Heft 264 September 2012
Wie wird bewertet


  • 5 Punkte - Das macht gerade mal ein bisschen satt, schmecken muss es eh nicht!
  • 6 Punkte - Das könnte besser sein! Lasche Brötchen, matter Kaffee, Billig-Belag. Das Bemühen um Qualität ist nur schwer erkennbar!
  • 7 Punkte - Das einfache und gute Frühstück: frische Brötchen oder Brot, ein oder zwei Scheiben Wurst und ein warmes Getränk, das schmeckt!
  • 8 Punkte - Höchste Bewertung für ein perfektes Frühstück, Zutaten und Zubereitung auf allerhöchstem Niveau!
  • 9 Punkte - Da stimmt einfach Alles: Die Zutaten von hoher Perfektion, absoluter Frische und Qualität. Und auch das Auge sollte hier auf seine Kosten kommen!
  • 10 Punkte - Besser kann man es kaum machen: An Frische und Güte gibt es nichts auszusetzen, nur Waren von allerhöchster Markenqualität kommen zum Einsatz! Das Frühstück wird zum Ereignis...
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Frühstückstest (Teil 31)

DER MAINZER testet Frühstückslokale und Cafés Teil 31

WOHIN MORGENS?

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Cubo Negro

Karmeliterplatz 4
55116 Mainz
Tel. 06131-237977
www.cubonegro.de
Öffnungszeiten: tgl. 10-1 Uhr
am Wochenende bis 2 Uhr


Frühstück im Cubo Negro

Weil es etwas später geworden ist gestern, bin ich heute im Cubo Negro gelandet. An diesem heißen Sommertag hat die Terrasse dazu eingeladen. Ein bisschen hat der Zahn der Zeit schon am Außenmobiliar genagt, aber was soll`s! Espresso (1,80 €) und Cappuccino (2,20 €) verheißen den richtigen Start in den neuen Tag, ich aber nehme lieber mit einer Latte Macchiato (2,60 €) vorlieb.

Und dann beginnt die Qual der Wahl. Eisspezialitäten aller Art offeriert die Karte, nach ihrem skeptischen Studium bringt mir der aufmerksame Ober die Speisekarte. Die ist reichhaltig, aber zum Frühstück muss es kein großes Gericht sein, zumal ich gestern abend geschlemmt habe und meine Gattin immer wieder warnend auf die Decke zeigt, die schützend über meinem Waschbrettbauch liegt. Ein belegtes Brötchen wäre mir recht - ein Croissant oder ein anderes süßes Teilchen. Das alles aber gibt es nicht im Cubo Negro. Als Alter­native empfiehlt man mir deshalb eine Bruschetta. Gut, einverstanden!

Gleich darauf kommt mein Getränk. Einfach und gut, da kann man wenig falsch machen. Überrascht hat mich schließlich die Bruschetta, die auf einem feinen, weißen Porzellanteller serviert wird. Auf feinem Weißbrot mit knackiger Außenkruste, nicht mit geröstetem Brot wie sonst üblich. Köstlich die kleinst gewürfelten Tomaten und Oliven als Aufstrich.

Dezent, aber nicht zu unterschätzen das Knoblauchfundament und auch die verwendeten Öle harmonieren. Was will ich mehr an diesem Vormittag? Über die Nachbartische schweift der Blick zur Bauruine Sankt Christoph, Gutenbergs Pfarrkirche, in der er vermutlich auch getauft wurde. An der Ecke dahinter, Vis-a-Vis vom heutigen Altersheim, verbrachte auch der größte Sohn der Stadt schließlich seinen Lebensabend. Es ist die große Mainzer Geschichte, die hier den Frühstücks-Rahmen bietet, man muss ihn nur sehen!


Tabelle

Wiener Feinbäckerei

Schillerplatz 22
55116 Mainz
Tel. 06131-1432870
Öffnungszeiten:
Mo-Fr 6.30-19, Sa 7-15 Uhr


Wiener Feinbäckerei

Begonnen hatte alles vor über 100 Jahren in Offenbach, wo der Bäcker Heberer am Marktplatz einen Laden eröffnete. Seinen Sohn schickte er nach Wien ins berühmte Cafe Demel. Dort erlernte er die Wiener Backkunst. Die Nachfolger expandierten kräftig, vor allem in Ostdeutschland, und eröffneten 2007 in der Frankfurter Fressgass die Erste Wiener Feinbäckerei. 2010 firmierte man den Laden dann in Wiener Feinbäckerei Heberer um, die immer weiter wächst. Auch in Mainz, wo es inzwischen mehrere Filialen gibt - und die servieren hin und wieder auch Frühstück so wie am Schillerplatz.

»Süßes Wien« (2,45 €) heißt die süße Variante, bei der es ein Croissant mit Butter und Konfitüre gibt. »Einspänner« (3,20 €) ist ein ofenfrisches Brötchen nach Wahl, das mit Pfefferschinken, Salami und Leerdammer serviert wird. »Donau« (3,95 €) kommt mit einer Käseauswahl und Weintrauben, »Wiener Schmäh« (4,95) mit italienischem Landschinken, Salami, Tomaten und Mozarella und gleich zwei ofenfrischen Brötchen. Und für die Jüngsten gibt es »Kinderschmaus« (2,40 €), hinter dem sich ein Rosinen- oder Schokobrötchen, Konfitüre oder Honig, Nutella und ein Apfel verbirgt.

Wir probieren »Ei, Ei, Ei«: zwei Spiegeleier mit einem ofenfrischen Brötchen und Butter (2,00 €) und einen Latte Mac­chiato (2,10 €), den wir gegenüber einem Cappuccino (1,85 €) bevorzugen. Da gibt es nichts zu meckern, auch wenn wir das gewünschte Laugenbrötchen nicht erhalten, weil es angeblich nicht in der Kasse zu buchen ist. Auch das Besteck müssen wir reklamieren, weil es verschmutzt ist. Dafür ist die Riesenportion Butter in einem Porzellanschälchen. Das Personal müht sich redlich, ist freundlich. Die Einrichtung ist weit gehend genormt, besteht aus einer langen Theke und einfachen Holztischen. Noch einfacher sind die vor der Tür, die allerdings einen Blick auf den Schillerplatz zulassen. So kann man beim Frühstück noch ein bisschen Straßentheater genießen.

Bäckerei Helmut Vetter

Jakobsbergstr. 4
55116 Mainz
Tel. 06131-228225
Öffnungszeiten:
Mo-Fr 7-18 Uhr, Sa 7-13 Uhr


Bäckerei Helmut Vetter

Klein, aber fein. Das gilt für Helmut Vetter, der mitten in der Altstadt noch das Backhandwerk pflegt. Ein Traditionshandwerker sozusagen. Durch Zufall habe ich ihn bei meinem Frühstücksbummel entdeckt. Ein paar Tische mit gelben Plastikdecken vor der Tür signalisierten mir: da gibt es Frühstück! Also nichts wie rein und an die breite Theke, die das Ladengeschäft bestimmt. Brote aller Art sind im Angebot, dunkles Roggen zum Beispiel oder Malzkornbrot. Eine große Schiefertafel verheißt die Getränke: Café Creme (1,20 €) , Latte Macchiato (1,90 €) oder heiße Schokolade (1,30 €). Mir steht der Sinn nach einem Cappuccino (1,30 €). Was aber sonst? Die Entscheidung ist schnell gefallen: Drei frische »Quetschekuche« lachen unter der Theke heraus, einer schöner als der andere. Und da längst Quetschezeit ist, gibt es auch keinen Zweifel an der Bestellung. Wenig später ist das Stück (1,80 €) auf dem Teller, entschuldigt sich die Bedienung, dass sie heute leider keine Sahne dazu hätte. Schade!

Und dann raus auf die Gass`, die Gottseidank Fußgängerzone ist. Leider wackeln die Frühstückstische auf dem Kopfsteinpflaster gewaltig, was dem Untersetzer einen kleinen Cappuccino-See beschert. Und auch die Stühle laden nicht gerade zum Verweilen ein. Das Getränk ist so-la-la, viel mehr ist aus der Maschine nicht zu erwarten. Darüber aber tröstet der Kuchen: der Teig schön knusprig, die Zwetschgen richtig bissfest, nicht zermatscht wie so oft. Da kann man sich der Schrift nur anschließen, die groß im Laden steht: »Der Weg zu Vetter immer lohnt, auch wenn er etwas weiter wohnt«.

Einen alten Freund, den wir nach Jahren hier treffen, setzt sich zu uns, verweist auf eine andere Spezialität des Hauses, den Quarkkuchen nach schwäbischer Art. Der, verspreche ich ihm, soll das nächste mal dran sein. Drüben am Radhaus wird an alten Drahteseln geschraubt, in der anderen Richtung locken die Schilder der Weinstuben Michel und Lösch. Noch aber ist es ein paar Stunden hin, ehe die öffnen. Da nehmen wir lieber noch ein Stück »Quetschekuche« mit nach Hause...