Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

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Nullfünfer
Mainz 05-Präsident Harald Strutz ist zufrieden:

»Mainz 05 wird immer interessanter!«


Harald Strutz
Harald Strutz

Am 12.12.12 wurde es beschlossen, das Sicherheitskonzept »Sicheres Stadionerlebnis« der Deutschen Fußball Liga (DFL) für die Bundesligastadien in Deutschland. Zuvor gab es seitens der Fans viele Unmutsäußerungen - obwohl sich alle einig sind, dass gewaltbereite Störer nichts in den Stadien zu suchen haben. Harald Strutz, Präsident des 1. FSV Mainz 05 und einer der Vizepräsidenten des DFB und Vizepräsident des Ligaverbandes äußerte sich im MAINZER-Interview zum Sinn und Zweck des Konzepts und zu seinem »Lieblingsverein«.

Einerseits wird Fußball gerne als ein »Familienereignis« propagiert, andererseits wird immer wieder mit Pyrotechnik gezündelt. Können Eltern mit ihren Kindern noch angstfrei in ein deutsches Fußballstadion gehen?

Strutz: In jedes, insbesondere in Mainz. Zuerst muss festgehalten werden, dass wir die modernsten und sichersten Stadien in ganz Europa haben und die Diskussion um die Sicherheit nicht die tatsächliche Gefährdung im Stadion widerspiegelt. Hunderttausende gehen jedes Wochenende in die Stadien und aktuell sind nur ein verschwindend geringer Bruchteil davon Störenfriede.

Die Medien geben durch ihre teilweise stark dramatisierende Berichterstattung genau diesen gewaltbereiten Störern eine Plattform, sich bundesweit in Szene setzen zu dürfen. Bei manchen der in den Medien präsenten Fanvertretern geht es auch nicht allein um die Sache, sondern um Konfrontation - sie fordern die Vereine und die Politik zu Kompromissen auf, zeigen sich selbst aber kaum kompromissbereit in ihren Forderungen. In Teilen wird diese Debatte auch von der Politik mit überzogenen Forderungen zusätzlich befeuert und das Thema Gewalt dramatischer dargestellt, als es in der Realität ist. Ganz deutlich muss man sagen, dass wir in Mainz ein absolut friedliches Umfeld haben und uns diese Diskussion in weiten Teilen auch gar nicht trifft.

Das »neue Sicherheitskonzept« soll zur nächsten Saison zur Anwendung kommen. Was halten Sie davon?

Strutz: Das Sicherheitskonzept ist die Reaktion des Ligaverbandes auf die Diskussion zum Thema »sicheres Stadionerlebnis«. Die rücksichtslose Verwendung von verbotener Pyrotechnik, in Kauf genommene Verletzungen der Fans und der Aktiven auf dem Platz sowie gewalttätige Ausschreitungen zwischen den Fans haben die Politik und die Verbände gezwungen, ein deutliches Zeichen zu setzen. Wir Vereine haben indes versucht, die Forderungen mit dem wirklich Umsetzbaren und mit den reellen Zuständen im Stadion zu vereinen und auch die Fans einzubeziehen. Im Grunde ist das von uns verabschiedete Konzept nur eine Konkretisierung dessen, was vielerorts bereits stattfindet.

Welche Maßnahmen werden konkret zur Anwendung kommen?

Fan-Choreografie Strutz: Die Maßnahmen werden für diejenigen, die einfach nur ihre Mannschaft friedlich bei einem Fußballspiel unterstützen wollen, kaum bis gar nicht spürbar sein. So wurde beispielsweise eine verbesserte Videoüberwachung festgelegt, der Ordnungsdienst soll noch besser geschult werden und auch ein verbesserter Austausch zwischen den Vereinen sowie die stärkere Einbeziehung der Fanbeauftragten stattfinden.

Bei so genannten Risikospielen können sich Vereine die Möglichkeit offenhalten, schärfere Personenkontrollen am Einlass durchzuführen. Wichtig war uns, dass hier der Fokus auf die Ermittlung von Einzeltätern gelegt wird und keine Kollektivstrafen auf alle Fans umgelegt werden, und das ist im Sicherheitskonzept verankert.

Wir gehen mit unseren Fans bereits seit Jahren den Weg des Dialogs, und so soll es auch bleiben. Nichts desto trotz gibt es ein paar Dinge, denen wir eine klare Absage erteilt haben: Rassismus, Gewalt, politischer Extremismus und Pyrotechnik haben im Stadion nichts zu suchen. Alle, die sich dort Verfehlungen leisten und diejenigen, die sie unterstützen, schaden dem Vertrauen, welches für den Dialog zwischen Vereinen und Fans die Basis ist, und auch dem ganzen Fußball in Deutschland enorm.

Muss Mainz 05 mehr Geld investieren, um dieses Sicherheitskonzept anzuwenden?

Strutz: Wir haben einen hauptamtlichen Sicherheitsbeauftragten, sowie zwei Fanbeauftragte und das Mainzer Fanprojekt, die allesamt intensiv und präventiv gegen Gewalt in und um das Stadion arbeiten. Diese Arbeit soll in Zu­kunft noch stärker intensiviert werden. Mehr Ordner brauchen wir nicht, unsere Zu­gangskontrollen sind jetzt schon sehr umfangreich. Insgesamt sind bis zu 400 Ordnungskräfte bei einem Heimspiel im Einsatz.

Herr Strutz, sind Sie zufrieden mit der finanziellen Entwicklung des Vereins?

Strutz: Wir haben in diesem Jahr einen Bilanzgewinn von 5,7 Millionen Euro nach Steuern erwirtschaftet. Hierbei muss man insbesondere die erstaunlichen Transfererträge wie beispielsweise die durch den Wechsel von André Schürrle zu Bayer 04 Leverkusen, die unser Manager Christian Heidel verbuchen konnte, erwähnen.

Dabei ist die Coface Arena für uns unheimlich wichtig, weil wir mit ihr in der Bundesliga konkurrenzfähig bleiben können. Aber auch für die Stadt und die Region ist das Stadion ein un­glaublicher Gewinn. Es trägt zu unserem positiven Image als Fußball- und Wirtschaftsstandort immens bei. Zudem machen die Erlöse aus den vielen Veranstaltungen, die außerhalb der Spieltage in den Räumlichkeiten unseres neuen Stadions stattfinden, Hoffnung.

Tabellenplatz 6 als Ergebnis der Hinrunde - sind Sie zufrieden mit den sportlichen Leistungen der Mannschaft von Thomas Tuchel?

Strutz: Die Entwicklung ist absolut positiv. Wir hatten ein schweres Auftaktprogramm, doch nach etwas holprigem Start haben die Jungs bewiesen, dass sie eine große Leistungsfähigkeit und Leidenschaft besitzen. Sie haben viele sehr gute Spiele absolviert, und auch bei Niederlagen hat sich die Mannschaft gut verkauft - viele Ergebnisse sind auch äußerst unglücklich für uns gefallen. Man sieht, dass das Team die Spielweise von Thomas Tuchel richtig verinnerlicht hat. Ich bin mir sicher, dass wir auch 2013 viele tolle Spiele von uns sehen und Siege bejubeln werden.

Wenn die Nullfünfer gegen eine der Mannschaften auf den ersten Tabellenplätzen gewinnen, heißt es in der Berichterstattung meistens, die vermeintliche Top-Mannschaft habe einfach nur einen schlechten Tag gehabt. Warum ist das so?

Strutz: Tatsächlich passiert uns das oft, wenn wir als vermeintlich schwächerer Gegner gegen die Platzhirsche gewinnen. Diese negative Sichtweise, die unser eigenes Leistungsvermögen außer Acht lässt, ärgert mich schon manchmal. Zumal die gegnerischen Trainer unsere Leistung auch immer anerkennen und würdigen. Aber wir sind ja auch dabei, uns in der Bundesliga zu etablieren und da wird sich mit Sicherheit mit der Zeit auch die Wahrnehmung von Mainz 05 in diese Richtung positiv verändern.

Die Nullfünfer waren schon immer ein »Ausbildungsverein«, haben klasse Fußballer herangezogen und sie dann abgeben müssen. Warum?

Strutz: Wir können uns teure Spieler nicht leisten, also haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und bilden sie selbst aus. Unser Trainer Thomas Tuchel legt besonderen Wert auf eine hohe Durch­lässigkeit zwischen Nachwuchsleistungszentrum und Profimannschaft. Wenn Talente irgendwann entsprechend viel Geld von größeren Vereinen angeboten bekommen, können wir nicht mit­halten, da ist es ganz natürlich, dass sie irgendwann zu anderen Clubs gehen.

Doch auch Mainz 05 wird immer interessanter, besonders für junge Perspektivspieler mit großem Talent, die sehen, dass sie hier die Chance haben, den nächsten Schritt zu machen und sich bei einem Verein zu entwickeln, der mit großer Leidenschaft und großen Emotionen, der positiven Verrücktheit unserer Fans sowie einem familiären Umfeld punkten kann.

Herr Strutz, vielen Dank für das Gespäch.

SoS