Heft 268 Februar 2013
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Alltagsfrage: Schnarchen

Warum schnarchen die Menschen?

Schlund ist Schuld


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Die einen gurgeln, die anderen schnaufen, wieder andere pfeifen oder scheinen des Nachts ganze Wälder abzuholzen. Einige dieser nächtlichen Geräusche lassen sich ignorieren oder mit Ohren­stöpseln dämpfen. Ansonsten gilt die Erkenntnis: Schnarchen ist Schlaf raubend. Nicht nur für denjenigen, der das nächtliche Konzert mit anhören muss, in besonders schweren Fällen des Schnarchens betrifft es den Konzertmeister selbst.

Nächtliche Nervensägen

»Schnarchen entsteht im Schlund, also oberhalb des Kehlkopfes in etwa auf Höhe der Zunge«, erklärt Roland Seiberth, Leiter des Schlaflabors des Katholischen Klinikums St. Hildegardis in Mainz. »Der Schlund besteht nur aus Muskeln und wenn man einschläft erschlaffen sie«. Dieses Erschlaffen kann dazu führen, dass der Kanal, durch den die Luft normalerweise in die Luftröhre gelangt, verengt wird: »Dadurch entsteht das Schnarch-Geräusch.« Begünstigt wird das Phänomen durch das Schlafen in Rückenlage, so Seiberth: »Liegt man auf dem Rücken, drückt das Gewicht der Zunge auf den Schlund. Das kann ebenfalls zu einer Verengung des Luftkanals und somit zum Schnarchen führen.«

Auch der Genuss von Alkohol kann aus einem sonst recht ruhig Schlafenden eine nächtliche Nervensäge machen: »Alkohol wirkt wie ein Schlafmittel, man schläft tiefer und die Muskeln im Schlund sind entspannter.« Auch wenn die fünfte Jahreszeit die Zahl der Schnarcher kurzfristig nach oben treiben sollte beschwichtigt Seiberth: »Normales Schnarchen ist kein Grund zur Sorge.«

Dieser besteht allerdings, wenn es sich um sogenanntes Schnarchen mit Pausen handelt: »Wenn das Schnarchen sehr unregelmäßig ist und mit Atempausen einher geht, die durch ein explosionsartiges Schnarch-Geräusch beendet werden, kann es sein, dass eine Schlaf-Apnoe vorliegt.« Bei dieser extremen Form des Schnarchens werden die Atempausen dadurch verursacht, dass der Schlund nicht nur verengt, sondern komplett geschlossen ist: Es kann also keine Luft mehr in die Luftröhre gelangen. »Der Körper merkt das natürlich und löst eine Weckreaktion aus. Man wacht kurz auf und zieht auf einmal viel Luft ein. Das löst dann diesen sehr lauten Schnarchton aus«, erklärt Seiberth.

An erholsamen Schlaf ist bei dieser Form des Schnarchens nicht zu denken: »Apnoe Patienten klagen oft über Müdigkeit und Konzentrationsschwächen. Auch wenn sie sich am nächsten Morgen nicht an die einzelnen Wachzustände erinnern können, erfahren sie selten die erholsame Tiefschlafphase.« Mehr noch: Ihr Körper steht nachts unter Dauerstress: »Durch die Weckreaktion des Körpers werden Stresshormone ausgeschüttet, die wiederum eine Erhöhung des Blutdrucks zur Folge haben.« Abhilfe können Westen schaffen, die das Schlafen auf dem Rücken unterbinden oder Atemmasken, die mittels Luftdruck eine Verengung des Schlundes verhindern.

Katrin Henrich