Heft 265 Oktober 2012
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Mogunzius

Mogunzius, Stadtschreiber DES MAINZERs

Ein Großprojekt in der Warteschleife


Offensiv und forsch hat Mainz schon vor Jahren in der Bayernmetropole München für die Bebauung des Zoll- und Binnenhafens geworben. Alles schien nur eine Frage von Zeit, bis die Bagger anrücken und städtebaulich auf diesem Areal neue Akzente gesetzt würden. Doch weit gefehlt: Vorangekommen ist das Großprojekt um keinen Millimeter, weil schlicht und ergreifend einfachste Fehler gemacht wurden. Vor zehn Jahren wurde zwar an einem opulenten Masterplan gefeilt und dieser auch präsentiert - doch ein alter Konflikt wurde - vielleicht wissentlich - ausgeklammert. Und zwar die Tatsache, wie ein Wohnareal mit einem angrenzenden Industriegebiet und dessen logischer Lärmintensität harmonieren können.

Klar ist: Die Firmen waren zuerst da und berufen sich auch deutlich auf diese Tatsache. Zumal es in Mainz ohnehin nicht mehr viele Gebiete dieser Art gibt und der Industriestandort sukzessive Einbußen hinnehmen musste. Seit Jahren weiß man im Rathaus um die Interessenskollision zwischen Wohnen und Industrie, doch getan hat sich nichts.

Feder Bis jetzt die betroffenen Firmen klar die Problematik thematisierten und damit vor allem die Mainzer Bauverwaltung in mächtige Schwulitäten brachten. Denn in dieser Behörde wurden bewusst oder unbewusst alle Ratschläge wie Gesprächsofferten der Unternehmen ausgeschlagen. So gibt es in Nordrhein-Westfalen Experten, die vielleicht eine Konfliktlösung parat hätten - zumal eine bauliche Annäherung zwischen Industriebetrieben und Wohngebieten keineswegs neu ist.

Hier drängt sich die Erkenntnis auf, die Stadt habe ihr Konzept durchpeitschen wollen und sei an Kompromissen überhaupt nicht interessiert. Was an der generellen Problemstellung aber nichts ändert: Die angesiedelten Firmen fürchten mit dem Bau eines Wohngebiets zumindest mittelfristig eine Prozesslawine auf sich zukommen. Und ähnliche Konflikte zeigten, dass am Ende die Anwohner am längeren Hebel sitzen und sukzessive die Unternehmen mit Klagen überhäufen, bis diese Firmen genervt den Standort wechseln. Beileibe kein neuer Dissens: Wie viele Aussiedler-Bauernhöfe mussten schon aufgeben, weil sie immer mehr von Wohnbebauung eingeschnürt wurden, was schließlich im Blick auf Lärm und Geruch Dutzende Gerichte beschäftigte. Mögen diese landwirtschaftlichen Betriebe nicht mit den in Mainz betroffenen Industriefirmen vergleichbar sein, so zeigen sie aber ganz prägnant den besagten Konflikt auf.

Und wie geht es weiter? Die mit hehren Worten für diesen Bereich der Neustadt avisierte städtebauliche Aufwertung hängt in der Warteschleife, die Stadtwerke als Eigentümerin des Gebiets müssen zähneknirschend einsehen, dass eine Vermarktung in den Sternen steht. Eine realistische Chance böte nur eine Überplanung mit einer Art Riegelbebauung, die mit einer Mischnutzung die geplanten Wohnungen im Blick auf Lärm abschottet. Ob dies überhaupt geht und auch ein städtebaulich ansehnlicher Entwurf sein könnte, wissen nur die Architekten.

Schließlich müssen auch die Stadtwerke dann mit spitzem Stift entscheiden, ob sich ein solcher Kompromiss rechnet. Wohnungen, das weiß man auch in der Chefetage der Stadtwerke, sind momentan gefragter denn je. Hiervon würde das städtische Unternehmen gerne profitieren, zumal mit dem zuletzt verkündeten endgültigen Aus des Kohlekraftwerks auch ein anderes finanziell lukratives Projekt endgültig in den Wind geschrieben wurde. Noch viele Gespräche sind zu führen, damit der Zukunft des Zoll- und Binnenhafens nicht das gleiche Schicksal droht.

Mogunzius