Heft 266 November 2012
Werbung




Mogunzius

Mogunzius, Stadtschreiber DES MAINZERs

Der Kampf um jeden Einkaufskunden ist entbrannt


Alle reden in Mainz vom Einkaufen. Gut so. Wer konsumiert, tut sich selbst oder seinen Liebsten etwas Gutes und lässt obendrein noch den Handel jubilieren. Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies momentan im Hechtsheimer Gewerbegebiet, wo man tagtäglich spürt, dass die Landeshauptstadt in Sachen Möbelhäuser lange Zeit Diaspora war.

Jetzt hat ein Familienunternehmen mit gutem Plan und noch mehr Elan sein viele Jahre angekündigtes Projekt realisiert und schon kommen die Kundenströme. Aus Wiesbaden, von der Nahe, aus dem Frankfurter Raum und schließlich ganz Rheinhessen. Dass eine eigene Truppe rund um das neue weiß-rote Möbelhaus den Verkehr regeln muss, sagt eigentlich alles. Die unterschiedlichsten Käuferschichten schienen nach unterschiedlichsten Dingen förmlich zu lechzen, die es bisher in Mainz kaum gab - von der Schrankwand bis zum Designerteppich, vom Küchenaccessoire bis zum Bademöbel. Feder

Der Paradestart gibt auch zu denken, was von hier aus noch geplant wird. Eine erste einkaufslange Samstagnacht, die es auf 25.000 Besucher brachte, ist ein klares Zeichen. Hier rüstet ein Möbelriese auf, der Erfahrung und Hunger zugleich hat. Mit dem positiven Nebeneffekt, dass die Tagespresse seit Wochen vor Möbelprospekten überzuquellen scheint, weil auch ein Möbelhaus in Weiterstadt plötzlich ernsthafte Konkurrenz wittert. Die Situation bleibt auch deshalb spannend, weil der neue Star am Mainzer Möbelhimmel noch eine Kaufoption von mehreren zehntausend Hektar in Hechtsheim besitzt. Das könnte man als Kampfansage oder Motivation dafür verstehen, dass die Innenstadt keineswegs tatenlos zusehen darf.

Vielleicht gibt es auch Gespräche mit Kompromissformeln, in denen die Defizite der Einkaufsstadt Mainz einmal von der Werbegemeinschaft und dem City-Management gleichermaßen analysiert werden. Wie so oft hilft nämlich schon eine kleine Stärke-Schwäche-Gegenüberstellung: Und da wird man schnell herausfinden, dass Mainz etwa im Sportequipment schwach auf der Brust ist. Oder bei edlerer Haute Couture, wenn es ein aktuell designeter Smoking oder das ausgefallenere Abendkleid sein darf. Hier müssen die Mainzer Einkaufskunden weite Strecken auf sich nehmen, um ihre Wünsche erfüllen zu können. Gerade vor dem Hintergrund des immer erfolgreicheren Internetshoppings, das sich in dem Großprojekt eines Marktführers in Koblenz besonders eindrucksvoll zeigt, muss auch Mainz mit innovativen Ideen dagegen halten. In der Innenstadt wie auch auf der grünen Wiese. Denn am Ende zählt nur Standort als Ganzes!

Ein Buch mit noch vielen Unbekannten bleibt die ECE-Bebauung an der Ludwigsstraße. Sinnvoll wäre statt der ständigen Demonstrationen, was warum an dieser und jener Stelle garantiert nicht gehen kann, vielleicht auch einmal ein Bürgerbekenntnis zur neuen und moderneren "Lu". Auffallend ist die Engelsgeduld des Investors, der in vielen Städten bereits neue Einkaufszentren geschaffen hat. Nach aktuellen Schätzungen rechnet man erst Anfang 2016 mit einer Fertigstellung des neuen Einkaufstempels. Gestützt wird diese Ruhe von einem langfristigen und offensichtlich auch vertraglich gutdotierten Vertrag mit dem Mieter Karstadt. Und der holt aus dem Flair »Einkaufen wie zu Ende der 50er« das Beste heraus. Es ginge aber deutlich mehr, was dem Renommee einer Landeshauptstadt deutlich gerechter würde. Warten wir also ab, wie mutig der Stadtrat mit den ECE-Plänen in der politischen Willensbildung umgeht. Klar ist aber auch bei aller Euphorie um eine Aufwertung in greifbarer Nähe: Rund um die Ludwigsstraße wird es einige Zeit eine Großbaustelle geben, die die Mainzer akzeptieren müssen. Diese Kröte müssen alle schlucken, die eine moderne Einkaufsstadt wollen.

Mogunzius