Heft 264 September 2012
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Energie

Mit Photovoltaik und Solarthermie

Liegt Mainz auf der Sonnenseite?


Energie
Die erste Anlage der UrStrom eG auf dem Dach des Entsorgungsbetriebes der Stadt Mainz an der Zwerchallee.

Sauberen Strom erzeugen und den CO2 Ausstoß verringern - Mainz hat sich in Sachen Energiewende einiges vorgenommen: Bis zum Jahr 2020 will die Stadt 30% ihres Energiebedarfs aus regenerativen Energiequellen decken, so ein Stadtratsbeschluss von 2008. Die Stadtwerke Mainz AG (SWM) hat sich verpflichtet einen Anteil von 20 Prozent beizusteuern.

2011 betrug der Anteil der erneuerbaren Energien am Strombedarf 6 Prozent, wozu insbesondere ein Anstieg bei Photovoltaikanlagen beitrug, heißt es im Umweltamt. Ob sich dieser Trend angesichts der mittlerweile veränderten Solarförderung seitens der Bundesregierung fortsetzen wird, bleibt abzuwarten. Die geänderten Konditionen der Einspeisevergütung verändern die finanziellen Anreize für die Anlagenbesitzer. Außerdem ist die Zahl geeigneter Dächer für größere Photovoltaikanlagen in Mainz begrenzt.

Anreize schaffen


Über 700 Solaranlagen zählt die SWM in Mainz und im angrenzenden Landkreis Mainz-Bingen 2011, 2009 waren es knapp 400. Neben den Photovoltaikanlagen, die Strom erzeugen, gibt es auch Solarthermieanlagen, die zur Warmwassererzeugung und zur Unterstützung der Heizung genutzt werden. 4.000 m² dieser Kollektoren finden sich im Stadtgebiet, 1.200 m² auf dem Dach des Mombacher Schwimmbads. Zusammengerechnet konnten Solarthermie- und Photovoltaikanlagen im letzten Jahr rund 7.800 Tonnen CO2-Ausstoß einsparen.

Befördert wurde der Mainzer Solaranlagenausbau in den letzten drei Jahren durch unterschiedliche Initiativen: Die Aktion »500 Dächer für Mainz« sollte Anreize für die Bereitstellung von Dachflächen schaffen, das online abrufbare Solarkataster hilft, die Eignung von Dachflächen für Photovoltaikanlagen zu ermitteln. Großprojekte wie die Photovoltaikanlage auf der Coface Arena und den Dächern des Entsorgungsbetriebs in Weisenau wurden als »Bürgersolaranlagen« realisiert: Bürger konnten bei der Sparkasse und der Mainzer Volksbank Solarbriefe erwerben, um die Anlagen zu finanzieren. Die Inhaber der Solarbriefe profitieren wiederum durch die feste Rendite.

Seit Januar dieses Jahres gibt es außerdem die Mainzer Energie Genossenschaft (MEG), deren Gründungsmitglieder unter anderem die MVB, die Juwi AG, Schott Solar und die Stadtwerke sind. Jeder Bürger und jedes Unternehmen kann Anteile an der Genossenschaft erwerben, die in regenerative Energien investiert werden. Michael Häfner von der Mainzer Volksbank, der neben Dirk Strehlau von den Stadtwerken als Vorstand der MEG fungiert, betrachtet die Arbeit der Genossenschaft als Win-Win-Situation für alle Beteiligten: »Wir haben bisher drei große Solaranlagen gebaut, einmal auf der Großmarkthalle in Hechtsheim, dann auf dem Dach der J.N. Köbig GmbH in der Rheinallee und auf der Akademie der Wissenschaften und der Literatur. Derjenige, der uns die Dachflächen zur Verfügung stellt profitiert von der dadurch anfallenden Pacht, unsere Mitglieder von der Dividende, die derzeit bei 3% liegt und wir, indem wir mit Hilfe von Überschüssen in neue Anlagen investieren können.« Dass diese Anlagen in Zukunft eher in Form von Windanlagen zu verwirklichen sind, möchte Häfner nicht ausschließen: »Die Ungewissheit der weiteren Solarförderung nötigt uns erst mal dazu im Bereich des Solarausbaus auf die Bremse zu treten, Windparks als weitere Beteiligungsmöglichkeit bieten sich da eher an.«

Politischer Wille


Anders als bei der MEG geht die Gründung der UrStrom BürgerEnergieGenossenschaft nicht auf eine Initiative von Unternehmen sondern von Bürgern aus Mainz und Umgebung zurück. Diese Genossenschaft nahm Ende 2011 ihre Arbeit auf und wird mittlerweile von über 70 Mitgliedern getragen. Die UrStrom eG hat bisher zwei Photovoltaik-Anlagen realisiert, eine davon ist die Anlage auf dem Dach der Entsorgungsbetriebe in der Zwerchallee. Zwei weitere Anlagen befinden sich in der konkreten Planung und sollen in diesem Jahr fertig gestellt werden. Wegen der Änderungen der Einspeisevergütung geriet die Realisierung dieser beiden Anlagen zeitweise ins Stocken: »Der Vergütungssatz für kleine Anlagen wurde von 23 Cent auf unter 18 Cent pro kWh reduziert und sinkt monatlich um weitere 1%. Für große Anlagen reduziert sich der Satz auf 12 Cent, wobei nur 90% des Stroms überhaupt noch vergütet werden«, erklärt Klaus Grieger, Mitglied des Aufsichtsrates der UrStrom eG und fügt hinzu: »Mit dem ursprünglich verabschiedeten Gesetz, das vom Bundesrat gekippt wurde, gab es darüber hinaus weitere starke Einschnitte für mittelgroße Solaranlagen, so dass die Realisierung von Bürgersolaranlagen im letzten halben Jahr nicht mehr möglich war.«

Momentan, so Grieger, ermöglichen die Einspeisetarife mit dem neu verabschiedeten Gesetz der Regierung noch den Bau neuer Bürgersolaranlagen. Sein Fazit: »Es bleibt zu hoffen, dass die Politik in Zukunft die Rahmenbedingungen für eine umweltfreundliche, dezentrale Energieversorgung mit Bürgerbeteiligung erhält.«

Infos:

www.mainz-energie.de
www.mainz.de/solarkataster
Die UrStrom-BürgerEnergieGenossenschaft kennenlernen lässt sich z.B. beim nächsten Treffen des UrStrom-Clubs am 3. September und unter www.urstrom.com


Katrin Henrich