Heft 265 Oktober 2012
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Arbeit

Gesundheits- und Krankenpflege

Der Berufsalltag ist besser als sein Ruf


Der Pflegeberuf
Von der Gesundheits- und Krankenpflegerin zur Onkologischen Fachpflegerin: Simone Lawall hat die Weiterbildung schon hinter sich, Daniel Hurtig steckt mittendrin.

Denkt man an den Beruf als Pflegekraft in Krankenhäusern und ambulanten Pflegediensten, fallen den meisten zuerst Dreischichtdienst, Wochenendarbeit, geringe Entlohnung, anstrengende Arbeitsbedingungen, erhebliche psychische Belastungen im Angesicht von schweren Krankheiten und Sterben ein.

Attraktiv, so eine weit verbreitete Annahme, ist dieser Beruf nicht.

Muss man mit einem ausgeprägten Helfersyndrom ausgestattet sein, um den Beruf als Gesundheits- und Krankenpfleger/in zu erlernen und bis zur Rente auch auszuüben?

DER MAINZER befragte im Katholischen Klinikum Mainz eine »Schwester«.

Simone Lawall hat keine Probleme damit, »Schwester Simone« gerufen zu werden. Es sei noch immer üblich, die Pflegefachkräfte in den Krankenhäusern so zu nennen, außerdem auch ein Ausdruck von Verbundenheit zwischen »Schwester« und Patienten, erklärt die 44-Jährige.

Ihre Ausbildung zur examinierten Krankenschwester - die Berufsbezeichnung lautet heute Gesundheits- und Krankenpfleger/in (GKKP) - machte sie von 1986-89, an der Krankenpflegeschule der Universitätsmedizin, 1990 wechselte sie ins St. Vincenz und Elisabeth Hospital (Katholisches Klinikum Mainz KKM) in die Anästhesie als Pflegefachkraft, seit 1993 arbeitet sie in der Frauenklinik des KKM. Unterbrochen war die über 20-jährige Arbeit in der Krankenpflege von einem Jahr »Erziehungszeit«, dem sich zuerst eine habe Stelle anschloss, seit zehn Jahren arbeitet Lawall 75 Prozent einer Vollzeitstelle.

2005 bis 2007 machte Lawall berufsbegleitend eine Fachweiterbildung zur onkologischen Fachschwester/-pflegerin, inklusive der Zusatzqualifikation Palliativ-Care Schwester und Breast Care Nurse.

Mehr Gehör verschaffen

Der Pflegeberuf
Der Pflegeberuf hat unterschiedliche Gesichter und bietet mit zahlreichen Weiterbildungsangeboten viele qualifizierte Arbeitsmöglichkeiten. (Foto: KKM)
Motivation für die Weiterbildungen sei in erster Linie die Lust auf mehr Wissen gewesen, meint die Fachschwester. Festgestellt hat sie zudem, dass die Anerkennung, auch seitens der Ärzteschaft größer ist.

Die bessere Bezahlung nennt Lawall dagegen nicht als Motivationsgrund - obwohl, so stellt sie fest, eigentlich müssten Pflegekräfte grundsätzlich besser bezahlt werden und die Interessensvertretung auch durch eine Pflegekammer sei bedenkenswert, um den Pflegefachkräften mehr Gehör zu verschaffen.

Finanziert wurde die Weiterbildung vom Arbeitgeber KKM, im Gegenzug unterschrieb sie einen »Bindungsvertrag«. Außerdem machte Lawall eine Praxisanleiterausbildung in der KKM. Damit ist sie befähigt, in Absprache mit den Ausbildungsstätten Pflegerschüler, neue Mitarbeiterinnen und Weiterbildungs-Teilnehmerinnen praktisch auszubilden.

Ihr früherer Berufsalltag als Krankenschwester, so bilanziert Simone Lawall lasse sich mit dem heutigen als onkologische Fachschwester nicht vergleichen, was vor allem auf das zusätzliche Wissen zurückzuführen sei, das von Patienten wie Ärzten in Anspruch genommen und wertgeschätzt werde. Die Arbeitsabläufe im Brustzentrum seien so organisiert, dass für die Beratungsarbeit mit den Patientinnen genügend Zeit zur Verfügung stehe. Hinzu komme die intensive Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen, wie Fachärzten, Sozialdienst, Seelesorge und psychosozialer Beratung. Diese Neuorganisation der onkologischen Pflege und Beratung in der Frauenklinik ist Bestandteil der Zertifizierung als Brustzentrum.

Anreize schaffen

Froh ist »Schwester Simone« darüber hinaus, dass sie keinen Schichtdienst mehr leisten muss - das sei auf Dauer sehr anstrengend und bis zur Pensionierung hätte sie so nicht arbeiten wollen. Aber: »Es gibt Kollegen, für die das in Ordnung ist, das muss jeder selbst entscheiden.«

Sinnvoll sei auf jeden Fall, vor der Ausbildung ein Praktikum im Pflegebereich zu machen oder ein Freiwilliges Soziales Jahr, so die Empfehlung der Gesundheits- und Krankenpflegerin. Außerdem solle man von Anfang an die Vielzahl von Weiterbildungsmöglichkeiten im Pflegebereich bedenken und: »Die Arbeitgeber sind gefordert, mehr Anreize zu schaffen, um den Bedarf an Pflegekräften zu decken.« Lawall verweist auf außertarifliche Zulagen und interne Fortbildungen als zusätzliche Anreize. Für Simone Lawall steht fest: »Ich würde den Beruf jederzeit wieder lernen, man bekommt sehr viel zurück von Patienten und von Angehörigen.«

SoS

Infos KKM (Quelle: KKM)

Im KKM werden etwa 600 Pflegekräfte mit ein- und dreijähriger Ausbildung und mit zusätzlicher Fachweiterbildung im Pflege- und Funktionsdienst beschäftigt sowie etwa 80 Pflegehilfskräfte. Auf 35 Stationen werden pro Jahr etwa 27.000 Patienten stationär behandelt.

120 Ausbildungsplätze für Pflegekräfte stehen zur Verfügung, fast alle Auszubildenden werden übernommen.

Verdienstmöglichkeiten: Berufsanfänger/in (incl. unständiger Dienste - Bereitschaftsdienste, Rufdienste, Wochenende, Nacht und Feiertage) ca. 30.000 ?/Jahr, mit maximaler Berufserfahrung (incl. unständiger Dienste) ca. 41.000 ?/Jahr, mit maximaler Berufserfahrung (incl. unständiger Dienste) und Zusatzqualifikation, z.B. Fachpflege Anästhesie ca. 48.000 ?/Jahr.

www.kkm-mainz.de