Heft 264 September 2012
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Erbrecht

Rechtsanwälte Thema Erbrecht

Brauche ich ein Testament?


© fairith - Fotolia.com

Schon seit langem stellen Gerichte, Notare und Rechtsanwälte fest, dass nur etwa vier Prozent der Bundesbürger ein einigermaßen aktuelles und inhaltlich richtiges Testament haben. Viele glauben, man brauche kein Testament, zumindest sei dafür noch lange Zeit. Ein Blick auf die Todesanzeigen der Tageszeitung lehrt uns, dass ein großer Teil unserer Mitbürger ihre »statistische« Lebenserwartung nicht erreicht.

Beim frühen plötzlichen Tod fehlt dann jede erbrechtliche Vorsorge, der überlebende Ehegatte und die Kinder sind ungesichert, über das Erbe wird gestritten und am Ende bleibt oft nur ein Scherbenhaufen übrig. Manch einer meint auch, dass »nach ihm die Sintflut« kommen dürfe. Diese Meinung beruht oft nicht auf Verantwortungslosigkeit oder Leichtsinn. Dahinter verbirgt sich häufig die Angst, Fehler zu begehen, weil man sich mit der erbrechtlichen Regelung einfach überfordert sieht. Man meint, man könne es doch keinem recht machen, und unterlässt jegliche Verfügung für seinen Todesfall. Dann bestimmt im Erbfall nicht der eigene Wille, sondern der Zufall, wer mit welchem Anteil am Nachlass beteiligt ist. Deshalb sollte rechtzeitig die Beratung durch Fachleute gesucht werden, die über Spezialkenntnisse im Erbrecht verfügen, damit es hinterher in der Familie nicht zu einem Scherbenhaufen oder gar zu einer »Sintflut« aus Streit, Prozesskosten, hohen Erbschaftssteuern und erheblichen Vermögensverlusten kommt.

»Wer ein Testament errichtet hat, das die Besonderheiten der Familie berücksichtigt und Problemlösungen enthält, empfindet danach eine große innere Erleichterung. Er hat die Grundlage geschaffen für ein friedvolles Miteinander der Generationen und der Familienmitglieder untereinander. Wenn dann noch steuerrechtlich günstige Lösungen gefunden wurden, kann man gewiss sein, das richtige Testament geschrieben zu haben.«
(Hartmut Schäfer, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Erbrecht)

Frühzeitig über seinen Nachlass nachdenken

Stefan Graffert
Stefan Graffert

Der Tod eines Angehörigen ist für die Hinterbliebenen immer eine große emotionale Belastung, die mit viel Aufwand und Fragen der Abwicklung des Nachlasses verbunden ist. Als Alleinerbe oder Mitglied einer Erbengemeinschaft sehen sie sich komplexen rechtlichen Fragen im Hinblick auf die Verwaltung des Nachlasses, dessen Abwicklung oder der Erfüllung von Vermächtnissen oder Pflichtteilsansprüchen ausgesetzt, die kompetenten Rat erfordern.

Aber auch zu Lebzeiten machen sich viele Menschen Gedanken über ihren Nachlass. Sie sind zu dem Entschluss gekommen, ihr Vermögen nur bestimmten Personen zukommen zu lassen und die Ansprüche anderer nahestehender Personen zu beschneiden oder gänzlich auszuschließen. Dies kann im Wege der vorweggenommenen Erbfolge oder durch Gestaltung von Testamenten und Erbverträgen erfolgen. Hierbei ist es wichtig, dass ihr Wille so umgesetzt wird, dass später eine weitestgehende Umsetzung erfolgen kann. Möglich sind insoweit die Erbeinsetzung, die Herabsetzung auf den Pflichtteil oder gar die Pflichtteilsentziehung, die Anordnung von bestimmten Teilungen und Auflagen und der Testamentsvollstreckung.

Besonders zu beachten sind die Auswirkungen auf mögliche schenkungs- oder erbschaftssteuerrechtliche Tatbestände. Die Verfügungen und Festlegungen sollten unter Ausnutzung der derzeit geltenden Frei­beträ­ge erfolgen. Ein fachkundiger Rechtsanwalt verschafft ihnen bei der Umsetzung ihrer Ziele Klarheit und Sicherheit. Rechtsanwalt Stefan Graffert, Fachanwalt für Erbrecht mit langjähriger Erfahrung berät sie umfassend über die möglichen Verfügungen und steht ihnen auch im Rahmen von Erbrechtsstreitigkeiten zur Seite.

Damit der letzte Wille wirklich zählt...

...braucht man in den meisten Fällen ein gutes Testament - und das ist nicht so selbstverständlich, wie man annehmen sollte. Fachleute schätzen, dass in den nächsten 10 Jahren in Deutschland über eine Billion Euro vererbt wird und jede fünfte Vorkehrung in Form eines Testaments oder Erbvertrages nicht im Sinne des Testierenden - oder sogar nichtig ist.

Zahlen, die aufrütteln und unweigerlich zu der Frage nach dem Warum führen. Ein Grund liegt sicherlich darin, dass viele die Schwierigkeiten, die mit der Errichtung eines Testaments einhergehen, unterschätzen. Nicht weiter verwunderlich, denn dass ein professioneller Rat eines Juristen überflüssig ist, wird einem durch Broschüren mit Titeln wie »Testament selbst aufsetzen - jetzt ganz einfach« vorgegaukelt.

Um häufige Fehlerquellen zu verdeutlichen, betrachte man das folgende Beispiel eines selbst erstellten Testaments:

Mein letzter Wille Mainz, den 01.08.2012 Tante Erna erbt meine Kaffeekanne von Villeroy & Boch, die Ihr schon immer so gut gefallen hat. Die Firma soll Onkel Hans allein weiterführen und mein Kind bekommt den Rest.
Helga Schmitz

Bei einem ersten Lesen würde wohl jeder denken, dass der Wille von Helga Schmitz klar erfasst ist. Einem Juristen dagegen, springen die Fehlerquellen förmlich ins Auge. Zwar kann ein Testament durch eine eigenhändig geschriebene und unterschriebene Erklärung errichtet werden; »eigenhändig« bedeutet im juristischen Fachjargon aber, dass das Testament von Anfang bis Ende mit eigener Hand geschrieben worden sein muss. Ein »handgetipptes« Testament mit Unterschrift, wie das von Helga Schmitz, erfüllt diese Voraussetzung nicht und wäre demnach bereits aus diesem Grund formunwirksam.

Mit diesen strengen Formvorschriften soll aber niemand verärgert werden, vielmehr verfolgt der Gesetzgeber eines: Den Schutz des Testierenden. So soll zum Beispiel durch die notwendige Hand- und Unterschrift sichergestellt werden, dass das Testament »echt« ist und wirklich von seinem Verfasser herrührt. Eine Unterschrift dokumentiert zudem den Abschluss und die Rechtsverbindlichkeit der Verfügung und lässt damit auch eine Abgrenzung zu einem möglicherweise vorhandenen Entwurf zu.

Hat man die erste Hürde der Formvorschriften erst einmal genommen, folgt zugleich die zweite: Der gewählte Wortlaut. In diesem Zusammenhang kann zwar auf den römischen Grundsatz der»Falsa demonstratio non nocet« zurückgegriffen werden, wonach eine falsche Bezeichnung nicht schadet, solange feststeht, was tatsächlich gemeint war. Was sich einfach anhört, gestaltet sich jedoch in der Praxis als äußerst kompliziert. So ist die Ermittlung des tatsächlich Gewollten im Erbrecht naturgemäß schwierig, da der Testierende nach seinem Tod nicht mehr persönlich befragt werden kann.

Catharina
Hempler
Catharina Hempler

Lässt der Wortlaut des bestehenden Testaments nun verschiedene Auslegungsmöglichkeiten zu, sind Streit und Verärgerung unter den Bedachten vorprogrammiert. Diese Problematik resultiert oftmals daraus, dass einer juristisch nicht vorgebildeten Person bestimmte Folgen eines gewählten Wortlauts nicht bewusst sind. So kann beispielsweise immer wieder festgestellt werden, dass nur die Wenigsten wissen, dass ein einzelner Gegenstand, wie die Kaffeekanne von Helga Schmitz, nicht vererbt- sondern allenfalls vermacht werden kann.

Unbestimmte Begrifflichkeiten wie »Kind« und »der Rest« sollten unbedingt vermieden werden, denn wer soll tatsächlich gemeint sein, wenn der Testierende nach Errichtung des Testaments weitere Kinder bekommt? Was ist »der Rest« im Beispiel von Helga Schmitz? Soll dies bedeuten, dass das Kind der tatsächliche Erbe ist? Oder war viel­leicht etwas ganz anderes gewollt? Was ist jetzt mit Onkel Hans und der Firma? Eine Unternehmensnachfolge bedarf selbstverständlich noch komplexerer Lösungen. So kann man beispielsweise hohe Erbschaftssteuerfreibeträge sowie bereits bestehende Gesellschaftsverträge durch geschickte Ausgestaltung für sich nutzen. Schon anhand dieses kleinen Beispiels kann man erkennen, dass es nicht nur die Form ist, die es beim Verfassen eines Testaments zu beachten gilt.

Um Streit und Missverständnisse im Erbfall tatsächlich zu vermeiden, haben wir uns eine umfangreiche erbrechtliche Beratung zur Aufgabe gemacht. Dabei erläutern wir unseren Mandanten zunächst die gesetzliche Erbfolge, da es durchaus möglich ist, dass diese bereits genau dem entspricht, was gewollt ist. Sollte dies nicht der Fall sein, nehmen wir uns sehr viel Zeit für eine sorgfältige Ermittlung des »Gewollten«, da dieses im Zentrum aller weiteren Überlegungen stehen muss.

Im Folgenden zeigen wir unseren Mandanten die verschiedenen Möglichkeiten zur Umsetzung Ihres Willens auf. Einzel- und gemeinschaftliche Testamente mit Anordnungen von Vor- und Nacherbschaft oder der Teilung sowie Erbverträge und Stiftungen sind nur wenige der vielen Möglichkeiten. In diesem Rahmen haben wir uns praxistaugliche Formulierungen, die im Erbfall ohne juristische Hilfe verstanden und umgesetzt werden können, nicht nur zur Aufgabe, sondern auch zu unserer persönlichen Verpflichtung gemacht.

Da Veränderungen der Lebenssituationen dazu führen können, dass getroffenen Regelungen nicht mehr dem entsprechen, was man ursprünglich einmal gewollt hat, bieten wir unseren Mandanten außerdem alle fünf Jahre die Überprüfung Ihrer Testamente an - damit der letzte Wille wirklich zählt!

Catharina Hempler, Anwaltskanzlei Dr. Petereit & Armbruster