Heft 268 Februar 2013
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Falschgeldjäger

Bundesbank-Außenstelle in Mainz identifiziert Blüten

Die Mainzer Falschgeldjäger


Falschgeld-Gutachter Martin Weber
Falschgeld-Gutachter Martin Weber untersucht mit seinen Kollegen täglich rund 200 Geldscheine. »Man muss sich in die Fälscher hineindenken können«, sagt der studierte Drucktechnik-Ingenieur.

Wo immer in Deutschland Falschgeld auftaucht, wird es auf die Reise nach Mainz geschickt. In der Außenstelle der Bundesbank im Mainzer Stadtteil Münchfeld befindet sich das Nationale Analysezentrum für Falschgeld. Die Mainzer sind dafür zuständig, Blüten aus dem ganzen Land zu identifizieren und zu verwahren.

»Die meisten Fälschungen sind nicht sehr gut, was uns natürlich die Arbeit etwas erleichtert«, sagt Martin Weber. Der studierte Drucktechnik-Ingenieur ist einer von fünf Gutachtern für gefälschte Banknoten bei der Bundesbank in Mainz. Zwei weitere Kollegen beschäftigen sich mit gefälschten Münzen. Täglich flattern rund 200 Blüten auf die Schreibtische von Weber und seinen Kollegen. Die meisten davon sind Euro-Noten, aber auch ausländische Scheine sind dabei.

In der Asservatenkammer des Analysezentrums liegen die falschen Scheine und Münzen sorgfältig sortiert. Mindestens 20 Jahre lang muss das Analysezentrum sie aufbewahren, bevor sie vernichtet werden. Die Gutachter unterscheiden nicht nur falsches von echtem Geld, sie ordnen die Scheine verschiedenen Serien und damit ihren Quellen zu. Ein Großteil der falschen Euroscheine komme aus nur zehn bis zwanzig Quellen, schätzt der Gutachter. Wie viele Scheine aus derselben Serie aufgetaucht sind und über welchen Zeitraum hinweg, wird zum Beispiel dann wichtig, wenn die Polizei die Fälscher schnappt und es zum Gerichtsprozess kommt. »Wie viel Geld am Ende in Umlauf gekommen ist, kann ein Hinweis für den Richter auf die kriminelle Energie der Täter sein«, erklärt Rainer Elm, der Leiter des Nationalen Analysezentrums.

Begutachten und Schulen

Fake-Scheine
Auch diese Scheine wurden aus dem Verkehr gezogen. »Es kommt darauf an, ob eine Verwechslungsgefahr besteht, und bei dieser Einschätzung sind wir eher restriktiv«, sagt Martin Weber.
Auch wenn das Falschgeldaufkommen in Deutschland im vergangenen Jahr um 6,4 Prozent gestiegen ist, sei die Menge hierzulande relativ gering, sagen die Sachverständigen. Der Höhepunkt seit der Euro-Einführung war 2004 erreicht - in diesem Jahr waren zum Beispiel auffällig viele falsche 100-Euro-Noten im Umlauf. Die Zahl sank rapide, nachdem eine große Fälscherwerkstatt in Litauen ausgehoben worden war. 2007 wurde einer Großquelle in Italien das Handwerk gelegt - daraufhin sank die Zahl der falschen 50-Euro-Scheine rapide. Kurz darauf gab es eine Welle von falschen 200-Euro-Scheinen, die dann aber plötzlich wieder abebbte. Die Quelle wurde nie bekannt.

Große Fälscherwerkstätten in Deutschland seien bisher nicht entdeckt worden, berichtet Rainer Elm. Geldfälscher, denen die Polizei hierzulande bisher auf die Schliche gekommen sei, hätten meist nur kleine Mengen produziert. Wenn in Deutschland eine Geldfälscherwerkstatt entdeckt wird, kommen Martin Weber und seine Kollegen manchmal zum Tatort, zur Weiterbildung, sozusagen. Das eine oder andere Mal habe er auch schon mit Blütendruckern gesprochen, sagt Weber. »Die meisten sehen sich als Künstler. Sie sind nicht selten geschmeichelt, wenn man sie über ihre Methoden befragt.« Ihnen mangele es aber oft an Unrechtsbewusstsein. Gerne fänden sie Ausreden, um ihre Taten zu rechtfertigen. Akute Geldnot sei da aber eher nicht das Argument: »Viele sagen, sie hätten es als handwerkliche Herausforderung gesehen.«

Die Bundesbank begutachtet aber nicht nur die falschen Scheine, sondern bietet Betrieben auch Schulungen an, in denen viel in bar gezahlt wird. Rund 2000 Schulungen waren es allein im vergangen Jahr, meist für Mitarbeiter des Einzelhandels oder für Berufsschulklassen von Einzelhandels- und Bankkaufleuten.

Der überwiegende Teil des Falschgeldes tauche in Großstädten auf, wo Anonymität herrscht, erklärt Elm. Auch sei zu beobachten, dass das Aufkommen örtlich nach Großveranstaltungen steige, etwa in München zum Oktoberfest oder bei großen Sportveranstaltungen wie der WM.

Fühlen, Sehen, Kippen


Falschgeld
Ein falscher und ein echter Zwanziger auf dem Lichttisch: Der obere Schein ist echt. Der falsche hat kein echtes Wasserzeichen, sondern nur einen Aufdruck.

Doch woran erkennt man Blüten? Die offizielle Empfehlung der Bundesbank lautet, eher auf einzelne Merkmale als auf den Gesamteindruck des Scheines zu achten. Bei Schulungen lehren die Experten vom Analysezentrum die Methode »Fühlen - Sehen - Kippen«. Gefühlt wird zunächst das Papier: Eine gewisse Griffigkeit kann für die Echtheit des Scheines sprechen - primitive Blüten sind oft auf zu glattem Papier ge­druckt. Dazu sind einzelne Druckelemente auf einem echten Schein etwas erhaben.

Sehen kann man zum Beispiel das Wasserzeichen. Ein echtes Wasserzeichen ist im Papier eingearbeitet und hat einen starken Kontrast. Die Hologramme glitzern nicht einfach nur, sondern lassen je nach Blickwinkel ein anderes Motiv erkennen. Schlechte Blüten machen zudem oft einen verwaschenen Eindruck, während echte Scheine scharf bedruckt sind. Und nicht zu vergessen: Der mittig angebrachte Sicherheitsfaden.

Mit »Kippen« meinen die Experten, den Schein in den Händen zu drehen und dabei auf bestimmte Merkmale zu achten. Bei Scheinen ab 50 Euro wechselt die Farbe auf der Betragangabe in der unteren rechten Ecke auf der Rückseite beim Hin- und Herkippen die Farbe. Bei Scheinen bis 20 Euro ist es ein Perlglanzstreifen mit der Wertangabe, der längs über die Rückseite der Note führt und je nach Lichteinfall mal silbern, mal golden schimmert.

Die Gefahr, als Privatperson einen falschen Schein angedreht zu bekommen, sei lange nicht so hoch wie für Geschäfte, betonen die Gutachter. »Wer aber einmal Opfer wurde, wird danach bestimmt regelmäßig prüfen«, meint Elm.

In diesem Jahr werden die ersten Noten der zweiten Euro-Serie eingeführt. Ab dem 2. Mai werden zunächst neue Fünf-Euro-Noten in Umlauf gebracht, in den darauffolgenden Jahren kommen die anderen Noten in aufsteigender Reihenfolge dazu. Sie werden verbesserte Sicherheitsmerkmale tragen, die es den Fälschern in Zukunft noch schwerer machen sollen.

Alice Gundlach

Infos Falschgeld: Fakten-Check
  • Im Jahr 2012 wurden in Deutschland rund 41.500 falsche Banknoten registriert. Das entspricht fünf falschen Scheinen pro 10.000 Einwohner.
  • Die am häufigsten vorkommenden Falschgeldnoten (46 Prozent) waren im vergangenen Jahr 20-Euro-Scheine. Ein weiteres Drittel (34 Prozent) waren Fünfziger. Am seltensten (je 1 Prozent) kamen 5-Euro- und 500-Euro-Blüten in Umlauf.
  • Im vergangenen Jahr tauchten zudem rund 91.000 Euro Falschgeld in Münzen auf, meistens in Form von 2-Euro-Stücken.
  • Wer bemerkt, dass er Falschgeld angenommen hat, darf es nicht weitergeben - damit macht er sich strafbar. Die Bundesbank empfiehlt, das Geld bei der Polizei abzugeben. Erstattet bekommt man das Geld allerdings nicht.
  • Falschgeld verursachte 2012 in Deutschland einen Schaden von insgesamt 2,2 Mio. Euro.
  • Die Ausstellung »Das neue Gesicht des Euro« zur zweiten Euro-Serie ist noch bis zum 10. März im Archäologischen Museum Frankfurt zu sehen
    www.archaeologisches-museum.frankfurt.de