Heft 265 Oktober 2012
Werbung




m Trend

Nicht nur eine Geschmackssache

Dampfer auf dem Vormarsch


Verdampfer

»Ich hab gelesen, da ist schon mal eine explodiert!«, »Davon kann man Krebs kriegen«, »Sieht irgendwie tuntig aus« - Dampfer von E-Zigaretten haben mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Ist ja auch kein Wunder, immerhin geht es um das Lieblings-Buh-Thema der Deutschen: das Rauchen. In unzähligen Zeitungsartikeln wird gegen die elektronische Zigarette gewettert, die Gesundheitsministerin von Nordrhein-Westfalen, Barbara Steffens, wollte sie als illegal verbieten lassen und das Bundesinstitut für Risikobewertung hat Angst um die »Passiv-Dampfer«.

Was aber bedeutet »Dampfen« und wie funktioniert eine elektrische Zigarette? Der gravierendste Unterschied zur altherkömmlichen Art der Nikotinbeschaffung liegt schon im Namen verborgen. Menschen, die die E-Zigarette nutzen, nennen sich nämlich nicht Raucher, sondern Dampfer. Denn: Wo kein Feuer auch kein Rauch. In der E-Zigarette werden sogenannte »Liquids« verdampft - es findet also keine Verbrennung statt. Was für die normale Zigarette der Tabak, ist für die E-Zigarette das Liquid. Diese Substanz besteht aus mindestens drei Inhaltsstoffen: Wasser, Aroma und dem Trägerstoff - entweder Propylenglycol (PG) und / oder Vegetable Glycerin (VG).

Diese beiden chemischen Substanzen sorgen dafür, dass es ordentlich dampft und sind in Deutschland beide als Lebensmittelzusätze zugelassen. Man findet sie in Bodylotions und Arzneimitteln wie Asthmasprays, Mikrochips, Nebelmaschinen. Und eben auch in Frostschutzmitteln oder Schmierstoffen - wie in vielen der Zeitungsartikeln propagiert. Das bedeutet, dass wir so­wieso jeden Tag damit zu tun haben. Für die, die es brauchen, kommt dann noch Nikotin dazu - in Deutschland maximal 20 Milligramm pro Milliliter.

Abwägen ist angesagt

Verdampfer
Wer mag, macht eine kleine Wissenschaft daraus: Welcher Verdampfer passt zum Dampfer?
Bislang ungeklärt ist, was passiert wenn man jeden Tag etwas davon dampft - sozusagen die andauernde Inhalation. »Letztendlich muss man abwägen. Mehrere hundert Inhaltsstoffe in der normalen Zigarette gegen drei bis fünf in der E-Zigarette«, erklärt Sascha Kaeten, seit einem Jahr Dampfer und inzwischen ein echter Profi. »Ich erspare mir einfach solche gefährlichen Substanzen wie Formaldehyd, Blausäure, Teer, Acetaldehyd, Nitrosamine, Polonium 210, .«

Fazit einer Studie, in der untersucht wurde, wie über E-Zigaretten aufgenommenes Nikotin klinisch wirkt: Die elektronische Zigarette schadet Herz und Gefäßen weniger als eine herkömmliche Kippe.

Das weiß auch der Mainzer Angiologe Dr. med. Sebastian Schmidtke: »Jeder Zug, den Sie nicht an einer normalen Zigarette nehmen, ist ein guter Zug«, erklärt der Spezialist für Gefäßkrankheiten. »Ich kann nicht sagen, ob eine E-Zigarette tatsächlich weniger schädlich oder gesünder ist, aber ich kann sagen, wenn schon rauchen, dann besser dampfen. Wenigstens gilt das für die Blutgefäße.«

Das Prinzip, das hinter einer E-Zigarette steckt ist simpel: jede elektrische Zigarette besteht aus einem Akku, einem Verdampfer und einem Tank. Das Liquid aus dem Tank kommt mit dem Verdampfer in Berührung, der auf Knopfdruck vom Akku mit Strom versorgt wird und sich aufheizt - es dampft. Dieser Dampf wird, wie bei einer normalen Zigarette, inhaliert. Im Grunde einfach, haben Dampfer aus der ganzen Welt daraus eine kleine Wissenschaft gemacht.

»Es gibt so viele Arten von Verdampfern, so viele verschiedene Akkus, so viele Tanks . Jeder Dampfer kann sich sein Gerät ganz individuell zusammenstellen«, sagt der Bastler Kaeten. »Das bringt sehr viel Spaß. Allerdings muss man sich auch mit dem Thema beschäftigen, Wissen und Zeit mitbringen.« Wer das nicht tut, aber trotzdem gerne an seiner E-Zigarette rumbasteln möchte, dem kann es wie dem inzwischen allseits bekannten Amerikaner gehen. »Der hat an seinem Akku rumgebastelt und keine Ahnung gehabt. Dann ist der Akku tatsächlich explodiert. Aber ich schraube ja auch nicht an meinem Handy-Akku herum oder fahre mit selbstgebastelten Bremsen Auto.«

Wer dampfen will, muss aber nicht gleich basteln. Im Handel gibt es unzählige fertige Teile und komplette Sets. Und tausenderlei Geschmäcker- von Waldmeister und Erdbeerkuchen bis zur kubanischen Zigarre. Jeder kann sich sei­ne eigene, persönliche Zigarette zusammenstellen - für sehr viel weniger Geld als man monatlich für Tabak ausgibt.

Kein »Beiwerk«

Was oben rauskommt, der »Passiv-Dampf«, ist reiner Wasserdampf mit einem Hauch von zum Beispiel Brombeerduft. Kein Nikotin, kein Teer, keine Asche, kein Abfall, keine brennenden Kippen, kein Gestank. Das unangenehme Beiwerk, das man als Raucher für sein Nikotin mit in Kauf nimmt, fehlt ganz einfach. Und auch der Raucherhusten, die Kurzatmigkeit, die Konditionsschwäche, die verminderten Sinnesempfindungen bei Geruch und Geschmack verschwinden. »Ob es wirklich ge­sün­der ist, weiß ich nicht«, ge­steht Kaeten. »Aber meine Wohnung stinkt nicht mehr nach Rauch, ich spare viel Geld und meine Nichtraucher-Freundin küsst keinen Aschenbecher mehr. Das ist doch was.« Da nimmt man auch gerne den ein oder anderen schiefen Blick von Nicht-Dampfern in Kauf.

Daniela Tratschitt