Heft 267 Dezember 2012
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Sternengucker

Mit dem Spiegelteleskop den Sternen hinterher

Fulminante Himmelsschau


Hobbyastronomen Jörg Schuster Dr. Bernhard Schröck
Jörg Schuster (links) und Dr. Bernhard Schröck sind nicht nur begeisterte Hobbyastronomen, sondern geben ihr Wissen auch in Vorträgen weiter.

Ihr Durchmesser: 1,4 Millionen Kilometer, die minimale Entfernung von der Erde: 150 Millionen Kilometer. Die Sonne, ein Stern, bildet das Zentrum unseres Systems im Universum, das aus acht Planeten, fünf Zwergplaneten, 168 Monden in Umlaufbahnen um die Planten, mehreren hundert Kometen, über 500.000 Asteroiden und Kleinkörpern besteht.

Ohne Zweifel - es ist eine Menge los am Himmel, und das sollte man sich gelegentlich im wahrsten Sinne des Wortes vor Augen führen. Dafür reicht entweder ein Blick ins Astronomiebuch oder, und wesentlich spannender, durch das Teleskop.

Diese Möglichkeit bietet die Paul-Baumann-Sternwarte in Klein-Winternheim. Benannt nach dem Vereinsgründer wurde sie 1986 als Außensternwarte der Astronomischen Arbeitsgemeinschaft der Sternfreunde Mainz und Umgebung (AAG Mainz e.V.) errichtet. Ein Spiegelteleskop mit auswechselbaren Okularen verschiedener Brennweiten, Lupen, die das Bild unterschiedlich vergrößern, holen die Himmelskörper nah an den Beobachter heran.

Viele Himmelsobjekte vor Augen


»Mit dem Teleskop können wir den Mond betrachten, seine Krater, Berge und Täler. Außerdem Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun, die sich um die Sonne bewegen. Von ihr angestrahlt, reflektieren alle Planeten lediglich das Licht«, sagt Sternwartenleiter Jörg Schuster. Dadurch sehen sie so aus, als ob sie selber leuchten würden.

Auch am Nachthimmel bieten die Sterne ein außergewöhnliches Schauspiel: Zwischen vier und 100 000 Lichtjahre von der Erde entfernt stehen sie scheinbar nebeneinander, obwohl sie sich tatsächlich eng hintereinander befinden, zudem leuchten sie unterschiedlich hell in Weiß, Orange, Rot oder Blau.

Die Farben geben Auskunft über die Temperatur, die auf der Oberfläche der Gaskugel herrscht, wie ein Stern in Fachkreisen heißt - die Sonne ist ein gelber mit 5 500 bis 6 000 Grad Celsius. Im Übrigen, erklärt Schuster, seien Sterne auch nur Lichtpunkte ohne die so bekannten Strahlen, denn die würden lediglich bei der Aufnahme mit einer Kamera entstehen.

Weitere besondere Himmelsobjekte seien die 110 aufgeführten der Liste des französischen Astronomen Charles Messier, zu denen Sternenhaufen, Nebel und Galaxien gehörten, ergänzt der zweite Vereinsvorsitzende Dr. Bernhard Schröck begeistert. »Man kann so vieles beobachten, was sich am Himmel tut, wie der Mond an einem Stern vorbeiwandert und die Veränderungen von Nacht zu Nacht.«

Jörg Schuster faszinieren vor allem die präzisen Vorhersagen astronomischer Ereignisse etwa einer Sonnenfinsternis, die dann auch entsprechend einträfen. Regelmäßig vermitteln die beiden engagierten Hobbyastronomen und die anderen Vereinsmitglieder ihr Wissen über Sonnensysteme und Gestirne in Beobachtungsabenden und Vorträgen wie im Mainzer Naturhistorischen Museum (NHM) und bis Ende letzten Jahres auch in der Volkssternwarte der Anne-Frank-Schule. Wegen einer Brandschutzauflage, die zwingend einen zweiten Fluchtweg vorsieht, wurde die Warte nach 49 Jahren geschlossen.

Anderer Standort wegen »Lichtverschmutzung«?


Andromeda-Galaxie
Die Andromeda-Galaxie ähnelt dem Milchstraßensystem.

Dort hätten sie sogar einen Vortragsraum mit einem künstlichen, plastisch anschaulichen Sternenhimmel gehabt, bemerkt Schröck, und Schuster erzählt weiter: »Unser Verein war Betreiber des Teleskops, das der Volkshochschule gehört und sich immer noch in der Turmkuppel der Schule befindet. Unsere Abende und Vorträge haben wir ehrenamtlich organisiert.«

Jährlich wären 3.000 Besucher gekommen, jetzt läge »die Sache auf Eis« und zudem sei das geplante Planetarium im NHM aus finanziellen Gründen gestrichen worden.

Aber auch die Position der Paul-Baumann-Sternwarte ist nicht mehr sicher. Weil die Sichtbedingungen in der Mainzer Innenstadt nicht ideal für Deep-Sky-Beobachtungen sind, errichtete der Verein diese damals auf dem Feld in Klein-Winterheim. Nun erhellt die Außenbeleuchtung eines Unternehmens im Gewerbegebiet Hechtsheim die ganze Nacht den Himmel und lässt weniger Sterne erkennen.

Diese sogenannte Lichtverschmutzung könne laut Schuster mit der Ansiedlung weiterer Firmen zunehmen. Man denke daran, über kurz oder lang wegzuziehen: »Wir schauen uns schon nach einem neuen Sternwartenort in der Verbandsgemeinde um.«

Was auch immer auf dem Planeten Erde passiert - das Jahr zumindest geht mit einer fulminanten Himmelsschau zu Ende, verspricht Schröck: Im Dezember ist der Jupiter sehr deutlich zu sehen, nachts am besten der Saturn, früh morgens die Venus und die Geminiden, Sternschnuppen, werden um den 13. und 14. dieses Monats aus dem Sternbild Zwillinge heraus in Strömen das Firmament überziehen. Und beim Anblick dieser darf man sich dem Volksglauben nach etwas wünschen.

KH

Infos:
Termin im Naturkundemuseum Mainz (NHM)
18.12. um 18.30 Uhr
Bruno Deiss spricht über den Antikythera-Mechanismus. Das Fundstück aus der Antike diente als Modell für die Anzeige der Bewegung von Sonne und Mond.

Mehr Informationen
zu den kostenlosen Beobachtungsabenden und Vorträgen des AAG Mainz e.V.: www.astronomie-mainz.de