Rheinhessen oder Gerichte gefragt, um derlei zu klären.

Dominik Ostendorf, Justiziar der HWK, kennt die rechtlichen Aspekte solcher Streitigkeiten. Im Gespräch mit dem MAINZER nennt er Regeln, um Missverständnissen vorzubeugen. Die nachfolgende Darstellung, am Beispiel von Bauleistungen (Gewerke, die bauen, umbauen, sanieren), ist ein Idealfall. Der nicht immer herbeizuführen ist. Es mag Handwerker geben, die eher unwillig reagieren, weil sie den Sinn und Zweck von »Schreibereien« nicht einsehen. Darauf ansprechen - unbedingt, lautet die Empfehlung. Auch der Handwerker hat ein Interesse daran, Konflikte zu vermeiden. Schließlich will er Geld für die geleistete Arbeit. Und zufriedene Kunden erzählen anderen, dass sie zufrieden waren.

Ein erster Rat von Ostendorf heißt: Betriebe wählen, die ein einzelnes Gewerk anbieten, das sie beherrschen. »Allrounder«, die behaupten alles zu können, seien mit Vorsicht zu genießen, denn nicht unbedingt könnten sie alles richtig gut, so seine Erfahrung.

Im Gespräch mit dem Handwerker am Ort des Geschehens soll der Kunde genau formulieren, was er will. »Seriöse Handwerker beraten, sie erklären, warum die Wandfarbe xy besser als die Wand­farbe yz ist. Sie erklären die Preisunterschiede der Materialien und der Stundenabrechnung.« Das Ergebnis dieser Beratung schriftlich, als Grundlage für Kostenvoranschlag oder Angebot formulieren (siehe Kasten), empfiehlt der Rechtsanwalt. Gleich welche Variante der Kunde wählt, der Abwicklungszeitraum sollte enthalten sein. Unterschreibt der Kunde Kostenvoranschlag/Angebot, entspricht das der Auftragserteilung.

Schiedsstelle

Kommt es zu Unstimmigkeiten kann die Schiedsstelle der Handwerkskammer Hilfe leisten. Dominik Ostendorf und Johann Jung beraten und vermitteln zwischen Handwerkern und Kunden. Ziel ist, gerichtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Kommt es trotz Vermittlung zu keiner Einigung, bietet die HWK den - kostenpflichtigen - Dienst von öffentlich vereidigten Sachverständigen an - sie helfen bei der Abwägung, ob eine gerichtliche Auseinandersetzung Sinn macht.

Bis hierher ist die Arbeit des Handwerkers in der Regel kostenlos, sie gilt als Akquise-Leistung. Nimmt der Kunde das bezifferte Angebot und findet einen Betrieb, der die gleiche Leistung günstiger anbietet, bleibt der Handwerker auf den Akquise-Kosten sitzen - oder er verlangt im Vorfeld für die Erstellung von Angebot/Kostenvoranschlag eine Gebühr, die bei Auftragserteilung verrechnet werden kann.

»Natürlich haben Kunden das Recht, bei verschiedenen Handwerkern die Preise zu erfragen«, stellt Ostendorf klar. Allerdings sei es fairer, wenn das auf Grundlage des schriftlich fixierten Kundenwunsches geschehe und nicht mit dem detaillierten Angebot. Der Handwerker könne für geleistete Arbeit und eingebrachte Materialen eine Abschlagszahlung fordern - auch weil der Kunde das Recht habe, jederzeit den Vertrag zu kündigen. Allerdings muss der Kunde bei einer unberechtigten Kündigung dem Betrieb den entgangenen Gewinn und die bis zu diesem Zeitpunkt geleisteten Arbeiten ersetzen. Kommt der Handwerker in Verzug, oder arbeitet er mangelhaft, so ist eine Kündigung des Vertrages auch ohne die Schadensersatzfolge möglich.

Mängel und Gewährleistung

Kostenvoranschlag

Der Kostenvoranschlag ist eine Vorkalkulation, die darauf basierende Rechnung darf bis zu maximal 20 % höher ausfallen. In der Regel werden hier bspw. die Anzahl der Handwerkerstunden geschätzt.

Das Angebot dagegen ist fix. Der Kunde muss nicht mehr bezahlen, als darin vereinbart wurde. Anders ist es, wenn zusätzliche Leistungen vom Kunden zusätzlich beauftragt werden, dann erhöht sich die Rechnung natürlich für diese Leistungen. Die nachträglichen Beauftragungen müssen sich in das Preisgefüge des ursprünglichen Auftrags (Stundenverrechnungssatz) einfügen.

Nach Abschluss der Leistungen folgt die Abnahme: Kunde und Handwerker schauen sich ge­mein­sam die durchgeführten Arbeiten an. Reklamiert der Kunde Mängel, müssen die beseitigt werden - ohne zusätzliche Kosten in Rechnung zu stellen. Ostendorf empfiehlt diese Ab­nahme schriftlich festzuhalten, das helfe Missverständnisse über mündliche Absprachen auszuschließen. »Der Handwerker bekommt sein Geld nach der gesetzlichen Regelung erst nach kompletter Fertigstellung. Vertraglich können aber auch Vorauszahlungen vereinbart werden«, stellt Ostendorf klar.

Auch nach Bezahlung der Rechnung kann der Kunde die kostenlose Beseitigung von Schäden fordern: auf unbewegliche Teile, was die Mehrzahl von Bauleistungen betrifft, besteht eine gesetzliche Gewährleistungspflicht von fünf Jahren. Allerdings muss hier der Kunde nachweisen, dass die Mängel auf unsachgemäße Handhabung, auf Materialfehler zurückzuführen sind: In der Regel lasse sich mit Augenschein und Menschenverstand feststellen, was die Ursache sei, so Ostendorf. Reicht das nicht aus, dann helfen öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige bei der Begutachtung von Mängeln.

Infos:
www.hwk.de
Suchwort: »Die Handwerkerrechnung«

SoS