Heft 265 Oktober 2012
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Kneipe

Piano Bar

Schlaflose Nächte


Pianobar Wir betreten die Piano Bar an einem Samstag, nachts gegen halb eins und sehen erst einmal - kein Klavier. In dem kleinen Gewölbekeller unter dem Hotel Stadt Coblenz ist es um diese Uhrzeit auch ansonsten noch ziemlich leer. Nun gut, bei einer Bar, die jede Nacht von 22 Uhr bis Open End geöffnet hat, erwartet man um diese Uhrzeit noch nicht viele Gäste. Aber warum heißt es »Piano Bar«, wenn es kein Klavier gibt?

Vor gut einem Jahr hat der Langzeit-Geheimtipp unter den Nachtbars in Mainz den Besitzer gewechselt. Während der frühere Pächter Roman Steinwender nun in der Caponniere in die Tasten haut, begrüßt seit rund einem Jahr Bahram Gol die Gäste in der ehemaligen Klavier-Lounge. Das tut er buchstäblich - er steht an der Tür. Türsteher war er schon früher für andere Clubs, heute leistet er den Mitarbeitern seines eigenen Ladens draußen Gesellschaft.

An der Tür ist es still. Da der Eintritt nichts kostet und es keine Kleiderregeln gibt, gibt es auch wenig an den Gästen zu beanstanden, solange sie nicht schon zu betrunken sind. Außerdem sorgt eine Dreifachtür dafür, dass die Hotelgäste oben drüber ruhig schlafen können. »In so einem kleinen Laden ist es viel einfacher, dafür zu sorgen, dass es keinen Ärger gibt«, sagt Bahram Gol. »Man kommt ab und zu herein, guckt sich einmal um und kann sofort erkennen, ob alles in Ordnung ist.«

Aber, Herr Gol, wo ist das Klavier? »Wir haben zwar das Konzept der Bar geändert, aber den alten Namen beibehalten, weil die Piano Bar einfach zum Mainzer Nachtleben gehört.«

Schnell ins Gespräch kommen


Der Keller wird beschallt mit Dance Music und R'n'B, und gegen zwei Uhr wird es langsam voll. Die ersten sind vom Wippen im Sitzen zu Tanzen übergegangen. Und je später die Nacht, desto interessanter die Gäste. Ein weiblicher Gast erzählt von einer heißen Romanze mit einem US-Sky-Marshall vor einigen Wochen an der Bar, eine andere von einem tiefgehenden Gespräch mit einer Ex-Prostituierten.

Noch etwas also scheint die neue Piano Bar von der alten übernommen zu haben: Hier mischen sich die Gäste. Studenten und Arbeiter, Kellner nach Feierabend und Mediengestalter, Ältere und Jüngere, wenn die Nacht angebrochen ist, sind sie alle gleich. Sie wollen tanzen und auch ein bisschen flirten. So wie Miro. Er arbeitet in einer Pizzeria und kommt öfters mit einem Kollegen nach der Arbeit. »Hier sind alle freundlich und guter Laune, man kommt schnell ins Gespräch«, erklärt er und wendet sich wieder der attraktiven Brünetten zu, die er gerade spontan auf einen Sekt eingeladen hat. Die Nachtschwärmer scheinen das Klavier gar nicht zu vermissen.

www.pianobar-mainz.de

Alice Gundlach