Heft 266 November 2012
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Baden gehen

Besonderes Angebot im Mombacher Schwimmbad

Badetag nur für Frauen


baden

Das Schild an der Tür ist eindeutig: Am Sonntag sind im Hallenbad des Mainzer Schwimmvereins in Mombach von 14 bis 18 Uhr ausschließlich Frauen zugelassen. Manche von ihnen, die es nutzen, ungestört von männlichen Augen zu baden, tragen vor dem Eingang Kopftuch, andere keines. Ich möchte wissen, aus welchen Gründen Frauen und Mädchen zu dieser Sonderveranstaltung kommen und mische mich unter sie.

In der Schwimmhalle ist die Fensterfront zum Außengelände und zum Kantinenbereich ab dem unteren Drittel mit dunklen Stoffen verhängt. Zum Schutz der Frauen, die sich in Bikini, Badeanzug oder kurzem Schwimmkleid im Wasser tummeln und am Beckenrand sitzen. Nur wenige schwimmen, die meisten stehen im Kreis zusammen und plaudern, Kinder planschen im kleinen Becken daneben, die Atmosphäre ist ausgelassen.

»Nicht alle älteren Besucherinnen können schwimmen, vielleicht nur die Hälfte«, bemerkt Rettungsschwimmerin Swenja, die mit ihrer Kollegin Paula Aufsicht führt. Beide mussten aus diesem Grund schon ein paar Mal ins Wasser springen. Die Mädchen hingegen könnten schon eher schwimmen, meint Paula, weil sie das wahrscheinlich in der Schule gelernt hätten.

Ansonsten sei die Dienstzeit beim Frauenschwimmen angenehm, sind sich die beiden Studentinnen einig, obwohl durchschnittlich 130 Besucherinnen und etwa noch einmal die Hälfte an Kindern kämen.

Zu ihnen gehört auch die Afghanin Akbari, ihre erwachsene Tochter und zehn Frauen der Familie. Manchmal kämen noch Freundinnen mit, dann seien sie fast 20 Personen, erzählt die 65-Jährige und lächelt. Ihre Begeisterung für die Einrichtung des Frauentages ist nicht zu übersehen: »Ich bin sehr froh, dass es diesen Nachmittag gibt, denn es war immer mein Traum gewesen, schwimmen zu können. Vor fünf Jahren habe ich es endlich hier beim Frauenschwimmen gelernt. In Afghanistan war mir das nicht möglich.« Seit 20 Jahren ist sie in Deutschland, allerdings wolle sie nicht unter Männern baden gehen, und deutet nur an, es hätte mit ihrem Glauben zu tun.

Zum Wohlfühlen


Von zwei anderen Frauen erfahre ich, dass die beiden Deutschen aus Bad Kreuznach aufgrund ihrer Heirat mit arabischen Männern zum Islam konvertierten. Eine von ihnen trägt das Kopftuch im Alltag, ansonsten aber »normale Kleidung«, wie sie sagt. Seit zwei Monaten kämen sie jeden Sonntag ins Bad, denn das Becken für die Kinder sei nicht so überfüllt wie in anderen Hallenbädern und sie wollten sich an die Vorschriften des Korans halten, nicht mit Männern zu schwimmen.

Auch die Marokkanerin Khadija, die in ihrem Heimatland bereits mit sechs Jahren schwimmen lernte, genießt mit ihrer dreijährigen Tochter den männerfreien Badetag: »Hier kann ich endlich mal alleine etwas für mich ma­chen, und bin gleichzeitig unter Frauen, zu denen man schnell Kontakt kriegt. Das ist schön.«

Mitten im Gespräch taucht eine Afghanin neben mir auf. Sie flüstert fast, als sie mir erzählt, dass sie im Sommer auch draußen schwimmt, sich also unter Männer begebe, obwohl sie Muslimin sei. Sie gehe dann mit ihrem 14-jährigen Sohn, der ist zu alt für das Frauenschwimmen, zu dem Kinder nur bis zu 6 Jahren mitgebracht werden können. Und dann schwimmt sie davon.

Dafür kommt Ida, eine Deutsche mit marokkanischen Wurzeln auf mich zu, und schwärmt von der »geschützten Atmosphäre« im Hallenbad ohne das andere Geschlecht, in der sie sich so wohl fühle. Sie wünscht sich, dass es eine Geschlechtertrennung eben­so in ihrem Yoga-Kurs gäbe, der zu ihrem Bedauern gemischt sei.

Das Projekt Frauenschwimmen entwickelte der Mainzer Schwimmverein im Jahr 2006, nachdem er von der Stadtverwaltung das Bad übernommen hatte und seitdem leitet. »Bis dahin hatte es nur Sonntags morgens geöffnet, nachmittags war immer geschlossen«, erklärt Geschäftsführer Torsten Traxel. »Wir haben uns dann überlegt, was wir mit diesem halben Tag machen könnten.«

Die Idee für die Sonderveranstaltung war geboren. Zwar gab es später für kurze Zeit den Gedanken, diesen Frauentag zu streichen, weil die Verschmutzungen zu groß geworden waren, aber das Problem habe sich längst gelöst, so Traxel. Die Rettungsschwimmerinnen und ein Schichtleiter, die abends alles reinigen, hätten inzwischen viel weniger zu säubern. Darüber hinaus gebe es aus Hygienegründen feste Regelungen für die Badebekleidung, die nicht arm- oder knielang sein oder aus saugendem Material bestehen darf.

Schwimmunterricht


Dass die Sonderveranstaltung am häufigsten von Frauen muslimischen Glaubens besucht wird, findet Torsten Traxel nicht erstaunlich, betont jedoch, dass der Tag für alle Frauen offen ist.

Der Verein plant für die Zukunft wieder Schwimmunterricht während der Sonderveranstaltung einzuführen. Pro Kurs können acht Frauen teilnehmen. Eine Anmeldung ist erforderlich.

KH

Infos:
www.schwimmbad-mainz.de

Übrigens
Freitags von 21.30 bis 23 Uhr können auch Männer alleine baden gehen.

Und:
Bei der Preisverleihung um die »Sterne des Sports 2012« wurde der Mainzer Schwimm­verein mit dem 3. Platz ausgezeichnet.