Heft 266 November 2012
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Mainzer Köpfe

Nicht nur als Clown-Professorin

Der Freude den Weg ebnen


Gudula Steiner-Junker
Gudula Steiner-Junker

Lachen ist gesund. Eine uralte Weisheit. Schon lange wissenschaftlich nachgewiesen. Lachen kann auch beitragen, gesund zu werden. Das erleben Kinder in der Mainzer Uniklinik seit 14 Jahren, wenn Künstler als »Clownärzte« sie besuchen. Nun sind sogar Clown-Professoren unterwegs und besuchen Erwachsene. Gudula Steiner-Junker hat auch diesen Stein ins Rollen gebracht.

Sie zählte zu den Mitbegründern der Clown-Doktoren, nun hat sie sich »hahabilitiert«: aus Dr. Südwind wurde Professor Dr. Südwind. Gudula Steiner-Junker nennt sich so, wenn sie in der Mainzer Uniklinik an die Türen von Patienten klopft - natürlich in Absprache mit dem Klinikpersonal und nur nach eindeutiger Aufforderung durch die Patienten.

»Viele fühlen sich im Klinikalltag machtlos, weil sie wenig selbst bestimmen können, mit meiner Arbeit gebe ich ihnen ein Stück Macht und Vertrauen in den Prozess des Lebens zurück.« Es ist eine der Kernideen der »Therapie« der Clown-Professorin, die keine Therapeutin ist und sein will: »Ich bin Künstlerin und agiere mit den Mitteln der Kunst.«

Gudula Steiner-Junker bietet zudem Aus- und Weiterbildungen für Menschen in heilenden und helfenden Berufen an. Für die Finanzierung der Arbeit als Clown-Professorin ist sie auf Sponsoren und Spenden angewiesen.

Humor als Grundlage


Auch der Lachclub Wiesbaden-Mainz geht auf das Konto von Gudula Steiner-Junker - sie hat ihn 1998 ins Rollen gebracht, trifft sich in der Regel einmal in der Woche mit Menschen, um ge­meinsam zu lachen. In den Sommermonaten auf der Rheinwiese in Kastel - was manchen Spaziergänger schon in verwundertes Lachen ausbrechen ließ. Lachclubs gibt es seither viele in Deutschland, Lachyoga und Lachbewegung finden überall ihre Anhänger.

»Meine Sicht auf die Welt ist schon sehr humorvoll, mir fallen Dinge auf, die andere eher nicht so bemerken, meine Wahrnehmung ist weniger geprägt durch das was ich weiß, als vielmehr durch die Neugier auf das Unbekannte, das was ich noch nicht weiß, das setzt viel Kreativität frei.«

Gudula Steiner-Junker kennt die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Humor, sie nahm an den ersten Humorkongressen in Basel, die sich seit 1996 und längst nicht mehr nur in der Schweiz dem Thema »Humor in der Therapie« widmen, teil. »Die Wissenschaft ist manchmal trocken, der Humor ist feucht«, beschreibt sie deren Verhältnis.

Aufgewachsen ist Gudula Steiner-Junker in Süddeutschland und Frankreich, nach dem Abitur studierte sie in Mainz Kunstpädagogik. Die Auseinandersetzung mit der Kunst ermögliche es, sich selbst kennenzulernen, sich mit sich auseinandersetzen. Anders als ähnlich gelagerte philosophische Auseinandersetzungen spiele in der Kunst das handwerkliche eine große Rolle.

Nach dem Examen, so sagt sie, habe für sie die Zeit des Lernens erst richtig angefangen. Bis 1994 arbeitete sie als Kunsterzieherin an einem privaten Gymnasium, doch sie wollte anderes arbeiten und machen.

Den Weiterbildungen für »Körper, Geist und Seele«, wie Feldenkrais, Eutonie etc., steht eine lange Liste der künstlerischen Weiterbildungen zur Seite: Bewegung und Pantomime, Improvisation und Clownerie, Puppenspiel und Figurentheater, Straßent­heater- und malerei und einiges mehr: »Ich bringe die Kunst in die Welt und an Orte, an denen sie hochwirksam ist.«

Dieses Instrumentarium für die Arbeit als »Clownin im Gesundheitsbereich« ist umfangreich, hochprofessionell und kommt, so schildert es Gudula Steiner-Junker, auf »leichte, spielerische Weise zum Einsatz.« Manchmal spiele Susi, der - zwar lebendige, aber nicht lebende - Hund »über den alle lachen müssen«, eine Art Türöffner. Meist sei der gar nicht nötig, allein die riesige Wertschätzung, die sie den Menschen entgegenbringe, öffne deren Herzen. »Ich erkunde, woran hat dieser Mensch Spaß, denn mein Ziel ist es der Freude den Weg zu öffnen.« Ein genauer Ablaufplan im Sinn eines festgelegten Programms sei dafür eher hinderlich, es funktioniert intuitiv - immer vor dem Hin­tergrund ihres vielfältigen humoresken und künstlerischen Wissens.

Leben als kunst


Lebensfreude geben, Mut und Kraft als Gegengewicht zu all dem Negativen, Schwierigen was Menschen zu bewältigen haben - es gehe nicht um Verdrängung, um Ausblenden. Im Gegenteil, es gehe um das Annehmen von Belastungen, die durch die Konzentration auf das Jetzt und Hier erträglicher werden und die positive Lebensenergie in Balance zur negativen bringt.

Die Frage, ob es außer Kunst noch etwas anderes gebe in ihrem Leben, scheint sie zu verwundern, denn eine Trennung von Kunst und Leben hält sie für unnatürlich und künstlich, auch gutes Essen und Spazierengehen und das Zu­sammensein mit Freunden und der Familie sei für sie Lebens-Kunst.

Ihre Arbeit als Clown-Professorin,Lachsession-Leiterin, Performerin, Malerin,Buchautorin, Seminarleiterin sei herausfordernd, kreativ, glücksbringend und farbenfroh. »Freude kann man nur im Augenblick erleben, der Weg zur Gesundheit, zum Glücklichsein liegt im Dasein, im sich Konzentrieren auf das, was ist, miteinander auf humorvoll-heiter spielerische Art und Weise umgehen und Verbundenheit und Sinn erfahren in der Liebe zum Leben, darum geht es mir in meiner Kunst und in meinem Leben.«

SoS