Der Mainzer - Die Stadtillustrierte

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Mogunzius

Mogunzius, Stadtschreiber DES MAINZERs

Spannende Weichenstellungen für und in Mainz


Das sind doch Aussichten auf das neue Jahr. Der Oberbürgermeister verspricht schon mitten im Winter, dass die Brunnen der Stadt ab dem Frühling wieder sprudeln und nicht erneut aus Spargründen abgestellt bleiben. Doch dieses anscheinend lapidare Beispiel zeigt, wie bürgernah Michael Ebling als Stadtoberhaupt ist. Er hat schnell registriert, dass diese Hauruckaktion seiner Umweltdezernentin in der Bevölkerung nicht ankam und die Mainzer auf die Wasserspiele in der Innenstadt größten Wert legen.

Ohne Frage ist der neue OB ein Gewinn für die Stadt. Seine Vitalität und klare Rhetorik kommen an und sind auch eine Belebung für das politische Mainz, das zuvor jahrelang in Mehltau gehüllt zu sein schien. OB Ebling hat auch - dies ist sein unbestrittenes Verdienst - dem Amt wieder die Autorität verliehen, die dem Chefsessel eines Rathauses einer Landeshauptstadt auch gebührt. Das sorgt für Selbstbewusstsein des Mombachers in seinem ersten Amtsjahr.

Gebrauchen kann er genau diese Ausgangssituation nur zu gut. Denn große Herausforderungen erwarten Rathaus und Verwaltung im Jahr 2013. Zentrale Entscheidungen, die das Bild von Mainz über Jahrzehnte prägen werden, stehen an. Etwa über die Neugestaltung der Ludwigsstraße mit dem Bau des ECE-Einkaufszentrums muss entschieden werden, bevor der Investor - wie schon einmal geschehen - die Flinte ins Korn wirft und Mainz zur Diaspora in Sachen Einkaufsstadt macht. Das ist mit Diskussionen verbunden, die der Politik wie auch Gegnern und Befürwortern der ECE-Pläne viel Kompromissbereitschaft abringen werden. Was auch für die kontrovers diskutierte Rathaussanierung gilt. Feder

Still ruht der See zur Energieversorgung der Stadt. Alle reden vom Gaskraftwerk, nur scheitern die hehren Pläne an der Wirtschaftlichkeit eines solchen Projekts. Was heißt: In der langfristigen Energieversorgung tritt Mainz auf der Stelle.

Einen letzten Versuch unternimmt die Stadt in der Malakoff-Passage. Hier wurde ein neues Konzept erarbeitet, um die Ladenpassage zu beleben. Konkret geschieht dies mit einem Lebensmittelmarkt und am Standort des früheren Fitnessclubs wird wieder ein Sportcenter eröffnen. Und: Ein Main­zer Musikclub denkt auch über ein Projekt in der Passage nach - ein letzter Versuch, der die Publikumsresonanz hoffentlich erhöht.

Ob sich die Stadt 2013 auch an andere Veränderungen herantraut, bleibt abzuwarten. So sind die Parkgebühren definitiv zu hoch. Das Weihnachtsgeschäft, das für viele Einzelhändler nicht die positiven Ergebnisse der Vorjahre gebracht hat, war auch von diesem Thema geprägt. Wem das Parken in Mainz zu teuer ist, der kauft eben anderswo ein. Zumal das Mainzer Ordnungsamt entdeckt hat, wie viel Geld man mit Knollen für Falschparker verdienen kann. Hier glänzt die Behörde ebenso mit Aktionismus wie bei Radarkontrollen in der Innenstadt, die mittlerweile unter städtischer Regie laufen und daher als willkommene Einnahmequelle für das Rathaus gesehen werden. Doch auch hier gilt der Grundsatz: Weniger ist manchmal mehr.

An den Mangel attraktiver Wohnungen mag man sich in den letzten Jahren zähneknirschend gewöhnt haben. Doch hier könnte Mainz im neuen Jahr der große Wurf gelingen, wenn der Zoll- und Binnenhafen bebaut wird. Ein ungemein spannendes Projekt, das im Kontext mit der Winterhafen-Bebauung die Mainzer zurück an den Rhein bringt. Und die Uferpromenade unter Garantie beleben wird. Auch dieses Bauprojekt wird das Gesicht von Mainz nachhaltig verändern und prägen. Gerade deshalb ist hier architektonische Sensibilität gefragt.

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