Heft 264 September 2012
Werbung




Mainzer Köpfe

Ute Becker begeistert in der »Grünen Schule«

Fundierte Pflanzenkunde: aufregend!


Ute Becker
Ute Becker

Auf den Spuren von Gärten bewegte sich Dr. Ute Becker vom nördlichen Deutschland gen Südwesten: Von Einbeck nach Göttingen, über Marburg und Frankfurt bis Mainz. Seit zweieinhalb Jahren ist sie Leiterin der »Grünen Schule« im Botanischen Garten der Universität und begeistert Kinder, Jugendliche und Erwachsene für die Welt der Pflanzen.

»Es gibt so viele tolle Pflanzen, die tolle Sachen machen!« Ute Becker ist fasziniert von ihren Forschungs- und Anschauungsgegenständen. Dass sie Kinder wie Erwachsene mitreißen kann, ist leicht vorstellbar - sie macht es direkt am Beispiel der Aristolochia deutlich. Anschaulich und geschickt dramatisierend beschreibt die promovierte Biologin, wie der Gestank dieser Pflanze und ihre äußere Ähnlichkeit mit sich zersetzendem Fleisch letztlich nur ihrer eigenen Fortpflanzung dient.*

Zielstrebig - über Umwege

Ute Beckers Leidenschaft für die Pflanzenwelt gründet auf, besser in, einem Garten. In dem ihrer Mutter, im heimischen Einbeck. Gelegen zwischen Göttingen und Hannover, in Südniedersachsen (Einbecker Mai-Urbock, so sagt sie, sei hierzulande manchen geläufig). Ein ganz normaler Hausgarten, der den Speiseplan der Familie bereicherte. Schon als Zwölfjährige habe für sie festgestanden, dass ihr Beruf etwas mit Pflanzen zu tun haben werde. Dass sie nun nicht am Computer Gärten plant oder im Fachhandel Gartengeräte vertreibt, hängt, im Rückblick gesehen, mit ihren zielstrebigen aber nicht klassischen wissenschaftlichen Ausbildungswegen zusammen: Der Gärtner-Ausbildung folgte ein Biologie-Studium, im Anschluss gärtnerische Praxis im Botanischen Garten in Göttingen, dazu Bildungsarbeit an einem »außerschulischen Lernort«, einem Bauernhof im ehemaligen Zonenrandgebiet. Die Promotion an der Marburger Uni, stellt sie fest, sei kein zwangsläufiger Schritt gewesen, stand aber in direkter Verbindung zu ihren praktischen Erfahrungen: Die Forschung drehte sich um eine naturschutzrelevante Fragestellung und die »Feldforschung« fand u.a. im Botanischen Garten von Marburg statt. Hier erlernte sie, ehrenamtlich, Öffentlichkeitsarbeit, die wiederum in Bildungsarbeit mündete und 2008, mit anderen Ehrenamtlichen, zur Gründung der »Grünen Schule« in Marburg führte. Aufgabe von »Grünen Schulen« in solchen Gärten ist Bildungsarbeit, nur mit der Finanzierung der entsprechenden Stelle(n) sei das so eine Sache. »In dieser Hinsicht ist Mainz Vorreiter«, so Becker. Hier ist die »Grüne Schule« angebunden am Fachbereich Biologie und wurde durch die Landesregierung als »Schulnahe Umwelterziehungseinrichtung in Rheinland-Pfalz (SchUR)« ausgezeichnet. Botanik werde oft als nicht wirk­lich spannendes Fach wahrgenom­men, weiß Ute Becker, weil Pflanzen als eher reglos gelten. Mag sein. Aber nur so lange, bis die 43-Jährige beginnt, deren Funktionen zu beschreiben. Da entstehen leicht wahre »Pflanzenkrimis« mit Opfern, Tätern und Beute. Wichtigste Grundlage dieser Entdekkungen ist genaues Beobachten - was gelernt sein will. Ute Becker sieht es als eine Voraussetzung, um sich überhaupt für naturwissenschaftliche Fächer zu interessieren und nennt auch das eine Auf­gabe der »Grünen Schule«: Bei Kin­dern und Jugendlichen die Begeis­terung für Natur und Wissenschaft zu wecken, als Nachwuchs­för­de­rung in eigener Sache sozusagen. Die erforderlichen pädagogischen Kenntnisse hat sich Ute Becker mittels »Learning by doing« und einer berufsbegleitenden Weiterbildung »Bildung für nachhaltige Entwicklung« angeeignet.

Hier kommt man schnell an

Ihr Unterricht am außerschulischen Lernort »Grüne Schule« kommt gut an: »Sie haben den Samen gelegt!« Solche Bekenntnis­se von Eltern, zum erwachten Interesse ihrer Sprösslinge, freuen und bestärken sie: »Diese Arbeit macht nicht nur Spaß sondern auch Sinn! Wer von etwas fasziniert ist, geht achtsam damit um.« Es ist ein einfacher Grundgedanke des Naturschutzes, den Ute Becker formuliert und durch ihre Arbeit vermittelt: unkompliziert ohne erhobenen Zeigefinger: »Wenn wir es schaffen, dass die Kinder sich die Funktionen von Pflanzen merken, ist ein Anfang auch für deren Erhaltung gemacht.« Bei so viel Begeisterung für Pflanzen und Gärten liegt es eigentlich auf der Hand - tatsächlich ist es auch so: Ute Becker teilt sich mit anderen einen Schrebergarten: »In dem kann ich selbst die Hände in den Boden stecken.« Lassen die Beschäftigungen mit Pflanzen und Gärten der Biologin noch Zeit, joggt und schwimmt sie, spielt mit Leidenschaft Saxophon. Und wie ist das als »Norddeutsche« hier im Südwesten? »Mainz ist ein Pflaster, wo man schnell ankommt«, stellt Ute Becker fest. Die Menschen seien offen, entgegenkommend - nur der Lärm. Becker blickt gen Himmel und stellt fest, die Stadt liege in einem Ballungszentrum und bis zu einem richtigen Wald, sei es schon ein Stück zu fahren. In dieser Hinsicht ist die beruflich bedingte Wochenendbeziehung mit ihrem Mann vielleicht eine Art Ausgleich: Der forscht und lehrt als Vegetationsökologe in Trier an der Uni. Von dort ist der Weg in Wald und Flur nicht weit - zum Wandern und mit Bestimmungsbuch. Die beiden teilen ihre Leidenschaften beruflich und privat.



SoS

* Wenn Sie das genauer wissen wollen, und nicht mehr im schulpflichtigen Alter sind, schauen Sie doch mal bei einer Sonntags-Führung im Botanischen Garten vorbei! Infos: www.botgarten.uni-mainz.de