Heft 263 August 2012
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Zeitarbeit

Chance »Zeitarbeit«

Impulse für Arbeitsmarkt und Volkswirtschaft


Zeitarbeit
Foto: djd/Randstad

Zeitarbeit - Personal-Leasing - Arbeiternehmerüberlassung: Flexible Beschäftigungsformen werden seit Jahren in Politik und Gesellschaft kontrovers - und teilweise auch sehr emotional - diskutiert. Während die Unternehmen auf die große volkswirtschaftliche Bedeutung, Integrationsmöglichkeiten für Zeitarbeiter und bessere Chancen für Geringqualifizierte hinweisen, monieren Kritiker den dadurch möglichen Abbau regulärer Arbeitsplätze, soziale Probleme und die nicht immer gewährleistete Gleichbehandlung (»Equal Treatment«).

Warum überhaupt Zeitarbeit?


Jedes Unternehmen ist auf qualifizierte und gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen - etwa um neue Aufträge annehmen und zeitnahe umsetzen zu können. In bestimmten Wirtschaftssegmenten kann der Einsatz von Personal aber nicht immer lange im Voraus geplant werden: Dadurch entsteht öfters sehr kurzfristig ein Bedarf an Spezialisten. Hier ist das Know-how der Personaldienstleister gefragt: Sie schicken je nach Projekt die passenden Arbeitnehmer ins Unternehmen, die sie oft auf eigene Kosten schulen und weiterbilden. Somit nehmen sie den Kundenunternehmen aufwendige und langwierige Bewerbungsprozesse ab.

Von Zeitarbeit profitieren aber auch viele arbeitslose Arbeitnehmer: Sie ermöglicht die Anpassung an sich wandelnde Arbeitsmärkte, reduziert die Arbeitslosigkeit und trägt dazu bei, die richtigen Qualifikationen für den Arbeitsmarkt zu finden und diese aktuell zu halten. Sie ist quasi ein »Motor für die Schaffung von Arbeitsplätzen« - die dafür nötigen Rahmenbedingungen vorausgesetzt.

Neue Chancen für Arbeitnehmer


Der Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) nennt in einem aktuellen Bericht Daten und Fakten zur Rolle der Zeitarbeit in unserer Gesellschaft:

65 Prozent der neu eingestellten Zeitarbeitnehmer waren vorher ohne Beschäftigung. Sie erhalten durch Zeitarbeit eine Perspektive und schaffen den Sprung in den Arbeitsmarkt. Zeitarbeitsunternehmen bieten Arbeitnehmern die Chance, sich zum Beispiel für neue Tätigkeitsfelder zu qualifizieren. Besonders für Quereinsteiger ebnet Zeitarbeit so den Weg in neue Berufe mit Zukunft. Die Zeitarbeitsbranche ist nicht nur ein Sprungbrett in den Arbeitsmarkt, sondern bietet auch eine realistische Chance auf die Übernahme in die Stammbelegschaft der Unternehmen. 2011 wurden ca. 300.000 Zeitarbeitnehmer von Unternehmen in die Stammbelegschaft eingegliedert.

Gerade für Geringqualifizierte bietet die Zeitarbeit einen Zugang zum Arbeitsmarkt, den es in vielen Branchen kaum noch gibt. Rund ein Drittel aller Beschäftigten im Bereich der Arbeitnehmerüberlassung haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. Für die Betroffenen ist Zeitarbeit eine große Chance, zumal die Personaldienstleister ihren Mitarbeitern ein breites Angebot an Qualifizierungsmaßnahmen bieten.

Zeitarbeit eröffnet gerade auch für am Arbeitsmarkt benachteiligte Personengruppen einen direkten Zugang zu sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen, die mit 90 Prozent der Regelfall in der Zeitarbeit sind.

»Equal Treatment«


Auch zur Frage der Gleichbehandlung legt der BAP Zahlen auf den Tisch: Zeitarbeitnehmer unterliegen vollständig dem allgemeinen deutschen Arbeitsrecht mit all seinen Schutzfunktionen wie:

  • Gesetzlichem Kündigungsschutz,
  • gesetzlicher Lohnfortzahlung im Krankheitsfall,
  • gesetzlichem Urlaubsanspruch,
  • gesetzlichem Arbeitsschutz
Die Bezahlung von Zeitarbeitnehmern basiert zu fast 100 Prozent auf Tarifverträgen, die von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden der Zeitarbeit abgeschlossen wurden. Für rund drei Viertel aller Zeitarbeitnehmer gelten DGB-Tarifverträge. In den Tarifverträgen des BAP liegt das niedrigste Einstiegsgehalt für Geringqualifizierte bei 7,89 Euro pro Stunde (Entgeltgruppe 1/West). Spezialisten können jährlich 80.000 Euro und mehr verdienen. Im November 2012 steigen die Löh­ne in der Entgeltgruppe 1 auf 8,19 Euro. Zusätzlich schützt eine verbindliche Lohnuntergrenze Zeit­arbeitnehmer vor Lohndumping.

Abbau regulärer Arbeitskräfte?


Laut einer knapp 10 Jahre alten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (Untersuchungszeitraum 1998-2003) kam es in der Vergangenheit zu einem Austausch von Stamm- und Leihbeschäftigten. Die Financial Times resümierte damals: »So lässt sich 2003 in jedem dritten Nutzerbetrieb die Verdrängung regulärer Beschäftigung nachweisen.« Der Autor der Studie, Markus Promberger, formulierte vorsichtiger: »Die Arbeitsmarktwirkung der Zeitarbeit ist nicht eindeutig positiv.«

Vier aktuellere Studien - darunter eine der Gewerkschaftseigenen Hans-Böckler-Stiftung - kamen dagegen zu dem Ergebnis, dass es diesen Verdrängungseffekt nicht gibt.

In der neuesten Studie der Bertelsmann Stiftung (»Herausforderung Zeitarbeit«, 2012) heißt es dazu wörtlich:

»Vergleicht man die Veränderung in der Anzahl der Stammarbeitskräfte mit der Veränderung in der Anzahl der Zeitarbeitnehmer in den Kundenbetrieben, ist der sehr kritisch gesehene Aufbau von Zeitarbeit bei gleichzeitigem Abbau der Stammbelegschaft nur sehr selten zu beobachten. Wesentlich häufiger kommt dagegen die gegenteilige Kombination vor, bei der Zeitarbeitskräfte reduziert werden und gleichzeitig die Stammbelegschaft wächst. Diese Befunde sprechen vielmehr für eine andere als die Substitutionsthese. Denkbar ist, dass die Nutzung von Zeitarbeit ihrer wirtschaftspolitischen Intention entspricht und mit Effizienzgewinnen für die Unternehmen verbunden ist und damit sogar hilft, die Stammbelegschaft zu sichern oder gar zu erhöhen.«

Zeitarbeit und Volkswirtschaft


Für die Volkswirtschaft ist Zeitarbeit ein wichtiger Baustein: In der Wirtschaftskrise hat sich laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) gezeigt, dass gerade diejenigen Unternehmen, die den Aufschwung tragen, besonders stark auf die Flexibilität der Zeitarbeit angewiesen sind. Die Unternehmen, die Zeitarbeitnehmer einsetzen, sind deutlich stärker internationalisiert und innovativer als die Gruppe ohne Zeitarbeitskräfte. Damit stärken die Unternehmen, die Zeitarbeit einsetzen, nachhaltig die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland. Die Zeitarbeitnehmer wiederum sichern auf diese Weise die Arbeitsplätze der Stammbeschäftigten.

(-mdl-)