Heft 264 September 2012
Werbung




Lesen

Werkstatt Strunkgasse

Wer braucht Böll?


yyy

Kurz vor Weihnachten 1992 ist Heinrich Böll ein zweites Mal gestorben. Anlässlich seines 75. Geburtstages erklärte das deutsche Feuilleton sein Werk für überholt. Das gesammelte Schweigen des Dr. Murke, das Irische Tagebuch oder die Ansichten eines Clowns - alles nicht mehr lesenswert?

Böll erlebte verschiedene Schaffensphasen. In den 50er und 60er Jahren zeichnete er die Erlebnisse des Kriegs nach und kritisierte die katholisch prüde Gesellschaft der Adenauer-Ära und wie es in dieser die Schuldigen und Mitläufer der Nazizeit in führende Positionen schafften.

In den 70er Jahren wurde Heinrich Böll dadurch berühmt, dass er den deutschen Terrorismus erfunden hat. Zumindest haben die deutschen Konservativen das im Kalten Krieg so gesehen. . Einige Motive ziehen sich aber durch alle Werke Bölls: die Liebe als die Kraft, die selbst die schlimmsten Gefahren und Schick­sale überwinden kann, oder das Christentum, nicht als hierarchischer Machtapparat, sondern als Solidargemeinde verstanden, in der Werte wie Toleranz, Verständnis oder Hilfsbereitschaft gelten...

Zu Lebzeiten war Böll aufgrund seines politischen Engagements eine umstrittene Figur. Ein Engagement, das sich in den Konstanten der Bonner Republik bewegte, die sich fünf Jahre nach Bölls Tod überlebt hatte. Nur ist sein literarisches Werk ohne die Aktualität des politischen Hintergrunds tatsächlich nichts mehr wert?

Unter dem Titel »Brauchen wir den noch?« stellt das Team der Werkstatt Strunkgasse Auszüge aus dem Werk Heinrich Bölls vor. Experten und interessierte Laien erzählen, welche Leseerfahrung sie mit dem Nobelpreisträger gemacht haben, was er ihnen gegeben hat - und was er ihnen heute noch gibt. Außerdem wird offen über die Kernfrage des Abends gestritten. Wann? Am Mittwoch, 26. September, um 19.30 Uhr in der Werkstatt Strunkgasse 5, Mainz-Mombach. Der Eintritt ist frei.

Infos: www.werkstattstrunkgasse.de

Wein und Wörter


Literatur mal anders - nach Feierabend im urigen Gewölbe­keller! So lautet das Motto der Ver­an­stal­tungs­reihe, mit der die Büche­rei am Dom auch im Jahr 2012 die Mainzer Kulturlandschaft bereichert.

Am 3. September bietet »Wein und Wörter« ein besonderes »Schmankerl«: Wolfgang Schleicher, ehemaliger Domänenrat auf Schloss Johannisberg plaudert kenntnisreich, humorvoll und kurzweilig über den »Wein in der Bibel«. Wer den agilen Weinspezialisten schon einmal erlebt hat, weiß, dass man sich auf einen amüsanten Abend freuen kann.

Veranstaltungsort: Weinhaus Michel, Jakobsbergstr. 8, 55116 Mainz, 3. September, 18.30 bis 20 Uhr; Eintritt 4 Euro, Begrenzte Platzzahl; Kartenvorverkauf in der Bücherei am Dom und im Weinhaus Michel; Kartenvorbestellungen (maximal 4) nehmen wir gerne entgegen unter: bue­cherei-am-dom@bistum-mainz.de