Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

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Straßen
Umbenennung, zum Zweiten:

Über die Köpfe der Anwohner hinweg?


Poppelreuterstraße DER MAINZER hatte in der Dezember-Ausgabe über die Umbenennung berichtet, allerdings lautet der neue Straßenname für die Poppelreuterstraße »Sommergarten« und nicht »Im Sonnengarten«.

Eine große Mehrheit der Anwohner sei gegen diese Umbenennung, schreibt uns ein Anwohner. Weder wüssten sie, wer den neuen Straßennamen ins Spiel gebracht habe, noch warum ausgerechnet dieser Name die Straße in der Mainzer Oberstadt künftig zieren soll.

Dass Poppelreuters NS-Vergangenheit nicht dazu taugt, eine Straße nach ihm zu benennen, sei auch den Kritikern der Umbenennung klar. Verpasst worden sei aber der »akzeptable Zeitpunkt« für eine Umbenennung: In den 90ern habe es eine Aufklärungswelle zur Person Poppelreuter gegeben. Warum man dann erst 20 Jahre später den Straßennamen ändern wolle, erschließe sich den Anwohnern nicht.

In einer selbst organisierten Unterschriftensammlung hatten 14 von 23 Anwohnern gegen die Umbenennung votiert. Die städtische Zählung der Widersprüche, die nicht nach der Anzahl der Häuser erfolgt, sondern nach der Anzahl der Haushalte, ergab 17 Ablehnungen von 28 Haushalten.

In beiden Fällen eine klare Mehrheit gegen die Umbenennung. Die nutzt aber nichts.

Im Nachgang betrachtet habe das Ergebnis von vornherein festgestanden, die ganze sogenannte Anhörung sei eine Farce gewesen, ein wohl von der Gemeindeordnung vorgeschriebenes notwendiges Übel für Politik und Verwaltung, berichtet ein Anwohner am Telefon.

»In der entscheidenden Ortsbeirats-Sitzung wurde das Thema nicht öffentlich behandelt, in der Sitzung des Kulturausschusses wurden die Anwohner angehört, NACHDEM die Entscheidung für die Umbenennung gefallen war, über die entsprechende Entscheidung des Stadtrats wurden wir erst vier Wochen später schriftlich informiert und wenn wir jetzt (nach der Ablehnung der Widersprüche im Dezember, Anm.d. Red.) immer noch nicht Ruhe geben, d.h. weitere Widersprüche gegen den neuen Namen einlegen, wird der Stadtrechtsausschuss damit befasst und das kostet uns Geld.«

Damit dürfte der Protest gegen die Umbenennung zum Erliegen kommen, meint der Anwohner, die Angst vor unkalkulierbaren Kosten wirke abschreckend.

Spielten in der ursprünglichen Ablehnung der Umbenennung auch ökonomische Gründe eine Rolle, sind diese mittlerweile in den Hintergrund getreten. Laut Auskünften des Anwohners wolle die Stadt sowohl die Kosten für die erforderlichen Grundbuchänderungen übernehmen als auch für die Ausstellung neuer Ausweisdokumente. An den Anwohnern hängen bleiben die Benachrichtigungen wegen der Adressänderungen, neue Visitenkarten etc., mithin einiges an Laufereien und Kosten - vergleichbar einem Wohnungswechsel.

Viel größer aber sei der Ärger, wie die Stadt mit den Anwohnern umgesprungen ist, man zweifle an der Demokratie und Begriffe wie Transparenz und Bürgerbeteiligung entpuppten sich einmal mehr als leere Versprechungen.

SoS